Schlagwort: Aachener Karlspreis

  • „Europa ist mein Leben!“

    „Europa ist mein Leben!“

    Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, wird mit dem Karlspreis ausgezeichnet

    • Demokratie und Freiheit in Europa zu verteidigen und zusammen den Bedrohungen der Gemeinschaft zu trotzen. Das waren die Kernthemen der diesjährigen Karlspreisverleihung.
    • Die Krisen als Chance, etwas zu erreichen: „Die Geschichte ruft jetzt, dass wir handeln, dass Europa aufsteht“, sagte Ursula von der Leyen. Sie skizzierte das Projekt eines unabhängigen Europas.
    • 700 Gäste wohnen der Zeremonie im Krönungssaal des Aachener Rathauses bei, viele Besucher*innen jubeln der neuen Karlspreisträgerin nach der feierlichen Zeremonie und beim anschließenden Auftritt auf dem Katschhof zu.

    Die Auszeichnung mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen, die Ursula von der Leyen am heutigen Himmelfahrtstag, 29. Mai, entgegennahm, stand unter besonderen Vorzeichen. Die akuten und anhaltenden Bedrohungen der europäischen Gemeinschaft – durch Krisen, Krieg, Klimawandel, durch Aggression und Desinformation von innen und außen – zogen sich wie ein roter Faden durch die Verleihung, die Veranstaltungen und Gespräche im Umfeld. Gleichzeitig war aber auch von der daraus resultierenden Chance, von Aufbruch und Verantwortung die Rede. Der Tenor: Nur gemeinsam können die großen Herausforderungen bewältigt, können Demokratie und Freiheit in Europa bewahrt und verteidigt werden. Nur ein eigenständiges, vereintes Europa der Stärke kann demokratisch, wirtschaftlich und diplomatisch gestärkt aus den Krisen hervorgehen.

    Bereits am Vorabend, bei „Karlspreis LIVE“ auf der Bühne am Katschhof, stellte die zu diesem Zeitpunkt noch designierte Karlspreisträgerin klar, dass Europa aktuell zwar schwere Zeiten erlebt und viele Krisen zu meistern hat, während „die internationale Ordnung mehr zur Unordnung geworden ist. Aber, und das ist das wichtige: Es ist auch eine große Chance. Jetzt kommt es auf Europa an. Die Geschichte ruft jetzt, dass wir handeln, dass Europa aufsteht“, sagte von der Leyen zur Menge auf dem Katschhof und gab damit schon einen Vorgeschmack auf die Kernpunkte ihrer sehr persönlichen Rede vom Donnerstag, in der sie auch das bedeutende europäische Erbe Aachens hervorhob.

    Ursula von der Leyen: Demokratie muss jeden Tag mit Leben gefüllt werden

    „Europa ist mein Leben. Und es ist die größte Ehre meines Lebens, heute hier vor Ihnen allen zu stehen“, sagte die frisch gekürte Preisträgerin, als sie im Krönungssaal ans Rednerpult trat. „Dieser Preis, diese Stadt sind das Symbol für ein vereintes Europa. So Vieles in Aachen zeugt von unserer Kultur und Geschichte. Das Wunder Europa – die Wiedervereinigung von Völkern, Geschichte und Schicksal – sind in dieser Stadt festgeschrieben.“

    Die Preisträgerin sprach von drei bedeutenden Denkmälern in Aachen, die von der Geschichte und Bedeutung Europas zeugen. Zunächst der Aachener Dom, „ein einzigartiges Zeugnis der geistigen, kulturellen und politischen Renaissance Europas, angestoßen durch die Vision Karls des Großen. Seine Idee für Europa war, einen Raum zu schaffen, in dem sich Wissenschaft und Kultur, Bildung und Rechtstaatlichkeit entfalten können.“

    Als zweiten Ort wählte von der Leyen die von den Nationalsozialisten zerstörte alte Synagoge und schlug eine Brücke zur Aachenerin Edith Holländer und ihrer Tochter Anne Frank, deren Ausspruch heute noch beeindruckt: „Und doch, wenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte aufhören wird, dass wieder Ruhe und Frieden in die Weltordnung kommen werden. Inzwischen muss ich meine Ideale hochhalten, in den Zeiten, die kommen, sind sie vielleicht doch noch auszuführen.“ Die neue Synagoge in Aachen ist für von der Leyen „ein Symbol der Wiedergeburt, aber auch der Erinnerung. Eine schmerzhafte Mahnung an Europa, wachsam und unnachgiebig zu sein gegenüber all jenen, die Hass säen und unsere Gesellschaft spalten wollen. Niemals wieder dürfen wir uns auf diesen Weg begeben.“ Anne Franks Worte sieht sie als „eine Lektion in Menschlichkeit. Eine Pflicht, niemals zu vergessen, und der Auftrag, eine Gesellschaft zu schaffen, in der jedes Kind seine Träume und Ideale verwirklichen kann. Das ist, was Europa auch für mich bedeutet.“

    Als dritten Ort nannte von der Leyen das Aachener Rathaus, wo vor 75 Jahren der europäische Vordenker Richard Coudenhove-Kalergi als Karlspreisträger ausgezeichnet wurde. „Auch er hatte eine Vision für Europa: ein Europa, in dem Menschen dank gemeinsamer Kultur und Werte, Freiheit und dem Respekt vor der Menschenwürde zusammenkommen“, sagte von der Leyen.

