Schlagwort: EU Wasserrahmenrichtlinie

  • Wie gut ist die Niers? Wie belastet ist das Wasser?

    Wie gut ist die Niers? Wie belastet ist das Wasser?

    Der Niersverband ist in diesem Jahr 90 Jahre geworden. Grund genug, die Entwicklung der Niers in den letzten Jahren und Jahrzehnten näher zu beleuchten.
    Wie war früher der Zustand der Niers und wie sieht er heute aus? Werden die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie erreicht? Welche zukünftigen Herausforderungen kommen auf den Niersverband zu?

    Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich der Gewässergütebericht Niers, den Professor Dietmar Schitthelm, Vorstand des Niersverbandes, und Dr. Wilfried Manheller, Leiter der Abteilung Gewässer und Labor, am Donnerstag der Öffentlichkeit vorstellten.

    Immer wieder hat der Mensch auf die Niers eingewirkt. Nach Phasen des Aufstauens und der Eindeichung zum Betrieb von zahlreichen Mühlen erreichten die Belastungen infolge der einsetzenden Industrialisierung und der zunehmenden Bevölkerungsdichte Ende des 19. Jahrhunderts ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß. Die einst wegen ihres Fischreichtums berühmte Niers war zu einem Fluss geworden, in dem jegliches Leben unmöglich war.

    Zur Behebung dieser Missstände wurde am 22. Juli 1927 durch Preußisches Sondergesetz der Niersverband gebildet. Anlässlich seines 90-jährigen Bestehens hat der Niersverband einen Gewässergütebericht Niers erstellt, in dem deutlich wird, welchen Belastungen die Niers in der Vergangenheit ausgesetzt war und welche positive Entwicklung sie bis heute genommen hat.

    So werden beispielsweise bei den Kleinlebewesen, die am Gewässergrund leben, wie Schnecken, Muscheln, Insektenlarven oder Krebstiere, im Ober- und Unterlauf der Niers heute fünfmal so viele Arten gefunden wie in den 1960er Jahren, im Mittellauf sogar 15mal so viele. Den wesentlichen Beitrag zu dieser positiven Entwicklung lieferte die enorme Steigerung der Reinigungsleistung der Kläranlagen, die zu einer drastischen Verbesserung der Wasserqualität führte.

    Hierdurch hat sich die stoffliche Belastung der Niers entscheidend verbessert. Die Sauerstoffgehalte in der Niers erfüllen ebenso wie die meisten Elemente und Nährstoffe im Jahresmittel die Anforderungen an eine gute Gewässerqualität. Zusätzlich wirken sich auch die Maßnahmen zur naturnahen Umgestaltung der Niers positiv aus.

    Das Engagement des Niersverbandes hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Anzahl an Fischarten in der Niers deutlich zugenommen hat. Die Niers ist mittlerweile wieder Heimat für 32 verschiedene Fischarten. Am häufigsten und am weitesten verbreitet kommen Schmerle, Flussbarsch und Dreistachliger Stichling vor, gefolgt von Gründling, Rotauge, Bitterling, Döbel, Koppe, Steinbeißer Hasel, Neunstachliger Stichling, Hecht oder Brassen.

    Nachdem in den ersten Jahrzehnten seines Wirkens der Niersverband den Fokus seiner Aktivitäten insbesondere auf die Abwasserreinigung richtete, stehen nunmehr Aufgaben zur Umsetzung der am 22. Dezember 2000 eingeführten EU-Wasserrahmenrichtlinie an. Ziel für die Niers ist die Erreichung eines guten ökologischen Potenzials und eines guten chemischen Zustands. Auf dem Weg zu diesem Ziel soll sich die Niers schrittweise wieder zu einem lebendigen Gewässer entwickeln können. Dieser Entwicklungsprozess erfordert neben einem nicht zu vernachlässigenden finanziellen Aufwand Akzeptanz, Engagement verschiedener Akteure und vor allem Zeit. Dort, wo bereits Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt wurden, zeigen sich erste positive Entwicklungen.

    Trotz der großen Fortschritte sind die sehr ambitionierten Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie längst noch nicht erreicht. Dies ist in unterschiedlichen Ursachen begründet, die nicht ausschließlich durch den Niersverband zu verändern sind, wie z. B. die Nitratbelastung des Grundwassers.

    Themen, wie der Nachweis von so genannten Spurenstoffen (Bio- und Pestizide, Industriechemikalien, Arzneimittelwirkstoffe usw.), von Mikroplastik oder antibiotikaresistenten Keimen in Gewässern haben in den letzten Jahren in der umweltpolitischen und der fachlichen Diskussion an Bedeutung zugenommen.

    Zusammenfassend macht der vorliegende Bericht deutlich, dass neben den in den zurückliegenden 90 Jahren erreichten Verbesserungen der Niersbeschaffenheit auch in den nächsten Jahren zahlreiche Herausforderungen durch den Niersverband zu bewältigen sein werden, um den Zielen der EU-Wasserrahmenrichtlinie näher zu kommen. Dies wird jedoch erheblich von der verbandsübergreifenden Zusammenarbeit verschiedener Akteure (u. a. Landwirtschaft) abhängig sein.

