Beratungsstelle für Menschen mit erworbenen Hirnschäden in Mönchengladbach seit einem Jahr aktiv

Für Christoph Marißen war die Welt in Ordnung. Er hatte seine Lehre als Elektriker abgeschlossen und seit fünf Monaten eine feste Anstellung.
In einer Nacht veränderte sich sein Leben vollständig: Christoph überquerte die Straße an einer Fußgängerampel, dabei wurde er von einem Auto erfasst und erlitt eine schwere Hirnverletzung. Zwei Wochen verbrachte er auf der Intensiv-Station der Uni-Kliniken in Essen.
Endlich in einem „normalen“ Krankenzimmer war er halbseitig gelähmt, erkannte er seine Eltern und Geschwister nicht mehr, sein Sprachzentrum war stark gestört – jedes Wort musste er neu erlernen. Eine intensive Reha-Behandlung schloss sich an den Klinikaufenthalt an. Christoph Marißen machte viele Fortschritte.
Heute kann er wieder laufen und weitgehend wieder sprechen. In seinen alten Beruf aber kann er nicht mehr zurückkehren.

Wilfried Marißen – Christophs Vater – lebt mit seinem Sohn in Oberhausen und begleitet ihn seit dem Zeitpunkt des Unfalls intensiv. „In so einer Situation tun sich unendlich viele Fragen auf, auf die kaum jemand eine Antwort kennt. Bezogen auf die Frage, wie und wo Christoph wieder arbeiten kann, hat mich die ‚reIntegro‘ unter anderen an die Hephata Werkstätten in Mönchengladbach verwiesen und darüber wiederum bin ich auf die Beratungsstelle für Menschen mit erworbenen Hirnschäden (Beratung-MeH) aufmerksam geworden.

Seit Ende 2016 werden wir jetzt von Frau Beutner – Sozialpädagogin in der Beratungsstelle – begleitet. Mit ihrer Unterstützung konnten wir erreichen, dass Christoph einen Arbeitsplatz in den Hephata-Werkstätten – speziell in der Betriebsstätte für Menschen mit erworbenen Hirnschäden – bekommt. Und dass Christoph seit dem 1. Juli auch eine eigene Wohnung in Mönchengladbach hat, in der er mit Betreuung leben wird. Vorher habe ich mir oft die Finger wund telefoniert, die Beratungsstelle in Mönchengladbach hat uns echt weiter geholfen.“

In Deutschland erleiden jährlich etwa 470.000 Personen durch Unfall, Schlaganfall, Hirnblutung, Tumor, Hirnorganische Krankheiten oder Vergiftungen einen Hirnschaden. Ca. 70.000 von Ihnen bleiben nach der Behandlung dauerhaft auf Assistenz und Unterstützung angewiesen. Nach der Rehabilitationsbehandlung tun sich viele Fragen auf: Wo kann ich wohnen? Wer assistiert mir im Alltagsleben? Gibt es wieder eine Chance zu arbeiten? Welche Hilfen stehen mir zu? Von welchem Geld kann ich leben? Die Beratung-MeH in Mönchengladbach hat sich genau auf den genannten Personenkreis spezialisiert. Sie wird nicht nur von Gladbacher Bürgerinnen und Bürgern aufgesucht, sondern auch von Ratsuchenden aus ganz NRW. „Es ist für einzelne Betroffene kaum möglich zu wissen, was zahlt die Pflegekasse, wann ist die Rentenversicherung zuständig, welche Möglichkeiten bietet die Krankenkasse, welche Chancen gibt es zu arbeiten und kann betreutes Wohnen genutzt werden?“, erklären die beiden Fachleute der Beratungsstelle Brigitte Beutner und Christian Houben die große Nachfrage von betroffenen Personen.

Eine Lösung konnte Brigitte Beutner auch mit David Jordan entwickeln. Seit April 2017 besucht er den Berufsbildungsbereich der Hephata Werkstätten. Dort wird er über einen Zeitraum von 2 Jahren herausfinden, welche Arbeiten und Aufgaben für ihn die richtigen sein können. Im Alter von 14 Jahren erlitt David eine Hirnblutung durch ein geplatztes Aneurysma. Im Koma liegend bekam er dann auch noch einen Hirninfarkt.

Nach langer Rehabilitation und dank eines großen persönlichen Ehrgeizes machte David eine beachtliche Entwicklung, erreichte den Realschulabschluss, machte das Abitur und begann in Köln ein Studium der Betriebswirtschaft. Im Oktober 2016 erlitt er einen Zusammenbruch. Sein Arzt empfahl ihm und seiner Mutter sich an die Beratungsstelle-MeH zu wenden. „Wenn man durch einen Schicksalsschlag aus dem Leben gerissen wird, will man wieder normal sein“, erläutert David und ergänzt: „Ich merke, dass es mir gut tut, diese Bildungsmaßnahme in der Werkstätten zu machen. Hier bin ich auch auf Leute getroffen, die mich verstehen.“ Davids Mutter Brigitte Jordan bestätigt: „Seit David in der Maßnahme ist, erlebe ich ihn ganz anders. Vor allen Dingen sehe ich ihn wieder häufiger lachen.“

Weiter berichtet sie: „ Nach allem was ich schon erlebt habe, hatte ich Angst und Sorge mich wieder an eine neue Beratungsstelle zu wenden. Ich wusste ja nicht, was jetzt auf uns zukommt. Frau Beutner hat sich aber nicht nur um meinen Sohn gekümmert, sondern hatte auch Verständnis für mich und hat mir intensiv zugehört.“