    Sehnsucht nach Erneuerung und Aufbruch

    Diese drei Aachener Symbole wählte von der Leyen, weil sie „aussagen, was es heißt, Europäerin und Europäer zu sein. Und was das für unsere Zukunft bedeutet. Sie zeigen uns, dass unsere Geschichte, die so grausam wie großartig ist, uns miteinander verbindet. Als Europäerinnen und Europäer. Als Generationen.“ Gleichzeitig sieht die Preisträgerin auch die Sehnsucht nach Erneuerung und Aufbruch. „Es ist an der Zeit, dass Europa erneut aufsteht und das nächste, große europäische Projekt verwirklicht“, griff sie noch einmal das Gesagte vom Vorabend auf und betonte, dass dieses einende Projekt von einem unabhängigen Europa ausgehen müsse.

    Europa könne nicht tatenlos den Umwälzungen zusehen, sagte von der Leyen. Sie forderte, nicht einem falschen Irrglauben zu verfallen, dass der Sturm einfach vorbeiziehen werde, und mahnte, Europa stünde vor einer grundlegenden Entscheidung: „Warten wir ab und reagieren wir nur auf die unmittelbare Krise? Akzeptieren wir ein vermeintliches Schicksal? Oder nehmen wir die Dinge selbst in die Hand und entscheiden selbst über unsere Zukunft?“ Es sei nötig „unsere Fesseln abzuwerfen“, um ein unabhängiges Europa aufzubauen.

    Dieses unabhängige Europa stellt Ursula von der Leyen auf vier zentrale Säulen: Die Entwicklung einer neuen Form einer Pax Europaea des 21. Jahrhunderts, der Fokus auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, die verstärkte Arbeit an der nächsten historischen Wiedervereinigung des Kontinents, und als grundlegende, untermauernde Aufgabe: die Demokratie in Europa zu erneuern und zu stärken. „Uns allen ist bewusst, dass unsere Demokratien angegriffen werden – durch Widersacher von außen, die mit vereinten Kräften vorgehen, aber auch durch Versuche, sie von innen heraus auszuhöhlen. Wir müssen gegen diese Bedrohungen und Tendenzen ankämpfen.“ Dazu gehört für die Preisträgerin auch, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung zu verstehen. „Demokratie erreicht man nicht ein für alle Mal. Man muss sie jeden Tag wieder mit Leben füllen.“ Die Verantwortlichen müssten Treiber von Veränderung sein. „Nur, wenn wir zeigen, dass die Demokratie funktioniert für die Menschen, dass sie liefert, nur dann können wir eine stärkere Union schaffen. Europa kann es nur gut gehen, wenn es der Demokratie gut geht. Das muss uns Ansporn sein, dass muss uns Verpflichtung sein.“

    Und sie fordert ein: „Wir sind Europäerinnen und Europäer. Diese Empathie, diese Solidarität, diese Kultur. Es ist an uns, dies zu unserem unabhängigen Europa zu machen. Ich fühle mich unglaublich geehrt, durch die Auszeichnung dieses Karlspreises. Lang lebe Europa.“

    König Felipe VI: Herausforderungen sind nur gemeinsam zu bewältigen

    In seiner Ansprache blickte der spanische König Felipe VI, Schirmherr des Internationalen Karlspreises zu Aachen, sechs Jahre zurück, als er an gleicher Stelle gemahnt hatte, dass einige den europäischen Traum aufgegeben, der Welt den Rücken gekehrt hätten, aus Angst vor einer unsicheren Zukunft. Er verwies auf die Stimmen, die aktuell versuchen, diese Unsicherheiten auszunutzen, um die Integration der EU weiter in Frage zu stellen. „Wir müssen diesen Stimmen entgegentreten“, forderte Felipe VI.

    Die gefährlichen und fehlgeleiteten Ideen, dass Europäer unabhängiger und souveräner seien, wenn sie getrennt in nationalen Gemeinschaften lebten, könnten falscher nicht sein. „Wenn man sich die großen Herausforderungen ansieht, vor denen wir stehen, sollte allen klar sein, dass wir sie nur gemeinsam bewältigen können, wie Präsidentin von der Leyen wiederholt betont hat. Dies gilt für die Bereiche Sicherheit, Wirtschaft und Diplomatie.“ Er ist sicher, die internationale Gemeinschaft rufe nach mehr Europa. „Es ist jetzt wirklich die Zeit für Europa. Nicht für eine „eurozentrischere“ Sicht auf die Welt, sondern für einen größeren, ehrlichen und respektvolleren Beitrag unseres Handelns und unserer Werte zu einer besseren Welt.“

    Ursula von der Leyen sieht er als „die Verkörperung des europäischen Geistes und damit eine mehr als würdige Trägerin dieses Preises. Sie hat sehr bedeutende Krisen für Europa mit großem Erfolg und durch die Förderung der Einheit bewältigt.“ Felipe VI gab der Preisträgerin auch einen Auftrag mit: „Ich hoffe, dass diese Auszeichnung dem europäischen Geist, der ihr Handeln in der Vergangenheit beflügelt hat, weiteren Auftrieb gibt; möge sie bei jeder Gelegenheit Wege finden, unser gemeinsames Projekt zu stärken.“

    Mehrmals lieh sich der spanische König während seiner Rede die Worte der Kommissionspräsidentin und zitierte zum Abschluss: „‚Europa muss seine beste Option wählen: die Union.“ Diese Worte sind nicht meine eigenen. Es sind ihre, und wir teilen sie mit ganzem Herzen und voller Überzeugung. Denn in der Einigkeit sehen wir Stärke. In der Solidarität eine Zukunft. Damit wird ihre Stimme zu unserer.“

    Merz: Freiheit und Demokratie sind es wert, dass wir für sie einstehen

    Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Ursula von der Leyens Worte genutzt wurden, um wichtige europäische Botschaften zu untermauern. „Unser Europa wurde geschaffen, um den Menschen zu dienen“, wiederholt Bundeskanzler Friedrich Merz ihre Worte. Die Preisträgerin und er selbst seien in dieses Europa der Freiheit, des Friedens hineingeboren worden. „Wir beide verstehen dieses Erbe als eine historische Pflicht. Die Pflicht, dieses Europa zu erhalten, ein Europa, das den Menschen dient. Ein Europa, in dem wir selbstbestimmt, in Freiheit und in Demokratien leben können“, sagte Merz.

