MG-Heute

Mönchengladbacher Zeitung

Frohes neues Jahr – Das Schuldenkonto ist schon da.

Es war sehr hübsch anzusehen, das Feuerwerk über unserer Stadt in der Silvesternacht.

Doch wie die meisten schönen Dinge hat es zwei Seiten. Es ist wohl obsolet zu erklären, dass Tiere und viele Menschen darunter leiden. Zu Tode erschreckte und verletzte Tiere werden in Kauf genommen. Menschen, die unter gesundheitlichen Problemen, wie zum Beispiel Asthma oder Demenz leiden oder auch teils aus Erfahrungen Angst vor den Knall-Geräuschen haben, leiden besonders in dieser Nacht.
Alles nur bla, bla?

Die Bilder aus dem Internet, die uns aus Berlin erreichen, haben in Teilen nichts mit einer freundlichen Begrüßung des neuen Jahres zu tun.
Feuerwerkskörper auf Polizisten sind schon ein alter Hut. Das ist seit Jahren bekannt und kann von der Politik durch ein Feuerwerksverbot wie in den Niederlanden unterbunden werden. In Artikel 2§ des Grundgesetztes steht, dass jeder Mensch ein Recht auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit hat.
Gilt dies auch für Polizisten? Wird hier das Recht auf „Spaß“, das im Grundgesetz nicht zu finden ist, höher gehängt als die Würde des Menschen? Wie soll man der Polizei noch eine Autorität abgewinnen, wenn sie zum Spielball zwischen wirtschaftlichen Interessen und einer mutlosen Politik werden?

Und dann zitieren wir hier einmal das Bundesumweltamt: „Jährlich werden rund 2.050 Tonnen Feinstaub (PM10) – davon rund 1.700 Tonnen PM2.5 – durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht.“

Mit diesem Schuldenkonto beginnen wir das neue Jahr.
Verletze Menschen und Tiere und eine verpestete Luft. Wobei hier auch mal die Frage erlaubt sei, wieviel Naturschutz man aus dem Erlös der Umsätze aus der Silvesternacht finanzieren könnte.

Jede Kommune kann für sich entscheiden, wie sie mit diesem besonderen Datum umgeht. Es ist möglich zentrale Plätze einzurichten, in denen jedermann das Feuerwerk abbrennen kann. Zeitgleich kann ein Feuerwerksverbotszone in der Stadt ausgesprochen werden.
Doch die Zukunft liegt wohl in der Drohne. Wunderschöne Bilder kann man hiermit zaubern. Unsere Stadt könnte hier mit einem modernen Regelwerk im nächsten Jahr vorangehen. Das ist allerdings zu bezweifeln anhand der Zusammensetzung der gewählten politischen Vertreter und deren Interessen und Schwerpunkten.

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Kommentare

2 Kommentare zu „Frohes neues Jahr – Das Schuldenkonto ist schon da.“

  1. E. Winters

    Schlaf aus nach Nachtschicht. Gutes neues Jahr hier in die Runde.
    Btw, die Notaufnahme war dermaßen voll, daß ich über die Nacht verteilt drei Stunden von meiner Abteilung nach unten mußte. Eine Kollegin übernahm dann meine Leute mit.
    „Nur“ zwei Patienten mit worst case. Ein Kopf mitsamt Hals mit Verbrennung dritten Grades. Als ich Feierabend hatte, lief die OP noch, und ob der junge Mann überleben wird, ist nicht sicher und wenn, wie sieht er dann aus? Nachbehandlung würde sehr sehr lange dauern. Wie die Eltern berichteten, war die Flasche in der die gezündete Rakete steckte umgefallen und die Rakete dabei in das Gesicht des Sohnes geflogen.
    Der Patient mit der zerstörten Hand, ist in gewisser Weise besser dran. Zwar sind Mittelhand und Fingerwurzeln komplett zertrümmert, aber, auch wenn das jetzt makaber klingt, es gibt schon recht gute Protesen. An.-oder Übergriffe auf Rettungskräfte, oder uns und unsere Ärzte gab es Gott sei Dank nicht.
    So einige Tage werden uns, die wir im Dienst waren, die Bilder nicht nur dieser Silvesternacht begleiten.
    Bleiben wir alle am Besten gesund.

  2. H . Dohmen

    Ein Vierbeiner bin ich nicht aber, schon weit vor Mitternacht wurde es für mich zunehmend ungemütlicher.
    Die Detonationen aus der unmittelbaren Nachbarschft waren so heftig, daß sie in den Ohren schmerzten, von dem Schreck jedesmal will ich garnicht erst reden. Eine bekannte Fernsehmoderatorin erzählte vor wenigen Tagen, daß sie die Silvesternacht mittlerweile mit ihrem Hund auf einem Autobahnrastplatz zubringt, weil er da seine Ruhe hat. Einmal verbrachte ich den späten Abend an Silvester bei meiner Schwiegermutter in einem Altenheim. Ja, es darf nur mit Abstand zu Einrichtungen wie diesen geböllert werden, Aber die Leute sind nicht so taub, daß sie die Kanonenschläge nicht mitbekommen. Was ich mitbekam war, daß bei gleich mehreren Alten echte Panik ausbrach. Bomben! Was sonst soll ein alter verwirrter Kopf damit anfangen?
    Um Mitternacht kommt bei uns immer ein gutes Dutzend Nachbarn auf der Strasse zusammen, und das ist so schön, war aber in diesem Jahr getrübt. Noch mehr Gestank als die Jahre davor, noch weniger Sicht, eine ungeheuer deutliche Zunahme an ohrenbetäubendem Lärm, daß wir, entgegen unserer sonstigen Gewohnheit, nach ca. fünf Minuten wieder in den Häusern verschwanden.
    Über Nebel und Gestank müssen wir nicht reden. Klima ist der Politik nicht mehr wichtig.
    Ein fröhliches, glückliches, wunderhübsches neues Jahr.