Schlagwort: „Generationen im Dialog“

  • Schule früher – Schule heute. Erinnerungen an die Schulzeit

    Schule früher – Schule heute. Erinnerungen an die Schulzeit

    Projekt „Generationen im Dialog“ von Studenten der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach.

    Dass die Thematik „Generationen im Dialog“ in der AWO Begegnungsstätte Mönchengladbach Neuwerk startete, verhalf ihr zu einem gelungenen Auftakt. Dort befand sich von 1913 bis 1968 die „Graf-Haeseler-Schule für Gartenbau und Haushaltungs-Unterricht“. Generalfeldmarschall Graf von Haeseler war der „Älteste Paladin“ des Kaisers Wilhelm II. und hatte in der Armee gedient.

    In der Schule gab es eine Musterküche mit drei Doppelherden bzw. sechs Kochstellen. Erzeugnisse aus dem Garten wurden in der Küche verarbeitet. Jugendliche sollten auf ihr Leben im heimischen Garten und im Haushalt vorbereitet werden.

    Initiatoren Kevin und Sonja

    Studenten der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach haben heute  andere Lebenspläne und berufliche Vorstellungen. Dennoch denken sie in einem z. Zt. laufenden Seminar darüber nach, was „früher“ war und „heute“ ist. Sonja Dumins und Kevin Kamps, Mit-Initiatoren des Projekts, begrüßten ca. dreißig jüngere und ältere Interessierte zur ersten von drei geplanten Veranstaltungen dieser Reihe. Der damalige Neuwerker Bürgermeister Everhard von Groote, auf dessen Idee die Graf-Haeseler-Schule zustande kam, wäre erfreut gewesen. Hundert Jahre nach ihm haben junge Menschen zwar eine andere Einstellung zu Heim und Garten, aber die pädagogischen und wirtschaftlichen Interessen sind geblieben, wenn auch mit anderen Schwerpunkten.

    Es gibt sie noch – ehemalige Schülerinnen der genannten Schule waren anwesend. Eine erzählte eine persönliche Geschichte vom Brotbacken. Der Brotteig musste in einer nahe gelegenen Bäckerei abgebacken werden. Nach Schulschluss holte sie auf dem Weg von der Schule nach Hause das Brot ab. Es gelang ihr in der Regel, das Brot, auf einer Handfläche jonglierend, heil bis auf die zweite Etage der häuslichen Wohnung zu bringen. Einmal jedoch machten Brot und Trägerin schlapp.

    In der inzwischen heiter gestimmten Erzählrunde lachte man darüber. In damaligen Krisenzeiten, in denen die meisten Leute Selbst-Versorger waren, war das Malheur vermutlich nicht zum Lachen.

    Erinnerungsstücke an damalige Zeiten hatten einige mitgebracht. Ein „Maßstab“ war darunter, mit dem man das Verhältnis einer bestimmten Länge zu ihrer Entsprechung in der Realität berechnet. Straßenbau hatte der rüstige, beredte Rentner gelernt und den Maßstab im zweiten Lehrjahr erworben. „Höhere Schule“ konnten sich die Eltern für ihn nicht leisten. Ein Hauptziel der ehemaligen Graf-Haeseler-Schule bestand darin, „Kräfte zu sammeln, die zu einem guten Arbeiter befähigen“, hatte Bürgermeister von Groote gesagt. Bis heute hält sein Besitzer seinen Maßstab in Ehren. Er erinnert ihn an eine Zeit, an die er seine nachhaltigste Erfahrung mit dem Schul-Internat verbindet. Nicht das Internat war lobenswert, betonte er, sondern das Essen.

    Der  praktische Unterricht in der Graf-Haeseler-Schule beschäftigte sich mit Nährstoffen und Nährwertgehalten. „Gesundes Essen“ war schon damals ein Thema. Nicht alle jedoch hatten „genug“ zu essen.

    Was ist für uns heute Maßstab-gerecht und Lebens-gerecht? Die Frage wurde an diesem Nachmittag nicht gestellt. Dennoch werden einige Teilnehmer der Runde sie ungefragt für sich beantwortet haben. Den Studenten ist zu wünschen, sie mit ins Seminar zu nehmen zu ihren Kommilitonen.