    Doch was ist es, wofür Europa steht und was die Europäer gemeinsam verteidigen? „Wir in Europa stehen für das, was wir – über Jahrhunderte hinweg, durch unzählige Rückschläge und Katastrophen hindurch – gemeinsam erdacht, entwickelt, errungen, auch erkämpft haben, nämlich die Überzeugung: Freiheit und Demokratie sind es wert, dass wir entschlossen für sie einstehen und wenn notwendig für ihren Erhalt kämpfen.“ Was uns in Europa verbinde, sei die Erkenntnis, dass jeder Mensch mit Würde ausgestattet ist, „einer Würde, die unantastbar ist und deren Schutz uns allen anvertraut ist. Das ist die Idee Europas. Doch wer sich auf der Welt umschaut, der sieht: Diese Idee ist bedroht.“

    Der Bundeskanzler versprach: „Wir werden nicht am Rande stehen, wenn es darum geht, Freiheit und Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde auf unserem Kontinent zu bewahren und zu stärken.“

    Merz sieht bereits einen neuen „Geist der Geschlossenheit“ zwischen den Staaten, angeführt von der Karlspreisträgerin Ursula von der Leyen, als „starke Vertreterin eines starken Europas“, die Europa in der Welt eine Stimme gibt: „Eine europäische Stimme. Dafür wirst du heute hochverdient mit dem Karlspreis ausgezeichnet.“

    Oberbürgermeisterin Keupen: Die Welt kann sich auf Europa verlassen

    Die 75 Jahre bestehende Tradition des Karlspreises und dessen Gewicht im Europa der Gegenwart betonte Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in ihrer Ansprache: „Aus einer visionären – und in Anbetracht der Verhältnisse im Nachkriegs-Deutschland durchaus außergewöhnlichen – Idee ist der Karlspreis im Lauf der Zeit selbst zu einer international anerkannten Institution geworden, die wie keine andere für den europäischen Gedanken steht. Viele der Preisträgerinnen und Preisträger haben das Weltgeschehen der vergangenen 75 Jahre maßgeblich beeinflusst. Oder sie tun dies wie unsere heutige Preisträgerin nach wie vor. Wir können also sagen: Der Plan der Gründerväter ist vollends aufgegangen.“

    Und wie wichtig solche pro-europäischen Kräfte, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen, immer noch sind, werde beim „Blick auf die aktuelle Weltlage leider nur allzu deutlich.“ Keupen sprach eine klare Warnung aus, diesen proeuropäischen Plan nicht von außen oder innen gefährden zu lassen, wachsam zu sein, „dass sich Geschichte nicht doch noch einmal wiederholt. Wir müssen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass wir uns und zukünftigen Generationen immer wieder aufs Neue bewusst machen, wie wichtig und wertvoll der Zusammenhalt in Europa und in der ganzen Welt ist.“

    Sie lobte Ursula von der Leyen dafür, sich ganz im Sinne des Preises nicht von auf nationalen Einzelinteressen fokussierten Kräften einschüchtern zu lassen und Brücken zu bauen, „die demokratischen Kräfte zu bündeln und hinter sich zu vereinen. Ihr Ausspruch ‚Die Mitte hält‘ ist aber nicht nur bloße Feststellung und eine Bestätigung Ihrer Arbeit. Sie ist auch Ihr Verdienst. Auch dank Ihnen kann sich die Welt nach wie vor auf Europa verlassen.“

    Abschluss auf dem Katschhof
    Gemeinsam mit vielen Ehrengästen und ehemaligen Preisträger*innen empfing eine jubelnde Menge die Karlspreisträgerin auf dem Katschhof. Hier bestärkte Ursula von der Leyen noch einmal ihre Aussagen vom Vortag und aus der Verleihung, ihre Liebeserklärung an Europa und Aachen: „Europa ist mein Leben.“ Und in Aachen – „dieser großartigen Stadt, dem Herz Europas“ – ausgezeichnet zu werden, sei die größte Ehre ihres Lebens. Dass der Karlspreis eine Auszeichnung der Aachener*innen sei, mache sie umso stolzer. Und gleichzeitig mahnte sie die damit verbundene Pflicht an: „Wenn man sich nicht um die Liebe kümmert, dann geht sie verloren. Wir müssen uns um dieses Europa kümmern, dieses Europa ist großartig, wir lieben es. Aber wenn diese Liebe stark und dauerhaft sein soll, müssen wir jeden Tag etwas dafür tun. Vor allem für die Demokratie in Europa.“ Das Aachener Publikum antwortete mit großem Applaus.

    Begründung des Karlspreisdirektoriums

    In der Begründung des Direktoriums heißt es unter anderem: „Die Europäische Union steht vor historischen Herausforderungen: geopolitische Bedrohungen, wirtschaftlicher Wandel, Klimaschutz und digitale Transformation. Ursula von der Leyen hat als Präsidentin der Europäischen Kommission maßgeblich dazu beigetragen, Europa geeint, widerstandsfähig und handlungsfähig zu halten.“ Ob in der Pandemie, im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg oder bei der Stärkung der europäischen Wirtschaft – mit Entschlossenheit und strategischem Weitblick habe die Kommissionspräsidentin Europas Interessen vertreten und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt. Das Karlspreisdirektorium würdigt Ursula von der Leyen für „ihr herausragendes Engagement für Einheit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit Europas.“

    Zitate und Fakten in Kürze:

    • Die Preisträgerin: Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Dr. Ursula von der Leyen, ist am heutigen Christi Himmelfahrtstag, 29. Mai, mit dem „Internationalen Karlspreis zu Aachen“ ausgezeichnet worden. „Dank von der Leyen und ihrem geschickten diplomatischen Agieren hat Europa die Gegner, Zweifler und Skeptiker in die Minderheit drängen können“, betont das Karlspreisdirektorium mit seinem Vorsitzenden Dr. Jürgen Linden in seiner Begründung.
    • von der Leyens Vision: „Noch in dieser Dekade wird sich eine neue internationale Ordnung herausschälen. Wenn wir die Konsequenzen, die sich für Europa und die Welt daraus ergeben, nicht einfach hinnehmen wollen, dann müssen wir diese neue Ordnung gestalten. Die Geschichte verzeiht weder Zögern und Zaudern. Unser Auftrag heißt europäische Unabhängigkeit.“
    • Bundeskanzler Friedrich Merz: „In diesen Tagen, Wochen und Monaten entscheiden wir gemeinsam über die Zukunft unseres Kontinents. Wir – sehr konkret. Denn: Geschichte passiert nicht einfach so. Politik wird von Menschen gemacht. Und aus politischen Entscheidungen erwächst Geschichte. Ich bin fest davon überzeugt: Wir halten alle Möglichkeiten in unseren Händen, dass die Zukunft für Europa eine gute Zukunft für uns alle wird.“
    • König Felipe VI. von Spanien: „Europa wird nur stark sein, wenn es zusammensteht. Um noch einmal auf die Worte von Präsidentin von der Leyen zurückzugreifen: Wir werden nur dann in der Lage sein, Aggressionen abzuschrecken und uns zu verteidigen, wenn wir zusammenarbeiten.“
    • Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen:  „Wenn in Europa Krieg geführt wird, wenn die Aufnahme von Geflüchteten trotz einer gelungenen europäischen Vereinbarung zum innenpolitischen Thema Nummer eins wird, wenn Rechtsextremisten vermehrt Zulauf erhalten und völkische Parolen wieder hoffähig (gemacht) werden, wenn also unsere gemeinsamen Werte nicht nur weltpolitisch in Frage gestellt werden, sondern auch immer wieder nationale Interessen das Friedensprojekt gefährden, das die EU schon immer war und nach wie vor ist, dann sollten wir alle wachsam sein, dass sich Geschichte nicht doch noch einmal wiederholt.“
    • Die Verleihung: Rund 700 Personen, darunter zahlreiche Ehrengäste, Mandatsträger*innen, Botschafter*innen sowie Vertreter*innen von Kirchen und Religionsgemeinschaften, haben an den Feierlichkeiten im Krönungssaal des Aachener Rathauses teilgenommen. Auf dem Ehrenpodium saßen, neben der Karlspreisträgerin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Friedrich Merz, König Felipe VI. von Spanien, die Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen Sibylle Keupen, der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden, Vertreter*innen der diesjährigen Jugendkarlspreisgewinner, die früheren Karlspreisträger*innen Dahlia Grybauskaité (2013), Jean-Claude Trichet (2011) und Martin Schulz (2015) sowie die Preisträgerinnen des Jahres 2022 Veronica Tsepkalo, Swetlana Tichanowskaja und – in Vertretung ihrer inhaftierten Schwester Maria Kalesnikava – Tatsiana Khomich.
    • Weitere Gäste: Unter den Gästen der Karlspreisverleihung waren unter anderem Robert Abela, Premierminister von Malta, Luc Frieden, Ministerpräsident des Großherzogtums Luxemburg, Edi Rama, Premierminister von Albanien, Gunther Krichbaum, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, die NRW-Minister*innen Nathanael Liminski, Mona Neubaur und Herbert Reul. Ebenso war Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ehrengast der Karlspreisverleihung.
    • Das Programm: Die Karlspreisverleihung wurde musikalisch vom Sinfonieorchester Aachen begleitet, das unter Leitung des Generalmusikdirektors Christopher Ward Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Anno Schreier darbot. Als Sopranistin trat Claudia Muschio auf.
    • Das mediale Interesse: Mehr als 100 Medienvertreter*innen haben sich für die Karlspreisverleihung 2025 akkreditiert – darunter Teams von ARD, ZDF und WDR, POLITICO, Nachrichtenagentur Reuters, Television Espanola, Süddeutsche Zeitung, FAZ, efe press agency, DPA, Deutsche Welle, Funke-Mediengruppe, BILD, Euractiv, Börsen-Zeitung, AFP, Spiegel, sowie zahlreiche regionale Medien aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die Live-TV-Übertragung wurde im WDR Fernsehen gesendet und ist dort noch abrufbar.

    Informationen zum internationalen Karlspreis zu Aachen:

    Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa sind die 65. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Sie folgen auf den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und das ukrainische Volk, die 2023 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden sind. Zu den früheren Preisträger*innen in Aachen gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), der spanische König Juan Carlos I. (1982), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018), António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (2019), die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo (2022), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk (2023) sowie Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt (2024).

    Im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses wird neben einer Urkunde auch eine Medaille verliehen, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für die jeweiligen Preisträger*innen zeigt.

