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Mönchengladbacher Zeitung

Der Club der toten Dichter am Hugo-Junkers-Gymnasium

ein Theaterabend voller Leidenschaft und großer Gefühle

Mit seiner Inszenierung von Der Club der toten Dichter hat der Kult-Kurs der Jahrgangsstufe 10 des Hugo-Junkers-Gymnasiums einen Theaterabend geschaffen, der das Publikum nachhaltig begeisterte. Unter der Regie von Lehrerin Danika Hauptmann gelang den 17 Schülern eine ebenso anspruchsvolle wie bewegende Aufführung, die eindrucksvoll zeigte, welches Potenzial in engagierter Schultheaterarbeit steckt.

Dabei standen die Vorzeichen alles andere als günstig. Da die Aula des Hugo-Junkers-Gymnasiums auf Grund einer Renovierung nicht nutzbar war, sprang das Gymnasium an der Gartenstraße ein und stellte spontan seine Räumlichkeiten zur Verfügung. Auch die sommerliche Hitze verlangte den Mitwirkenden einiges ab. Davon war auf der Bühne jedoch kaum etwas zu spüren: Mit großer Spielfreude, hoher Konzentration und bemerkenswerter Bühnenpräsenz überzeugte das Ensemble von der ersten bis zur letzten Szene.

Tom Schulmans Geschichte des unkonventionellen Lehrers John Keating hat seit Jahrzehnten nichts von ihrer Aktualität verloren. In einer Zeit, in der Leistungsdruck und Funktionalität auch den Schulalltag vieler Hugoianer prägen, erinnert das Stück daran, wie wichtig Kreativität, Eigenständigkeit und der Mut sind, einen eigenen Weg zu gehen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der neue Englischlehrer John Keating, den Mikael Sanli mit großer Authentizität verkörperte. Mit ruhiger Ausstrahlung und Humor gelang es ihm, die Entwicklung der Schüler im Stück glaubhaft nachzuzeichnen. Seine Botschaft ‚Carpe diem – Nutze den Tag‘ wurde zum Leitmotiv des gesamten Abends. Sanli verstand es, Keating nicht als Heldenfigur, sondern als inspirierenden Lehrer darzustellen, der seine Schützlinge ermutigt, selbst zu denken und ihre Talente zu entfalten.

Einen wirkungsvollen Kontrast bildeten die Vertreterinnen des starren Schulsystems. Naima Sepehrzad und Chalisa Ben Brahim überzeugten als streng reglementierende Lehrerinnen der Welton Academy. Mit pointiertem Spiel und bewusst überzeichneter Strenge machten sie die geistige Enge des Schulalltags sichtbar. Besonders glaubhaft trat Asude Erdogdu als Direktorin Mrs. Nolan auf. Mit energischer Stimme und autoritärer Präsenz verkörperte sie eine Schulleiterin, deren oberstes Ziel der Erhalt von Disziplin und Ansehen der Schule ist.

Sarah Maraoub spielte den schüchternen Todd Anderson, der zunächst kaum den Mut findet, seine eigene Stimme zu erheben. Im Verlauf des Stücks wächst Todd sichtbar über sich hinaus und findet schließlich die Kraft, für seinen Lehrer einzustehen.

Einfach berührend spielte Senay Safak die Rolle des Neil Perry. Mit großer Emotionalität zeigte sie den inneren Konflikt eines Jugendlichen, der seine Leidenschaft für das Theater gegen den Willen seines dominanten Vaters verteidigt.

Als temperamentvoller Rebell der Gruppe sorgte Osman Dogan immer wieder für Dynamik auf der Bühne. Seine Figur stellt Autoritäten offen infrage und verkörpert intensiv den Freiheitsdrang aller Jugendlichen.

David Moor gefiel als romantischer Knox Overstreet, dessen unbeirrbare Liebe zur schönen Chris einige der heiteren Momente des Stücks prägt. Mit Charme und jugendlicher Unsicherheit machte er die Entwicklung seiner Figur besonders glaubhaft.

Den ehrgeizigen und angepassten Richard Cameron spielte Bilal Mhadhbi als jungen Mann, der Sicherheit und Konformität über Loyalität stellt und damit eine wichtige Gegenposition innerhalb der Gruppe einnimmt.

Lamya El Fazazi stellte den technisch begabten und klugen Steven Meeks dar, während Luka Stimac als besonnener Gerald Pitts Ruhe und Ausgleich in die Schülergruppe brachte.

Eine zu bewundernde Leistung lieferte auch Iustin Corduneanu als Neils Vater. Mit großer körperlicher Präsenz zeigte er den autoritären Erziehungsstil eines Mannes, der seinen Sohn in den Tod treibt.

Emin Saban verkörperte den Vater Todd Andersons stark als zurückhaltende distanzierte Figur. Als Chris brillierte Fabienne Röttges mit natürlicher Ausstrahlung und verlieh ihrer Figur damit Leichtigkeit und Charme.

Die nächtlichen Treffen des Clubs der toten Dichter, bei denen die Jugendlichen Gedichte lesen und über ihre Träume sprechen, bildeten den emotionalen Mittelpunkt der Aufführung. Hier wurde deutlich, wie sehr Keatings Unterricht seine Schüler verändert. Als Neil schließlich nach dem Verbot seines Vaters keinen Ausweg mehr sieht und sich das Leben nimmt, erreicht das Stück seinen tragischen Höhepunkt.

Besonders bewegend gestalteten die jungen Schauspieler die berühmte Schlussszene. Nachdem Mr. Keating für den Tod seines Schülers verantwortlich gemacht und entlassen wird, steigen seine Schüler einer nach dem anderen auf ihre Tische und verabschieden ihn mit den Worten „Oh Captain, mein Captain“. Das Ensemble spielte diesen Moment mit so großer Intensität und Emotionalität, dass das Publikum gebannt auf die Bühne blickte.

Auch die technische Umsetzung des Stücks war überragend. Mehrere eigens produzierte Videosequenzen ergänzten die Bühnenszenen und verliehen der Aufführung zusätzliche Dynamik.

Für den reibungslosen Ablauf sorgte das Technikteam um Lehrer Maurice Scharnik gemeinsam mit Djibril Schomer, Karl Sieben und Richard Zoll, die Licht und Ton präzise aufeinander abstimmten. Unterstützt wurde Regisseurin Danika Hauptmann von den Regieassistentinnen Halime Ceylan und Medina Becirovic, die hinter den Kulissen wichtige organisatorische Aufgaben übernahmen.

Der lange Schlussapplaus war Ausdruck großer Anerkennung für die Leistungen aller Beteiligten und der verdiente Lohn für monatelange Probenarbeit. Die Aufführung machte in großartiger Weise deutlich, wie aktuell die Botschaft des Clubs der toten Dichter auch heute noch ist – nämlich den Mut zu haben, den eigenen Gedanken zu folgen und das Leben im Sinne John Keatings bewusst zu gestalten.

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Kommentare

2 Kommentare zu „Der Club der toten Dichter am Hugo-Junkers-Gymnasium“

  1. Joschua Hages

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    1. Wolfgang Bremges

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