Schlagwort: Pflegemisere

  • Altenheimträger fordern Reihentestungen für Pflegebedürftige und Beschäftigte

    Altenheimträger fordern Reihentestungen für Pflegebedürftige und Beschäftigte

    In einer Pressemitteilung vom 22. Juli haben die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sowie private und kommunale Einrichtungsträger regelmäßige Reihentestungen für Pflegebedürftige und Mitarbeitende in der stationären und ambulanten Pflege auf freiwilliger Basis gefordert.

    Hintergrund ist die Ankündigung des Landes Nordrhein-Westfalen, dass Beschäftigte in Schulen und Betreuungseinrichtungen sich ab dem 2. August freiwillig und kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen können. (siehe auch: freiewohlfahrtspflege-nrw)

    Helmut Wallrafen, Vorsitzender des Verbandes der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen in NRW und Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH, unterstützt und bekräftigt diese Forderung: „Es ist richtig, dass sich das Personal in Schulen und Kindergärten auf Kosten des Landes testen lassen kann, um die unbemerkte Ausbreitung von Infektionen zu vermeiden. Aber wie sollen wir als Heimträger unseren Beschäftigten erklären, dass ihnen diese Möglichkeit verwehrt bleibt? Die Pflegerinnen und Pfleger fühlen sich durch dieses Vorgehen der Landesregierung vor den Kopf gestoßen und mit ihren Sorgen alleine gelassen.“

    Pflegebedürftige und Pflegende sind in der Corona-Pandemie besonderen Gefahren ausgesetzt, da sich körperliche Distanz kaum bewerkstelligen lässt und wir die persönlichen Kontakte unter Einhaltung der Schutzbestimmungen ausdrücklich begrüßen. Dies erfordert aber auch die regelmäßige Kontrolle.
    Wallrafen: „Deshalb sagen wir: Jetzt reicht es! Wir fordern kostenlose  Reihentestungen nicht nur für Schulen und Kitas,  sondern auch für den Pflegebereich.“

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  • GroKo und Pflege: nichts Halbes und nichts Ganzes! „Die Menschen wollen eine Reform des Pflegesystems“

    GroKo und Pflege: nichts Halbes und nichts Ganzes!
    „Die Menschen wollen eine Reform des Pflegesystems“

    Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln (DIP) begrüßt vom Grundsatz her die Fortschritte zur Regierungsbildung in Berlin und macht zugleich auf den enormen Handlungsdruck in der Pflege aufmerksam.

    Prof. Dr. phil. Frank Weidner

    „Die Aussagen im Sondierungspapier zu Personaluntergrenzen und -bemessung in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen, zur Vergütungsentwicklung sowie zur Stärkung der Angehörigenpflege gehen schon in die richtige Richtung“, sagte Professor Frank Weidner, Leiter des DIP. Der Pflegeforscher weist aber auch darauf hin, dass es zur ursächlichen Behebung der Pflegemisere in Deutschland deutlich mehr Mut und Inspiration braucht. „Was noch fehlt, ist ein wirksames und nennenswertes Stellenförderprogramm im gesamten Pflegebereich, Impulse für eine zukunftsorientierte, wohnortnahe Versorgung sowie ein spürbarer Investitionsschub in Arbeit, Bildung, Forschung und Innovation der Pflege. Bislang sind das bestenfalls Reparaturvorschläge, die Menschen wollen aber eine grundlegende Reform des Pflegesystems“, so Weidner.

    Das DIP fordert SPD, CDU und CSU auf, in Koalitionsverhandlungen entsprechend nachzulegen. Insbesondere die Tatsache, dass es im Sondierungspapier keine Konkretisierungen für einen Stellenausbau der Pflege im Krankenhaus gebe, wird von Weidner scharf kritisiert. Im Vergleich zu 1995 fehlen in den Krankenhäusern heute rund 25.000 Stellen für die Pflege, es gibt aber fast 60.000 Stellen für die Ärzte mehr. Heute werden fast 4 Mio. Patienten jährlich mehr behandelt als noch 1995. Eine Pflegefachperson muss sich heute um 60 Patienten im Jahr kümmern, 1995 waren es noch 45. Damals arbeiteten statistisch gesehen 3,5 Pflegefachkräfte mit einem Arzt zusammen, heute sind es nur noch zwei Pflegende pro Arzt. „Die Arbeitslast für jede einzelne Pflegefachkraft hat sich alleine dadurch verdoppelt, was auch negative Auswirkungen auf die Patientenversorgung hat. Die Pflege hat in den letzten 20 Jahren aufgrund des ökonomischen Drucks im Krankenhaus ganz wesentlich und mehr als alle anderen Berufsgruppen geblutet“, erläuterte Weidner.

    Das DIP kritisiert, dass im Sondierungspapier kein deutliches Umsteuern für die Pflege im Krankenhaus erkennbar wird. Die Planungen von CDU, SPD und CSU, Personaluntergrenzen in den Krankenhäusern auf allen bettenführenden Stationen einführen zu wollen, sind nach Ansicht des Instituts zwar richtig, aber „das werden halt Grenzen nach unten sein, die bestenfalls verhindern, dass die Relationen noch schlechter werden“, sagte Weidner. In der stationären Langzeitpflege sind von der GroKo 8.000 zusätzliche Fachkraftstellen geplant. Dies wird nach mehreren Runden der Stellenförderung von ungelernten Betreuungskräften in den vergangenen Jahren vom DIP als ein Fortschritt angesehen. Bei rund 13.500 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland sind das aber gerade einmal 0,6 Stellen pro Einrichtung. Das sei angesichts des enormen Drucks in den Altenheimen „nichts Halbes und nichts Ganzes“, meinte Weidner.

    Die Position der Sondierer für die Einführung eines Flächentarifvertrags in der Altenpflege hält das DIP für überfällig und empfiehlt den Tarifpartnern einen solchen Vertrag zeitnah in allen Bundesländern anzugehen und umzusetzen.

    Die Forscher des DIP hatten Ende 2017 für einen Masterplan Pflege in Deutschland argumentiert und die zeitnahe Einrichtung eines Runden Tisches aller Beteiligten angeregt, 100.000 neuen Stellen in der Pflege und deutlich höhere Vergütungen gefordert sowie ein Innovationsprogramm für die Zukunft der Pflege angemahnt. Die Kosten für den Masterplan Pflege belaufen sich nach Schätzungen des DIP mittelfristig auf zusätzlich rund 12 Mrd. Euro jährlich. Das Institut plädiert auch für eine stärkere Gesamtschau in der Pflege und eine Abkehr von der berufsbezogenen Betrachtung auf Krankenpflege hier und Altenpflege dort. „In der letzten Legislatur haben die Regierungsparteien das Pflegeberufereformgesetz verabschiedet und damit einer allgemeinen Pflegeausbildung endlich die Tür geöffnet. Es ist nun dringend geboten, diesem Reformschritt weitere folgen zu lassen“, empfiehlt Weidner.

    Das gemeinnützige und unabhängige Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) hat seinen Sitz in Köln an der KatHO NRW. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat das Institut mehr als einhundertzwanzig innovative Projekte im Bereich der Pflege-, Pflegebildungs- und Versorgungsforschung durchgeführt und zahlreiche Studien zur Situation der Pflege in Deutschland veröffentlicht.
    Quelle: Pressemitteilung vom 15.01.2018

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