    12 20

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden mit dem Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet

    Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden mit dem Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet

    Selenskyj: „Wir alle sind Stifter des Friedens!“

    • Das Karlspreis-Direktorium und die Stadt Aachen ehren Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk „für die Zuversicht, das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil der europäischen Völkerfamilie ist“.
    • Selenskyj bekräftigte in seiner Rede seine Forderung nach einem Beitritt seines Landes zur EU und zur Nato. „Die EU wird nicht vollständig sein ohne die Ukraine.“
    • Bundeskanzler Scholz dankte dem ukrainischen Präsidenten und seinem Volk für die Verteidigung gemeinsamer europäischer Werte

    Es ist der Höhepunkt einer geschichtsträchtigen Preisverleihung: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betritt die Bühne am Aachener Katschhof. Spontan und ungeplant, vor allem aber sehr emotional begrüßt er die Schaulustigen, eingerahmt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeskanzler Olaf Scholz, dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki, EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen. „Es lebe die Ukraine“, ruft Selenskyj in die Menge, Hunderte bejubeln den Präsidenten, der gemeinsam mit dem ukrainischen Volk am heutigen Sonntag, 14. Mai, mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden ist.
    Die Stimmung im Krönungssaal war bis zum Beginn der Preisverleihung angespannt: Rund 700 Gäste warteten im Aachener Rathaus auf die Ankunft des Ehrengastes, bis Wolodymyr Selenskyj schließlich an der Seite von Olaf Scholz den Raum betrat, empfangen von stehenden Ovationen und lautem Beifall. Immer wieder wird es in der kommenden Stunde zu anhaltendem Applaus kommen. Er ist, wie die Auszeichnung selbst, ein Symbol der uneingeschränkten Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern. Er ist Anerkennung und Unterstützung für das ukrainische Volk, das für seine und die Freiheit in ganz Europa kämpft und darüber hinaus eine Ermutigung für alle Menschen, ein friedliches und gemeinsames Europa zu bauen und zu leben.

    Alle Bilder: © Stadt Aachen / Andreas Steindl

    Selenskyj: „Wir alle sind Stifter des Friedens!“

    Als Wolodymyr Selenskyj während der Preisverleihung im Krönungssaal ans Rednerpult trat, war der Jubel vom Katschhof bis in den Saal zu hören. Selenskyj zeigte sich berührt und trat während seiner Rede kämpferisch und siegessicher auf: „Wir alle sind Stifter des Friedens, und dies ist unsere wichtigste Pflicht gegenüber unseren Ländern, unserem Europa und der Geschichte. (…) Und wir müssen zu Gewinnern werden, damit unsere Lebensauffassung in Europa bleibt. Unser friedliches, wertebasiertes, legales, demokratisches und nicht räuberisches Lebenskonzept.“ Immer wieder suchte Selenskyj den Blickkontakt zu den Ehrengästen auf dem Podium und betont seine Dankbarkeit gegenüber Deutschland und der EU. „Die Ukraine bietet Ihnen einen Sieg an, der sich in Frieden verwandeln wird. Einen Sieg, der allen europäischen Völkern – nicht nur uns – Ruhe und Vertrauen in den Frieden für Jahrzehnte bringen wird.“ Einen großen Teil seiner Rede hielt Selenskyj auf Ukrainisch. Dass er und das ukrainische Volk mit dem Karlspreis ausgezeichnet werden, ehre ihn. „Alle Ukrainer sind Helden. Alle Ukrainer müssten heute in diesem Saal stehen.“ Sie alle würden einem Aggressor gegenüberstehen, „der zu jeder Grausamkeit und Gemeinheit fähig ist. Aber wir haben keine Angst.“ Und weiter: „Wir sehen das Übel der Aggression aus nächster Nähe, also sehen wir auch den besten Weg, dieses Übel zu besiegen. Und wir laden die Welt ein, sich unseren gerechten und fairen Prinzipien des Friedens anzuschließen. Jeder, der sich unserer Friedensformel anschließt, macht sie sich tatsächlich zu eigen. Ich bin zuversichtlich, dass die ukrainische Friedensformel zur deutschen Friedensformel, zur europäischen Friedensformel, zur Weltfriedensformel werden kann.“

    Infos zum Karlspreis:

    Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, und das ukrainische Volk sind die 64. Träger des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Sie folgen auf die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo, die 2022 mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden sind.
    Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise.
    Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben.
    Zu den früheren Preisträger*innen in Aachen gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011), die ehemalige Präsidentin der Republik Litauen, Dalia Grybauskaitė (2013), der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (2015), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018), António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen (2019), und der rumänische Präsident Klaus Iohannis (2020/21).

    Im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses wird neben einer Urkunde auch eine Medaille verliehen, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für die jeweiligen Preisträger*innen zeigt.

    3 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Der Karlspreis 2023 geht an den Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj und an das ukrainische Volk

    Der Karlspreis 2023 geht an den Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj und an das ukrainische Volk

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk werden im Jahr 2023 mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet. Das gaben der Vorsitzende des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen, Dr. Jürgen Linden, und die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen am gestrigen Tag (16. Dezember 2022) in Aachen bekannt.

    „Die Entscheidung für den diesjährigen Karlspreisträger ist einstimmig getroffen worden“, eröffnet Dr. Jürgen Linden. „Wir betrachten diese Karlspreisverleihung 2023 als einen Akt der Solidarität mit der Ukraine. Zugleich sehen wir sie als Zeichen der Ermutigung für das ukrainische Volk und seinen Präsidenten, für die Demokratie und die Menschenrechte, vor allem aber für Leib und Leben der Menschen und die europäische Werte, die in diesem Krieg verteidigt werden.“ Linden hob besonders den unglaublichen Mut und den neuen politischen Stil von Präsident Selenskyj hervor, der die Klammer zwischen der Ukraine und der europäischen Gesellschaft bilde und zeitgleich für sein eigenes Volk die Verteidigungsbereitschaft auch in schwierigsten Zeiten hochhalte. „Gleichzeitig“, so Dr. Linden, „gibt er die Hoffnung, dass dieses Unterfangen auch erfolgreich ist.“

    Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, der zur Pressekonferenz per Videokonferenz zugeschaltet war, erklärte „im Namen des Präsidenten, der Regierung und des freien Volkes“, welche „Riesen-Ehre“ es sei, mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet zu werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj nehme den Preis mit Freuden an. „Der Karlspreis ist ein sehr wichtiges Zeichen der Unterstützung und ein besonderes Zeichen der Solidarität mit unserem Land und unserem Volk. Er ermutigt uns in unserem Kampf für die europäischen und demokratischen Werte, für die Freiheit und ein zukünftiges friedliches Leben“, ergänzte Makeiev. „Wir müssen leider feststellen, dass Frieden nicht vom Himmel fällt, sondern erkämpft werden muss“, sagte der ukrainische Botschafter und bedankte sich ausdrücklich bei allen Menschen in Deutschland und in vielen europäischen Ländern, die seine Mitbürgerinnen und Mitbürger in den vergangenen Monaten in Schutz genommen hätten. „Damit haben Sie die Freiheit sowie unsere gemeinsame, friedliche, europäische Zusammenarbeit geschützt“.

