Forscher fordern in Memorandum den Wert von Pflegearbeit mehr zu schätzen: „nur 5% glauben, dass in Pflegeeinrichtungen genügend Zeit für Betreuung und Versorgung der alten Menschen da ist.“

Fünf vom Bundesbildungsministerium geförderte Forschungsprojekte haben sich mit der Pflegearbeit und ihrer Wertschätzung auseinandergesetzt.
Sie treten nun mit einem gemeinsam verfassten Memorandum an die Öffentlichkeit.
Darin fordern die Forscher konkrete Schritte zur Verbesserung der Arbeitssituation in der Pflege.
Sie stellen fest: „Altenpflegekräfte begreifen ihre Arbeit als sehr sinnvoll und wichtig und sind stolz darauf. Fast 70% von ihnen wünschen sich, bis zur Rente in ihrem Beruf zu arbeiten, wenn sie das gesundheitlich schaffen. Sie leiden aber stark unter Zeitdruck, überhöhter Arbeitsintensität, Personalmangel und Effizienzdruck: Belastungen, die oft ihre Gesundheit schädigen.“

http://www.pt-ad.pt-dlr.de/_media/Memorandum_2-Seiter.pdf

In der Bevölkerung werde die Leistung der Pflegekräfte in den Einrichtungen einer repräsentativen Befragung zufolge ebenfalls anerkannt und wertgeschätzt.
Zugleich würden aber auch die schwierigen Bedingungen gesehen, unter denen die Pflegekräfte arbeiten: „90% der Befragten meinen, es stehe zu wenig Geld für Altenpflege zur Verfügung; nur 5% glauben, dass in Pflegeeinrichtungen genügend Zeit für Betreuung und Versorgung der alten Menschen da ist.“

Auf allen Ebenen seien Schritte zur besseren Wertschätzung von Pflegearbeit nötig: in den Pflegeeinrichtungen, in der Politik, in der Öffentlichkeit.
Die hohe Motivation und der engagierte Einsatz der Pflegefachkräfte dürfe nicht durch kurzfristiges Kostendenken verspielt werden, so die Forscher.

VDAB unterstützt Memorandums, sieht aber andere Ursachen für Fachkräftemangel und Fluktuation.  Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB) begrüßt die generellen Zielsetzungen des Memorandums.
Allerdings sieht der Verband zum Teil andere Ursachen für den Fachkräftemangel und die hohe Fluktuation im Pflegebereich. „Entbürokratisierung, Berufstreue und Attraktivität des Pflegeberufes hängen unmittelbar mit der Frage zusammen, wie viel Vertrauen Politik, Kostenträger, Medizinische Dienst und Heimaufsichten bereit sind, der Pflegebranche entgegenzubringen“, sagt dazu Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des VDAB. Knieling weiter: „Qualitätsrichtlinien und Qualitätsprüfungen sind rein defizitorientiert. Leistung bleibt damit weitgehend ohne Anerkennung. Dieser für uns so wesentliche Faktor wird in dem vorliegenden Memorandum leider noch großteils ausgeblendet“.
Quelle: Altenheim Online