Schlagwort: Konfuzius

  • Hambacher Forst – Die goldene Regel

    Hambacher Forst – Die goldene Regel

    Die Rechtslage ist geklärt. Die Baumhäuser sind abgerissen. Jeder hat Recht, sieht sich im Recht. Hier stehe ich; ich will nicht anders.

    Es ist einfacher zu sagen: „Entschieden ist entschieden“, als sich auf etwas Neues einzulassen. Wo kämen wir hin? „Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren.“ Niemand wird sich an Joseph Goebbels orientieren wollen.

    „Es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.“ Friedrich Hebbel, Dramatiker und Lyriker, startete vor zweihundert Jahren einen Erklärungsversuch. Grundsätzlich könnte man ins Grübeln kommen, ob Frontstellungen Ewigkeits-Charakter haben müssen.

    Aber wieder taucht die Frage auf: Wo kämen wir hin? Aus der Reihe tanzen? Einknicken? Umfallen? Die Richtung, die Meinung ändern?

    Wer profitiert davon? Nicht alle. Und außerdem: Warum aus einer angeblich richtigen Entscheidung eine falsche machen?

    Entscheidungen, die man beibehält, bereut man seltener, wird gesagt, als Vorhaben, etwas zu ändern.

    Gibt es die Chance für einen Neuanfang im Hambacher Forst?

    Können alle Beteiligten über Verhaltensänderungen nachdenken?

    Jemand sagte nach dem Erdogan-Besuch: „Wir müssen die Herzen der hier lebenden Türken gewinnen.“ Ist diese Aussage analog übertragbar auf jene, die nach einer Lösung im Hambach-Konflikt suchen?

    Lösung hat mit „loslassen“ zu tun. Jeder muss seinen Anteil dazu beitragen.

    Ein Seil kann reißen, wenn es zu straff gespannt wird.

    Bündnisse gelingen leichter, wenn die Partner in die gleiche Richtung schauen.

    Könnte man sich an der „Goldenen Regel“ orientieren? Der chinesische Philosoph Konfuzius formulierte sie fünfhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die Bibel hat sie übernommen:

    „Was man sich selbst nicht wünscht, tue man auch andern nicht an.“

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Jetzt.

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  • Autistin Lea. Ein Nachwort

    Autistin Lea. Ein Nachwort

    Leas Geschichte „Sie ist jung. Orgelbauerin. Autistin“ hat ein ungewöhnliches Echo gefunden. Eine Moderatorin des WDR hat inzwischen mit Lea und den Eltern ein Vorgespräch geführt, um zu erkunden, ob die junge Frau in der Lage ist, offen über Erfahrungen mit ihrem Autismus zu reden. „Lea soll selbst entscheiden; aber ich habe ein wenig Bauchschmerzen dabei.“ Die Reaktion ihrer Mutter.

    Die Eltern hatten und haben Bedenken. „Als Lea klein war, habe ich Presse und TV von ihr fern gehalten“, gibt die Mutter zu bedenken. „Mehrere Sender bemühten sich um Drehaufnahmen; aber ich wollte nicht. Die Ausmaße konnte ich nicht einschätzen.“

    „Ich habe mir alle Fachbücher besorgt und mich mit Therapien beschäftigt. Täglich arbeitete ich vier bis fünf Stunden mit ihr, bis irgendwann der Durchbruch kam. Sie sprach wieder und nahm am Leben teil.“

    „Wenn sie jetzt mit ihren Freunden zusammen ist, vergisst sie alles, was hinter ihr liegt. Dann wird Gitarre gespielt und über den Weltfrieden diskutiert.“

    Kürzlich haben Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens in Anerkennung ihrer außerordentlichen Verdienstes für die Allgemeinheit den Verdienstorden des Landes erhalten, auch Norbert Bude, ehemaliger Oberbürgermeiser unserer Stadt. Ich kann Vorschläge für die nächste Ordensverleihung unterbreiten.

    „Personen ihres Alters verhalten sich in manchen Situationen anders als Lea. Auf  andere wirkt das manchmal befremdlich.“ Leas Mutter verunsichert das.

    Ich greife das noch einmal auf. „Anders als andere.“ Muss das „befremdlich“ sein? Befremdlich hat mit „fremd“ zu tun. In unseren Tagen wird viel über befremdliches, fremdenfeindliches Verhalten diskutiert. Das Verhalten von Menschen wird gerügt, das nicht nur „befremdlich“, sondern gesetzwidrig ist, weil es notwendigen und bewährten Normen gesellschaftlichen Lebens widerspricht. Eine kleine, lautstarke Gruppe will uns nötigen, unsere Weltsicht aufzugeben. Jetzt versucht sie, die Stadt Chemnitz ins Chaos zu stürzen.

    Was ist „typisch“, was „untypisch“ für  das Zusammenleben in unserem Kulturraum? Was stört dieses Zusammenleben und ist so befremdlich, dass wir es nicht dulden müssen? Unwillkürlich konfrontiert mich das mit Friedrich Schillers Aussage: „Es ist eine Wohltat, in Europa geboren zu sein.“

    Niemand unterstellt, die eine oder andere Verhaltensweise Leas sei im negativen  Sinn „befremdlich“. Vor einigen Tagen rief sie ihren Opa an und bat ihn, mit seinem Auto eine kleine Orgel abzuholen. Lea hatte eine Anzeige ausfindig gemacht „Orgel abzugeben“. Das Stichwort „Orgel“ elektrisierte sie. Sie suchte den Anbieter auf und war Feuer und Flamme für das restaurierungsbedürftige Objekt. Man schenkte es ihr. Mit Opa holte sie es ab.

    In den kommenden Wochen steht das Thema „Schule“ wieder im Vordergrund. Einzige Orgelbau-Schülerin ist Lea unter vierzig Orgelbau-Schülern. Dafür macht sie sich allein auf den Weg nach Ludwigsburg – ohne Eltern, ohne Opa. Befremdlich? Untypisch? Nein, mutig.

    Der WDR wird warten müssen, bis sie zurück ist. Ob Lea sich dann einem Interview stellen wird, weiß sie noch nicht. Man soll sie fordern, nicht überfordern. Befremdlich? Untypisch? Nein, ehrlich. „Etwas entscheiden, ohne es zu bedenken, ist sinnlos.“  Der chinesische Philosoph Konfuzius soll es fünfhundert Jahre vor unserer jetzigen Zeitrechnung formuliert haben.

    Ich bin gespannt, wie es mit Lea weitergeht. Egal, wie sie sich entscheiden wird – meine Sympathie ist ihr sicher.

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