    In der Begründung des Karlspreisdirektoriums heißt es unter anderem: „Das ukrainische Volk ist Opfer eines völkerrechtswidrigen und unsäglich brutalen russischen Angriffskrieges. Das ukrainische Volk verteidigt unter der Führung seines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht nur die Souveränität seines Landes und das Leben seiner Bürger, sondern auch Europa und die europäischen Werte“. Selenskyi sei Halt und Vorbild für sein Volk – „er steht gegen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, für die Sicherstellung des alltäglich Notwendigen, für die existenziell notwendige Verteidigungsausrüstung und die Zuversicht, für das Ziel einer freien, unabhängigen und souveränen Ukraine, die Teil einer europäischen Völkerfamilie ist.“

    Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen erinnerte an den erst wenige Tagen alten Beschluss des Aachener Stadtrats, eine Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Chernihiv aufzubauen: „Wir wissen, dass wir mit der Preisverleihung nicht den Krieg beenden oder die direkten Folgen des Krieges mildern können. Doch das Gespräch mit Chernihiv hat deutlich gemacht, dass Solidarität, mentale Unterstützung und Ermutigung eine wichtige Botschaft für die Menschen in der Ukraine sind – zusätzlich zu den nötigen und versprochenen Hilfsmaßnahmen des deutschen Staates und der EU.“ Sie betonte: „Wir wollen dem ukrainischen Volk mit dem Karlspreis demonstrieren, dass es wahrgenommen wird, dass wir an seiner Seite stehen. Das tun wir hier in Aachen mit unseren Mitteln und mit vollem Herzen.“

    In der Begründung ist zu lesen: „Wolodymyr Selenskyj ist in diesem Verteidigungskrieg nicht nur der Präsident seines Volkes und der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, er ist auch der Motivator, Kommunikator, der Motor und die Klammer zwischen der Ukraine und der großen Phalanx der Unterstützer“. In seinem jüngst erschienen Buch „Botschaft aus der Ukraine“ unterstreicht der studierte Jurist Selenskyi, der seine Popularität vor der Präsidentschaft vor allem als Schauspieler, Fernsehmoderator, Drehbuchautor und Filmproduzent erlangte, seine Vorstellung von der Ukraine „als demokratische und freie Nation, als eine Wertegesellschaft nach europäischem Vorbild und als Teil Europas.“ Selenskyj, so das Karlspreisdirektorium, bekenne sich zu den Zielen der Europäischen Union. Deshalb habe Ursula von der Leyen ihn zu Recht mit den Worten charakterisiert: „Sie sind einer von uns. Wir wollen Sie drin haben.“

    Final hebt das Direktorium durch die Verleihung des Karlspreises 2023 hervor, „dass die Ukraine Teil Europas ist und die Bevölkerung und ihre Regierungsvertreter, an der Spitze Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Werte vertreten und verteidigen und deshalb die Ermutigung verdienen, rasch Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu führen.“ Und weiter: „Die Karlspreisgesellschaft fühlt sich geehrt, dass Präsident Selenskyj persönlich und stellvertretend für sein Volk die Ehrung des Jahres 2023 annimmt.“

    Der Karlspreis an Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk soll traditionell am Himmelfahrtstag verliehen werden, ob dies möglich sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Sowohl das Format der Veranstaltung als auch der Zeitpunkt hänge von der dann vorliegenden Kriegslage und den entsprechenden Sicherheitskonzeptionen ab, so Dr. Jürgen Linden. „Ich gehe aber davon aus, dass wir die Planungen in den ersten Wochen des neuen Jahres konkretisieren können.“

    Info zum Karlspreis

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk sind Träger des 64. Internationalen Karlspreises zu Aachen. Im Jahr 2022 wurden die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo sowie im Jahr 2020/21 der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis mit dem Preis ausgezeichnet.

    Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern gehörten unter anderem Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011) oder Martin Schulz (2015), damals Präsident des Europäischen Parlaments. 2016 ging der Karlspreis an Papst Franziskus, im Jahr 2018 folgte der Staatspräsident Emmanuel Macron. Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis, der in Rom verliehen wurde.

    Urkunde und Medaille

    Verliehen wird neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt.

    Begründung des Karlspreisdirektoriums zu dem designierten Preisträger.

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Kalesnikova, Tichanowskaja und Tsepkalo: Belarussisches Frauen-Trio mit dem Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet

    Kalesnikova, Tichanowskaja und Tsepkalo: Belarussisches Frauen-Trio mit dem Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet

    Keine Sekunde ließ sie an diesem besonderen Tag das Plakat mit dem großen Foto aus den Fingern und hielt es stets demonstrativ vor ihrer Brust. Das Bild zeigte Maria Kalesnikova, die gemeinsam mit Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo am heutigen Himmelfahrtstag (26. Mai) mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden ist. Doch Kalesnikava sitzt in Belarus in Haft – unter schweren Bedingungen. In Aachen nahm daher stellvertretend ihre Schwester Tatsiana Khomich den Preis mit entgegen – das Bild von Maria immer ganz nah am Herzen tragend. Unter dem Konterfei prangte die deutliche Aufforderung: #freekalesnikava.

