A: Erhalt eines bedeutenden Kultur-, Natur- und Sportstandorts ?
Wir, der Hauptverband für Traberzucht stellt mit großer Sorge fest, das die älteste Trabrennbahn Deutschlands seitens der Landesregierung in den letzten Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Dies ist aus unserer Sicht unverzeihlich und es bedarf eine dringend notwendigen Kraftanstrengung und des politischen Willens, um der Trabrennbahn in Mönchengladbach wieder zu altem Ruhm zu verhelfen.
Wir senden Ihnen daher beigefügtes Schreiben an Ministerpräsident Hendrik Wüst, das wir ebenfalls mit gleichem Inhalt an die Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, Frau Mona Neubaur,
Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, Frau Mona Neubaur,
Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Frau Silke Gorißen,
Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung Frau Ina Scharrenbachorf,
Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Herr Oliver Krischer,
den Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach, Herr Felix Heinrichs
sowie allen Damen und Herren Landtagsabgeordneten im Agrarausschuss gesandt haben.
Hier der Text des Schreibens an Ministerpräsident Wüst:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Hendrik Wüst,
wir wenden uns mit einem dringenden Anliegen an Sie. Die älteste Trabrennbahn
Deutschlands steht kurz vor der Schließung.
Der dortige Rennverein bemüht sich seit Langem vergeblich um politische Unterstützung. Mit dem möglichen Aus der Trabrennbahn Mönchengladbach ginge nicht nur ein wertvolles Kulturgut verloren – es stünde eine ganze Branche vor existenziellen Herausforderungen.
Der Hauptverband für Traberzucht e.V. (HVT) ist die bundesweit anerkannte
Züchterorganisation und erfüllt die nach dem Tierzuchtrecht definierten Aufgaben der Zuchtaufsicht sowie der Durchführung rennsportlicher Leistungsprüfungen, die im Rahmen der Trabrennen durchgeführt werden. Die Rennen sind somit letztendlich landwirtschaftliche Veranstaltungen, zu denen wir die Öffentlichkeit herzlich einladen. Der HVT vertritt die Interessen von Züchtern, Besitzern, Trainern, Fahrern, Auszubildenden und Rennvereinen –
einer vielfältigen und zunehmend von engagierten Frauen geprägten Gemeinschaft mit nationaler und internationaler Bedeutung.
Die Trabrennbahn in Mönchengladbach ist – wie alle Rennbahnen – unverzichtbar für die Erfassung der Leistungsfähigkeit, Vitalität und Robustheit der Traber und damit für die Zucht gemäß Tierzuchtgesetz und den zugehörigen Bestimmungen. Doch seit Jahren leidet das Rennsystem unter chronischer Unterfinanzierung infolge der aufgeweichten Wettprivilegien und der Legalisierung von Sportwetten. Notwendige Modernisierungen blieben aus. Statt nun ein Zukunftskonzept zu entwickeln, soll ein historisch und ökologisch wertvolles Areal aufgegeben und für andere Zwecke bebaut werden. Dabei bietet dieser Standort große
Chancen: Der Veranstaltungsort könnte belebt, einzelne Bereiche könnten sinnvoll
weiterentwickelt oder neu genutzt werden – jedoch unter zwingender Erhaltung der
Trabrennbahn als solche.
Die Bahn wird von zahlreichen Aktiven genutzt – darunter auch mehrfachen deutschen Champions wie Michael Nimczyk, der in diesem Jahr auch an der Weltmeisterschaft in Neuseeland teilgenommen hat sowie vielen Nachwuchsfahrern. Ein Abriss träfe die
gesamte Traberbranche hart. Zuchtbetriebe, Rennställe, Trainer und Fahrer brauchen diese Bahnen, um neue Generationen leistungsstarker Pferde auszubilden. Besonders kleinere wären betroffen: Ohne ausreichende Infrastruktur sinken ihre Chancen, sich im Wettbewerb zu etablieren.
Statt einer Schließung sind daher gezielte Investitionen notwendig – in Aufenthaltsqualität,
Tierschutz- und Tierwohlstandards sowie moderne Infrastruktur. Während bundesweit Millionen etwa über die „Sportplatzmilliarde“ bereitgestellt werden, fehlt ein vergleichbares Förderinstrument für die Trabrennbahnen Mönchengladbach und Gelsenkirchen als zentrale Zucht-Leistungsprüfungsanlagen in NRW.
