Ein Junge

Die Kronprinzessin litt an Anpassungsstörungen. Sie hatte ein Mädchen zur Welt gebracht. Kein männlicher Thronfolger. Die Monarchie drohte zu verweiblichen. Die Tochter hätte Kaiserin werden können. Eine Frau auf dem Kaiserthron – das Land ist in Gefahr.

Japans Urmutter war eine Frau. Eine Sonnengöttin. Legende, sagen die Hofbeamten. Tradition ist männlich. Gebärfreudige Mätressen und Konkubinen garantierten das Liebesleben der Kaiser und sorgten für männliche Thronfolger. Unwichtig, dass acht Kaiserinnen auf dem Chrysanthemen-Thron saßen. Notlösungen. Platzhalter für männliche Nachkommen. Unwichtig, dass männliche Erbfolge erst nach dem Zweiten Weltkrieg festgeschrieben wurde.
Tradition ist männlich. Auch hierzulande. Chancengleichheit von Mann und Frau? Ein Prozent Frauenanteil in den Vorständen großer Kapitalgesellschaften. Spektakuläre acht Prozent in Aufsichtsräten. Werden es einmal mehr sein? Wird Tradition weiblich?
„Das werden wir nicht zulassen.“ „Die Nation muss geschützt werden.“ „Die authentische Tradition und Kultur ist zu wahren.“ So der Aufschrei der Männer Japans. Dass die Prinzessin an Depressionen litt, ist ihre eigene Schuld. Sie soll sich an Traditionen halten.

Dann war ein Junge da. Geboren von einer anderen Prinzessin. Die Kronprinzessin durfte wieder lächeln, freundlich nicken, die Wimpern senken. Tradition ist männlich. Die Frauen werden es verstehen.

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