    Freiheit, Friede, Gerechtigkeit. Danach sehnen sich unzählige Belarussinen und Belarussen, die seit vielen Jahren unter einer brutalen Diktatur leiden. Doch der Widerstand gegen das Regime wächst. Seit 2020 sind die belarussischen führenden politischen Aktivistinnen Kalesnikova, Tichanowskaja und Tsepkalo die Gallionsfiguren dieser Bewegung. Sie rütteln auf. Sie erzählen eine Geschichte, die Menschen auf der ganzen Welt bewegt und inspiriert – so auch an diesen denkwürdigen Tagen in Aachen.

    Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und – stellvertretend für ihre inhaftierte Schwester Maria Kalesnikova – Tatsiana Khomich bedankten sich vor gut 600 Gästen im Krönungssaal des Aachener Rathauses für die Auszeichnung, die sie von Jürgen Linden, dem Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums, und Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, überreicht bekamen. Vom Publikum gab es Standing Ovations. Zuvor hatte Annalena Baerbock, Außenministerin der Bundesrepublik Deutschland, eine beeindruckende Ansprache gehalten.

    Tichanowskaja: „Der Karlspreis geht an alle Belarussen!“

    Swetlana Tichanowskaja übernahm 2020 für ihren inhaftierten Gatten dessen Kandidatur und trat zur Präsidentschaftswahl an. Sie forderte Machthaber Alexander Lukaschenko heraus. In einer manipulierten Wahl verlor sie und musste aus dem Land fliehen. Ähnlich oder sogar schlimmer erging es ihren Mitstreiterinnen und vielen tausend Belaruss*innen. In Aachen sagte Tichanowskaja: „Lassen Sie mich klarstellen: Der Karlspreis gehört nicht mir, und auch nicht uns als Trio. Er geht an alle Belarussen. An die, die in ihrem friedlichen, gewaltfreien Kampf gegen die Tyrannei enorme Anstrengungen und Hingabe gezeigt haben. Der Preis gehört den belarussischen Frauen, Journalisten und furchtlosen Freiwilligen. Er gehört auch jedem Kind, das auf seine Mutter oder seinen Vater wartet, die ihm Gefängnis sitzen. Er gehört all denjenigen, die ihre Lieben nie mehr sehen werden.“

    Tsepkalo: „Die hässliche Fratze der Diktatur“

    Beeindruckend und bedrückend, rührend und persönlich: Das belarussische Trio zog die Gäste im Krönungssaal des Aachener Rathauses mit ihren Beiträgen völlig in ihren Bann. Als Veronica Tsepkalo – ohne Redemanuskript – frei und sehr privat vom Schicksal ihrer Familie berichtete, wie ihre sterbenskranke Mutter unter menschenunwürdigen Bedingungen in einem Minsker Krankenhaus an ein Bett gefesselt wurde, wie sie wenige Wochen später starb, da stockte vielen Zuhörer*innen der Atem. „In dem Moment, als ich meine Mutter so erleben musste, wurden mir die Augen geöffnet. Das war die hässliche Fratze der Diktatur.“ Im Krönungssaal berichtete Tspekalo von ihren lange geheim gehaltenen Familienwurzeln, die zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland führten. Ihr Großvater war Deutscher. Sie hat ihn nie kennengelernt. „Ich glaube fest daran, könnte er mich heute hier in Aachen erleben, würde er sagen: Ich bin sehr stolz auf meine Enkelin.“

    Khomich: „Das diktatorische Regime wird bald Vergangenheit sein.“

    Was alle drei Frauen eint, ist der hoffnungsvolle Blick in Richtung einer besseren Zukunft. Tatsiana Khomich sagte in ihrem Redebeitrag: „Im Moment schreiben die Belarussen nicht nur einzelne Seiten, sondern ganze Kapitel in der Geschichte über die Wiederherstellung von Demokratie und Freiheit in ganz Europa. Wir glauben, dass dieses Kapitel bald abgeschlossen sein wird und die diktatorischen Regime der Vergangenheit angehören werden. Einer Vergangenheit, die sich dieses Mal wirklich nie mehr wiederholen wird.“ Dafür benötige es weiterhin der uneingeschränkten Hilfe der internationalen Gemeinschaft, der europäischen Partner, betonte Khomich auch im Namen ihrer inhaftierten Schwester. Diese sitzt derzeit, wie rund 1300 andere politische Gefangene, unter unwürdigen Bedingungen in Belarus in Haft. Vor wenigen Tagen erst ist Kalesnikova vom Lukaschenko-Regime als Terroristin eingestuft worden.

    Außenministerin Baerbock: „Die mutigsten Frauen in ganz Europa“

    Doch die vielen politischen Gefangenen wie Maria Kalesnikova sind nicht allein, versicherte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock in ihrer vorangehenden Festrede. „Wir kämpfen mit euch gemeinsam! Für ein freies Belarus und eine gemeinsame europäische Friedensordnung“, versicherte Deutschlands oberste Diplomatin. Mehrfach drehte sich Baerbock vom Rednerpult direkt zu den drei Preisträgerinnen um, sprach sie herzlich und persönlich an. „Ich weiß, ihr seid für Millionen von Frauen in ganz Europa ein Vorbild!“ Da brandete langer Applaus auf, wie so häufig im Rahmen der Zeremonie. Baerbock zeichnete das Bild von drei jungen Frauen, die niemals vorhatten, politisch aktiv zu werden. Doch das Schicksal führte sie zusammen. Das brutale Vorgehen des Regimes in Belarus ließ ihnen keine andere Wahl. Seitdem stellen sie sich dem friedlichen Kampf gegen Gegner, die keine Skrupel kennen. „Es ist mir eine persönliche und außergewöhnliche Ehre, auf die mutigsten Frauen in ganz Europa die Laudatio halten zu dürfen“, so Baerbock. Und weiter sagte sie mit Blick zu Tichanowskaja, Tsepkalo und Khomich: „Euer Mut lässt sich nicht wegsperren. Eure Idee der Freiheit lässt sich nicht ins Exil vertreiben.“