Wir appellieren dringend an Sie, die Trabrennbahn Mönchengladbach nicht abzuwickeln, sondern gemeinsam mit uns eine tragfähige Zukunftsperspektive zu entwickeln. Auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen werden erhebliche Mittel zur Leistungserfassung und Sicherung der Tiergesundheit eingesetzt – dies muss auch für die Traberzucht gelten.
Der tragende Verein zur Förderung des rheinischen Trabrennsports e. V. hält seit fünfzehn Jahren durch rein ehrenamtliches Engagement monatliche Renntage aufrecht – ein beeindruckendes Beispiel für bürgerschaftlichen Einsatz. Mit moderner Infrastruktur und stabiler Finanzierung könnte die traditionsreiche Anlage wieder ein Publikumsmagnet werden.
Besondere Dringlichkeit entsteht durch die aktuelle Situation: Der Pachtvertrag mit der Stadt wird seit Jahren nur jeweils um ein Jahr verlängert – Planungssicherheit fehlt vollständig, da das Gelände trotz seines ökologischen Werts am Fluss Niers für eine Flughafenentwicklung vorgesehen ist – obwohl für 2026 bereits 13 Renntage geplant sind.
So geht man nicht mit der ältesten und traditionsreichsten Trabrennbahn Deutschlands um.
Statt den Niedergang durch eine Vertragsbeendigung zu beschleunigen, braucht es – wie in Frankreich und Schweden – endlich ein modernes und nachhaltiges Konzept.
Besucherinnen und Besucher der Region würden dies ebenso begrüßen wie die Traberzüchter sowie die Arbeitsfelder im vor und nachgelagerten Bereich.
Gerade NRW sollte ein besonderes Interesse daran haben, die Zukunft von Traberzucht und Trabrennsport zu sichern.
Wir bitten Sie daher ausdrücklich um einen Gesprächstermin, um gemeinsam Wege zu
finden, diesem Standort wieder eine Zukunft zu geben – so wie es einst die Regel war, als gemischtes Publikum, Landespolitiker, Prominente und zahlreiche Besucher die Tribünen füllten. Kurzfristig sind wir gerne über mein Büro – Dr. Völl: 0160 923 965 68 – zu erreichen.
Für kommende Generationen muss eine Perspektive geschaffen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Weihermüller
Präsident
B: Gewerbegebiet am Flughafen: Trabrennbahn wird mit Hilfe des Landes entwickelt
Pressemeldung der Stadt MG: Mönchengladbach macht den Auftakt für das Landesprogramm „Go4Gewerbe“ im Rheinischen Revier: | Zielvereinbarung zwischen Land und Stadt unterschrieben
Was 2010 noch eine Idee war und 2014 an hohen Hürden scheiterte, nimmt heute konkrete Gestalt an: Die Trabrennbahn in Mönchengladbach wird zum Zukunftsstandort für Unternehmen. Möglich wird das durch die Aufnahme in das Landesprogramm „Go4Gewerbe“.

Am Freitag unterzeichneten Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, und Oberbürgermeister Felix Heinrichs dazu eine Zielvereinbarung.
Mit „Go4Gewerbe“ unterstützt die Landesregierung Nordrhein-Westfalen die Transformation im Rheinischen Revier: insgesamt 200 Millionen Euro Landesbürgschaft entlasten die Kassen ausgewählter Kommunen bei der nachhaltigen Entwicklung neuer Gewerbeflächen. Die NRW.URBAN Kommunale Entwicklung GmbH steht den Kommunen dabei als Entwicklungsgesellschaft auf Zeit zur Verfügung. Als erste Kommune wird die Stadt Mönchengladbach in das Programm aufgenommen. Mit 2,3 Millionen Euro aus einer Landesbürgschaft, die NRW.URBAN vom Land erhält, kann die Stadt Mönchengladbach gemeinsam mit der Landesgesellschaft das Areal an der Trabrennbahn zu einem zukunftsfähigen Gewerbestandort entwickeln.
Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung:
„Wo früher Pferde galoppierten, werden in Zukunft Ideen und Businesspläne Fahrt aufnehmen: ‚Go4Gewerbe‘ macht´s möglich. Das Rheinische Revier hat sich von der Braunkohle- auf den Weg zur Boom-Region gemacht. Genau hier setzt ‚Go4Gewerbe‘ an. ‚Go4Gewerbe‘ baut auf den Stärken der Region auf und zeichnet den Weg in eine nachhaltige, innovative Wirtschaftsstruktur. Der Standort auf der ehemaligen Trabrennbahn direkt am Flughafen Mönchengladbach bringt eine besondere Attraktivität für Unternehmen im Bereich der Luftfahrt mit. Neben klassischen Feldern wie Wartung und Service rücken hier auch neue Technologien in den Fokus: vertikale Mobilität, alternative Antriebe und ‚Zero-Emission Aviation‘. In Mönchengladbach geben wir den Startschuss, damit in Zukunft nicht nur Innovationen im Rheinischen Revier landen, sondern auch abheben.“
Felix Heinrichs, Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach:
„Mönchengladbach kommt als Großstadt im Rheinischen Revier eine besondere Rolle zu. Wir haben einen immensen Bedarf an nachhaltigen Gewerbeflächen mit klarer strategischer Ausrichtung auf unsere Leitbranchen. Mit seiner Nähe zum Flughafen bietet der Standort an der Trabrennbahn optimale Voraussetzungen, insbesondere auch für Wirtschaftsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrt. Wir sind sehr froh, dass uns das Land durch das Programm Go4Gewerbe gezielt dabei unterstützt, diese chancenreiche, aber anspruchsvolle Potenzialfläche zu einem nachhaltig ausgerichteten Gewerbestandort zu entwickeln und einen weiteren wichtigen Schritt im Strukturwandel zu gehen.”
Potenzial für nachhaltige Gewerbefläche und bis zu 1.000 Arbeitsplätze Die Projektfläche der ehemaligen Trabrennbahn umfasst rund 14 Hektar und verfügt über eine integrierte Lage in Mönchengladbach. Da sie vollständig im Eigentum der Stadt ist, kann die Entwicklung zügig angestoßen werden. Die Landesgesellschaft NRW.URBAN begleitet das Vorhaben mit personellen Ressourcen und fachlichem Know-how. Sie unterstützt die Stadt insbesondere bei der Bauleitplanung sowie bei der Erschließung des Areals. Ziel ist es, die Fläche bis 2029 zur Vermarktung vorzubereiten.
Das künftige Gewerbeareal bringt zahlreiche Standortvorteile mit: Die integrierte Lage ermöglicht eine abgestimmte Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung. Zudem verfügt die Fläche über einen nahen Autobahnanschluss an die A44 sowie eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Unmittelbar angrenzend liegt der Flughafen Mönchengladbach, auch der internationale Flughafen Düsseldorf ist gut erreichbar. Damit ist der Standort auch für international tätige Unternehmen attraktiv.
Hintergrund zum Programm „Go4Gewerbe“
„Go4Gewerbe“ ist ein gezielt auf Gewerbeflächen ausgerichtetes Programm, das Kommunen auch bei knappen Haushaltsmitteln und begrenzten personellen Kapazitäten eine zukunftsorientierte Flächenentwicklung ermöglicht und so die Transformation des Rheinischen Reviers weiter voranbringt. Jede Projektentwicklung erfolgt nach Kriterien wie sparsamer Flächenverbrauch, wassersensible Planung, Einsatz erneuerbarer Energien, multimodale Mobilitätsangebote sowie hohe architektonische Standards.
Das neue Landesprogramm ergänzt bestehende Instrumente zur Förderung des Strukturwandels im Rheinischen Revier, wie etwa die Projektgesellschaft Perspektive.Struktur.Wandel GmbH (PSW), die Starke Projekte GmbH oder die Struktur- und Städtebauförderung. Diese Initiativen tragen dazu bei, den Ausstieg aus der Kohleverstromung nachhaltig zu gestalten und dem Rheinischen Revier neue Perspektiven zu eröffnen. Insbesondere die PSW GmbH, eine gemeinsame Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen und der RWE Power AG, entwickelt Nachnutzungskonzepte für ehemalige Kraftwerksstandorte. Die Starke Projekte GmbH unterstützt die Kommunen als zentrale Beschaffungsstelle im Revier bei Projektberatung, Studien, Gutachten und Fördermittelmanagement.


Kommentare
Ein Kommentar zu „Was wird aus der Trabrennbahn Mönchengladbach ?“
Go4Gewerbe !!! What else???
Go4green!!! Wie wäre es denn damit gewesen??? Auch wenn Klima mittlerweile kein ernsthaftes Thema mehr ist, zählt trotzdem jede grüne Fläche. Und jeder Quadratmeter davon würde dem Stadtklima guttun. Inwieweit der Pferdesport wieder an mehr Leben gewinnen könnte, das kann ich nicht beurteilen, ganz sicher aber weiß ich, daß Mönchengladbach Flächen gründlich und weitestläufig versiegeln kann. Und Argumente dafür gibt es immer.