Im Rahmen eines eindrucksvollen Projektes zur Förderung des Dialogs und der Erinnerungskultur begaben sich die 10. Klassen des Hugo-Junkers-Gymnasiums für eine Woche auf eine Gedenkstättenfahrt, um sich intensiv mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts auseinandersetzten.
Das vom Auswärtigen Amt und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützte Projekt fand in der Begegnungs- und Bildungsstätte Ysselsteyn statt – und bot Raum für eine einzigartige deutsch-niederländische Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Schülern des Raayland College in Venray widmeten sich die Jugendlichen den Themen Erinnerungskultur und historischer Verantwortung.
Der Veranstaltungsort Ysselsteyn trug zu einer besonderen Atmosphäre der bilateralen Begegnung bei, denn die dortige Kriegsgräberstätte und das Denkmal ‚Gates of Remembrance‘, das den jüdischen Opfern des Holocausts in den Niederlanden gewidmet ist, wurden zu zentralen Orten des Austausches zwischen den jungen Demokraten aus Deutschland und den Niederlanden.

Bilder: Hugo-Junkers-Gymnasium
Drei Tage lang setzten sich die Schüler in Ysselsteyn in Workshops intensiv mit Themen wie Krieg, Gewalt und Versöhnung auseinander. Erfahrene Historiker und Pädagogen boten spannende Einblicke in die Geschichte und regten die nachwachsende Generation zu tiefgründigen Diskussionen an. Zudem wirkte die Gruppe an der Erstellung eines Podcasts der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn mit, der die Bedeutung dieses Ortes für die Erinnerungskultur beleuchtet.
Doch die Arbeit beschränkte sich nicht nur auf den Seminarraum. Während des zweiten Teils der Erinnerungsfahrt besuchten die Jugendlichen bedeutende Orte der NS-Verfolgung in den Niederlanden. Stationen wie das ehemalige Durchgangslager Westerbork, das Konzentrationslager Vught sowie die Gefängnisse in Amersfoort und Scheveningen transportierten die Gräueltaten der Nationalsozialisten auf eindringliche Weise in die Gegenwart der jungen Europäer.
Während der gesamten Woche arbeiteten Holländer und Deutsche in englischer Sprache in gemischten Gruppen. „Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wurde deutlich, wie wichtig es ist, gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen“, so Viola Schmidt, die begleitende Geschichtslehrerin des Hugo-Junkers-Gymnasiums. „Es war berührend zu sehen, wie intensiv sich die Jugendlichen mit unserer gemeinsamen Geschichte auseinandergesetzt haben,“ sagt denn auch Dimitrios Kritsimos, der ebenfalls Geschichte an dem international ausgerichteten Traditionsgymnasium in Rheydt unterrichtet, im Rückblick auf intensive Tage, die bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Auch für die Schüler bleibt die Gedenkstättenfahrt ein unvergessliches Erlebnis. „Es war so beeindruckend zu sehen, wie Menschen aus zwei Ländern mit unterschiedlichen Biographien zusammenarbeiten können, um die Geschichte lebendig zu halten,“ erzählt Lara W., eine Mönchengladbacher Teilnehmerin der Fahrt. Ihre Sicht steht für die Erfahrungen aller Beteiligten der beiden Nachbarländer, die in ihren Betrachtungen der bewegenden Zeit in Ysselsteyn und Umgebung ein neues Verständnis der Relevanz der Vergangenheit für die Gegenwart gewannen, das in zwei Wünsche mündete: Mehr europäische Zusammenarbeit – und nie wieder Krieg.