    Sibylle Keupen: „Ein Licht in dunklen Zeiten“

    Die diesjährige Verleihung des Internationalen Karlspreises fand im Schatten des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine statt. Diese besonderen Umstände betonte Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen in ihrer Rede. Zugleich lenkte sie den Blick auf die mutige Entscheidung des Karlspreis-Direktoriums, mit den diesjährigen Preisträgerinnen neue Wege zu beschreiten – und das zehn Wochen, bevor Russlands Präsident Wladimir Putin seine Armee in die Ukraine einmarschieren ließ und großes Leid über Millionen Menschen brachte. Gerade diese Menschen, ob nun in der Ukraine oder zuvor schon seit vielen Jahren in Belarus, sind es, die für ein freies und selbstbestimmtes Leben stehen. „Das Bewahren der europäischen Idee steht im Mittelpunkt der diesjährigen Verleihung, die gleichzeitig eine Zäsur für den internationalen Karlspreis an sich darstellt. Denn zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde eine europäische Bewegung aus dem Volk ausgezeichnet, die Widerstand gegen ein autokratisches System leistet“, sagte Keupen und führte weiter aus: „Mit der mutigen und politischen Entscheidung, die belarussische Opposition auszuzeichnen, mischt das Direktorium sich ein und ergreift eindeutig Partei: Für ein Europa der Freiheit und der Demokratie.“ Maria Kalesnikova, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo seien dabei ein Licht in dunklen Zeiten. „Ihre Gesichter und ihre Namen stehen für zahllose Menschen, die in vielen Ländern dieser Welt auch gerade in diesem Moment um ihre Werte, ihr Leben und ihre Zukunft kämpfen und unvorstellbaren staatlichen Repressionen unterworfen sind. Diese Menschen brauchen unsere Unterstützung. Mehr denn je!“, so Keupen.

    Begründung des Karlspreisdirektoriums

    Das Direktorium begründet die Wahl der Preisträgerinnen unter anderem wie folgt: „Während sich innerhalb der EU eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber der politischen Dimension des europäischen Projekts Bahn gebrochen hat, tritt gerade an den Außengrenzen der Union die brüchige Kostbarkeit unserer Friedens- und Freiheitsordnung zutage.“ Und: „Seit dem vergangenen Jahr sind auch in Belarus die Stimmen der Demokratie, der Freiheit und des Rechts immer vernehmbarer geworden: erst einige, dann tausende, dann zehn-, dann hunderttausende. Und es sind vor allem drei mutige Frauen, die der Verfolgung und den Repressionen zum Trotz diesen Stimmen Gesicht gegeben haben und geben.“ Im Rahmen der Präsidentschaftswahlen 2020 gelingt, so die Begründung des Karlspreisdirektoriums, Swetlana Tichanowskaja gemeinsam mit Maria Kalesnikova und Veronica Tsepkalo, was der belarussischen Opposition über Jahrzehnte gefehlt hat: eine Bündelung der Kräfte. „Unter Hintanstellung vorangegangener Rivalitäten und politischer Unterschiede und unter Einbeziehung auch kleinerer Parteien und Gewerkschaften, die ihre Expertise und Ressourcen einbringen, bilden die drei so unterschiedlichen Frauen ein Bündnis, das vor allem ein großes Ziel eint: die Überwindung von Diktatur und Totalitarismus und ein demokratischer Aufbruch in Belarus.“

    Friedenskundgebung auf dem Katschhof

    Im Anschluss an die Zeremonie kamen die Preisträgerinnen mit vielen Gästen aus dem Krönungssaal und hunderten Besucher*innen auf dem Katschhof zu einer Friedenskundgebung zusammen – eine Premiere für den Aachener Karlspreis. Sie startete mit engagierten und mitreißenden Beiträgen von EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, Annalena Baerbock, dem früheren Karlspreisträger Martin Schulz, Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und den drei Preisträgerinnen.

    Den öffentlichen Schlusspunkt setzte das gemeinsam gesungene Lied „We shall overcome“. Dabei bildeten zahlreiche Menschen gemeinsam ein überdimensionales „Peace“-Zeichen auf dem Platz. Dieses eindrucksvolle Symbol sendet Aachen nach einem außergewöhnlichen und bewegenden Karlspreis-Tag in die Welt, die in diesen Zeiten an so vielen unterschiedlichen Orten unter Krieg, Unterdrückung und Gewalt leidet. Doch die Hoffnung auf bessere und gerechtere Zeiten lebt. Dafür stehen drei mutige belarussische Frauen, die mit ihren Worten, Gesten und Taten in Aachen berührt und die Menschen nachhaltig geprägt haben.

    Infos zum Karlspreis:

    Maria Kalesnikova, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo sind die 63. Trägerinnen des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Die belarussischen Aktivistinnen folgen auf den rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis, der mit dem Karlspreis 2020/21 ausgezeichnet worden ist.

    Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Seit 1950 wird er an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Zu den früheren Preisträgern in Aachen gehörten u.a. Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000), der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006), der Spanier Javier Solana (2007), Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008), Jean-Claude Trichet (2011), der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (2015), Papst Franziskus (2016), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (2018) und António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen. Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis.

    Verliehen wird im Rahmen der feierlichen Zeremonie im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste Aachener Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt.

    0 2

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!