    Schaut man sich einmal die finanziellen Zuwendungen in Milliardenhöhe für eine Fördering der Landwirtschaft oder auch der Chemie-Industrie an, so wird deutlich: unsere Steuergelder werden hier oftmals in die falsche Richtung gelenkt!

    Der kpl. Bericht steht hier zum download bereit: Gewässergütebericht Niers

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  • „Masterplan Niersgebiet“ – Die Niers: Ein Gewässer, vielfacher Nutzen

    „Masterplan Niersgebiet“ – Die Niers: Ein Gewässer, vielfacher Nutzen

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    Prof. Schitthelm

    Professor Dietmar Schitthelm, Vorstand des Niersverbandes, stellte am Dienstag und Mittwoch in den Bezirksvertretungen West und Süd der Stadt Mönchengladbach die neuen Pläne für die Niers im Stadtgebiet MönchengIadbach vor.
    Hier stehen in den nächsten Jahrzehnten einige Veränderungen an.
    Unter dem sperrigen Begriff „Masterplan Niersgebiet“ sind im gesamten Stadtgebiet Mönchengladbach in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ca. 20 Gewässermaßnahmen an der Niers und einigen Nebengewässern geplant. Diese haben das Ziel, die momentan oft in einem starren Bett eingezwängten Gewässer wieder lebendig und naturnah zu gestalten.
    Die Umgestaltung der Niers ist jedoch kein Selbstzweck, sondern erfüllt mehrere gesetzliche Verpflichtungen.
    Die Versiegelung von Flächen ist eine der Ursachen für den Handlungsbedarf.
    Regenwasser kann auf den versiegelten Flächen nicht versickern und fließt in der Regel sehr schnell über Regenwasserkanäle in das nächstgelegene Gewässer ab.
    Solche Einleitungen werden aber zukünftig nur dann noch genehmigt, wenn Sie für das Gewässer nicht schädlich sind. Der Nachweis der gewässerverträglichen Einleitung von Niederschlagswasser kann aktuell allerdings an kaum einer Stelle erbracht werden. Durch die Einleitungen erhöht sich die Fließgeschwindigkeit im Gewässer so stark, dass die dort lebenden Kleinlebewesen weggespült werden.
    Die klassische Lösung wäre der Bau von großen und teuren Regenrückhaltebecken, die das Regenwasser aufnehmen und dann gedrosselt, d. h. nach und nach wieder in das Gewässer einleiten. Im Trockenwetterfall wären solche Becken allerdings ohne Funktion.

    Umgestaltete Niers in MG-Wickrathberg; Foto: Nersverband
    Umgestaltete Niers in MG-Wickrathberg; Foto: Nersverband

    Der Niersverband hat zusammen mit der NEW und der Stadt Mönchengladbach stattdessen ein anderes Konzept entwickelt. Es sieht vor, die Gewässer wieder streckenweise naturnah umzugestalten und so an die vorhandenen
    Einleitungsmengen anzupassen. Durch unterschiedliche Strukturen entstehen Zonen im Gewässer, in denen die Fließgeschwindigkeit auch bei Einleitung von Regenwasser einen kritischen Wert nicht überschreitet. Hier können sich Kleinlebewesen im Hochwasserfall zurückziehen und später wieder das gesamte Gewässer besiedeln. Dieses Konzept hat mehrere positive Aspekte:
    • Die Anforderungen an die Gewässerverträglichkeit der Niederschlagswassereinleitungen können erfüllt werden.    Somit bleiben die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Mönchengladbach erhalten.
    Die Kosten für diese Zielerreichung sind dabei mit insgesamt 40.000.000 € um ein Vielfaches geringer als bei der klassischen Lösung mit Regenrückhaltebecken (600.000.000 €).

    • Durch die naturnahe Umgestaltung werden auch die Anforderungen der EU Wasserrahmenrichtlinie
    erfüllt. Diese sehen vor, das Gewässer wieder in einen ökologisch guten Zustand zu bringen. Das bedeutet auch, dass verschiedene Arten von Kleinlebewesen mit einer entsprechenden Anzahl dauerhaft im Gewässer leben und sich vermehren.

    • Ein lebendiges naturnahes Gewässer bietet einen erhöhten Freizeit- und Erholungswert Stadtplanung und Naturraumgestaltung können mit in die Gewässerplanung einbezogen werden.
    Insgesamt zeigt sich ein gemeinsamer Mehrwert für alle Beteiligten: für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mönchengladbach, für die Stadt Mönchengladbach, für die NEW und für den Niersverband.

    Erste Projekte wurden bereits an der Niers z. B. im Bereich Wickrathberg (Niersverband) oder am Bungtbach (NEW) erfolgreich umgesetzt. Eines der nächsten Projekte wird die naturnahe Neugestaltung der Niers im Bresgespark sein.
    Der Niersverband wird hierzu im Sommer die Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationsabend einladen.

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