    Motiviert durch Impulse und anregende Fragestellungen der beiden Studenten, wurden Erinnerungen an Schule und Alltag geweckt. „Stricken, das ich in der Schule gelernt hatte, war für mich Ersatz für das Lesen“, brachte sich eine Besucherin ins Gespräch ein. Bis in die Gegenwart sei das so geblieben – nicht immer mit dem gewünschten Ergebnis, räumte sie ein. Dass sie die Socken, die sie einmal strickte, versehentlich an der Couch annähte, entsprach nicht deren vorgesehenem Verwendungszweck.

    Einen Jonglier-Kurs in einer Unterrichtsfolge konnte sich bisher niemand vorstellen. Die inzwischen als weibliche Hausmeisterin tätige „Künstlerin“ bewies, dass Schule positiv aus dem genormten Rahmen fallen kann. Ein anderer Gast in der Runde, der eine Bio-Klausur über den Sperling schreiben sollte, musste von seinem Lehrer zunächst darüber aufgeklärt werden, was das für ein Vogel war. Der Lehrer erwies sich als guter Pädagoge und malte ihm einen leibhaftigen Spatz auf den Klausur-Bogen.

    Die Begegnung von Alt und Jung entwickelte sich zur unterhaltsamen, zugleich nachdenklich stimmenden Erzählrunde. Alle kommunizierten rücksichtsvoll miteinander, eine besondere „Aktion Mensch“. Ein persönlicher „Spiegel“ von 1954 erinnerte an einen schwierigen Weg zu angemessener Schulbildung, da fehlende finanzielle Voraussetzungen der Eltern einen Realschul-Besuch nicht möglich machten. Ihre alte Blockflöte hatte eine Teilnehmerin mitgebracht, schönste Erinnerung an die Schulzeit, die ihr zum eigenen, bis heute gehüteten Instrument verhalf.

    Zwei Schlüssel, die jemand als Erinnerungsstücke dabei hatte, machten bewusst: Nicht jedes persönliche Erlebnis gehört in eine allen zugängliche Schatzkiste. Erlebtes hat sich manchmal tief eingegraben und sucht Schutzräume. Wer es ans Licht holen, ent-decken möchte, muss den Eigentümer um den Schlüssel und sein Einverständnis bitten.

    Die Dialogreihe wird fortgesetzt. Es lohnt teilzunehmen.

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  • Studenten der Hochschule Niederrhein starten Veranstaltungsreihe „Erinnerungscafé“!

    Studenten der Hochschule Niederrhein starten Veranstaltungsreihe „Erinnerungscafé“!

    Wie war das früher bei uns, wie ist es heute bei euch?
    Zwei Studenten der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach starten im November ein spannendes Generationen Projekt in der AWO Begegnungsstätte auf der Dünnerstraße in Neuwerk.
    Unter dem Titel „Generationen im Dialog“ möchten Sonja Dumins und Kevin Kamps Mönchengladbacher*innen jeden Alters an einen Tisch holen, um sich gemeinsam zu erinnern. Geplant sind drei Termine im November und im Dezember, die immer unter ein anderes Motto gestellt werden sollen.

    Für das erste Treffen am Mittwoch, den 28. November, haben die beiden Studierenden ein Thema vorgeben: die Besucher*innen werden aufgerufen, sich gemeinsam an ihre Schulzeit zu erinnern.
    Das Thema passt perfekt zur Geschichte der AWO Begegnungsstätte in Neuwerk. Von 1913 bis 1968 war dort auf der Dünnerstraße 163 die Graf-Haeseler-Schule.

    Weitere Termine für das „Erinnerungscafé“sind am Mittwoch 5. Dezember und Mittwoch, der 12. Dezember 2018.

    Teilnehmen darf jeder, der Lust hat sich an seine Schulzeit zu erinnern und seine Erinnerungen mit anderen Menschen teilen möchte. Die Studierenden bitten interessierte Mönchengladbacher*innen sich für das „Erinnerungscafé“ anzumelden.

    Das geht telefonisch oder per WhatsApp unter 0177/6512253 oder 0152/01370453, per Email unter kamps.k@web.de. Thomas Zimberg von der Arbeiterwohlfahrt Mönchengladbach nimmt ebenfalls Anmeldungen entgegen.
    Telefon: 02161 666079

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