Kunst aus und mit dem Computer – Die Sammlung Etzold – Folge 2

Kunstausstellung Etzold im Museum Abteiberg

Algorithmus – Das Neue in der Sammlung Etzold – Folge ;
Museum Abteiberg, 10. Juni 2018 – 13. Januar 2019;
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 10. Juni, 12 Uhr
Computergrafik in der Sammlung Etzold
Im Museum Abteiberg gibt es momentan quasi Kunst aus dem Computer zu sehen. Nicht dass das was Neues in der heutigen Zeit wäre, doch zu Zeiten als das Ehepaar Etzold die erste Computergrafiken sammelte, war das noch etwas völlig Neues.

Während heute Drucker nicht mehr nur alleine etwas auf Papier ausdrucken können, sondern in den verschiedensten Bereichen genutzt werden, waren die ersten Gerätschaften, die damals zu Beginn der 60er Jahre genutzt wurden, noch wesentlich beschränkter. Während uns heute Grafiken aus Computern und Druckern überall begegnen, waren sie damals noch wirkliche Errungenschaften. Dabei ging es eigentlich darum sie in naturwissenschaftlichen oder technischen Bereichen zu nutzen. Doch dann zeigte sich, dass aus einem Algorithmus auch Kunst entstehen kann. Ein Algorithmus ist dabei eine Art Anleitung, die genaue Handlungsanweisungen gibt und beschreibt in welcher Reihenfolge sie zu geschehen haben. Ein Computer braucht sie, um überhaupt etwas ausführen zu können.

Die Künstler entstammten so auch ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen: Bildende Künstler, Grafikdesigner, Ingenieure, Informatiker, Mathematiker und Physiker widmeten sich gleichermaßen der Computergrafik als ästhetisches Gebilde. Dieses interdisziplinäre Profil ist charakteristisch für einen Zweig der Kunstgeschichte, der die damals neueste Computertechnologie nutzte und formal und konzeptuell zugleich ein Zeugnis der bildenden Kunst der 1960er Jahre ist.

Seit 1970 befindet sich die Sammlung Etzold als Dauerleihgabe im Museum Abteiberg. Teil dieser Sammlung ist ein einzigartiges Konvolut an Computergrafik, dem sich nun die aktuelle Ausstellung widmet. Zu sehen sind rund 70 Grafiken sowie einige Objekte von Manuel Barbadillo, Hiroshi Kawano, Klaus Basset, Herbert W. Franke, K.O. Götz, Ken Knowlton, Manfred Mohr, Frieder Nake, Georg Nees und Zdenĕk Sýkora. Von einer einzigartigen Werkgruppe lässt sich insofern sprechen, als die Sammler Berni und Hans Joachim Etzold die Werke größtenteils bereits Anfang der 1970er Jahre erwarben, als die ersten Ausstellungen und Veranstaltungen, die dieser künstlerischen Ausprägung Aufmerksamkeit zollten, erst wenige Jahre zurücklagen, beispielsweise die mit internationalen Künstlern besetzte Ausstellung zur Computerkunst Cybernetic Serendipity am Londoner Institute of Contemporary Arts im Jahr 1968. 1973 präsentierte im Städtischen Museum Mönchengladbach der Direktor Johannes Cladders die ebenfalls internationalen Erwerbungen der Sammler Etzold als neue Dauerleihgaben in der Ausstellung Programm, Zufall, System – Ein neuer Zweig am alten Konzept der Sammlung Etzold, in der auch einige der aktuell gezeigten Werke vertreten waren.

Dass seine Eltern schon so früh sich auch für diese Form der Kunst interessierten kann sich der jüngste Sohn, Jost Etzold, nur dadurch erklären, dass Unternehmer immer schon für beides Interesse zeigen mussten, für Tradition und zukunftsfähige Entwicklungen: „Sie müssen sich vorstellen, zu dieser Zeit war ein Transistorradio eine neuste technische Errungenschaft für Haushalte, an Rechenmaschinen für Jedermann, war da noch nicht zu denken. Und dass meine Eltern dem so offen gegenüberstanden, hat sicher daran gelegen, dass für ein Unternehmen, das gut laufen möchte, es auf der einen Seite wichtig ist, gute Tradition zu bewahren, aber es brauch auch neue Technologien und Entwicklungen, um zukunftsfähig zu sein. Als Unternehmer muss man also beidem gegenüber aufgeschlossen sein.“

Die Ausstellung ist Teil einer dreiteiligen Ausstellungsreihe zur Sammlung Etzold.
2017 ging dem aktuellen Teil zum Algorithmus eine erste Folge zum Thema Konstruktion voran. Letztere legte den Schwerpunkt auf Arbeiten der konstruktivistischen Avantgarde in den 1920er Jahren sowie auf die Wiederkehr des Konstruktiven seit den 1960er Jahren (9. Juli 2017 – 18. Februar 2018).

2019 folgt der dritte Teil mit Werken unter dem Gesichtspunkt Konzept. Damit bettet die Ausstellungsreihe die Computergrafik der 1960er und 1970er Jahre in Zusammenhänge ein, die für ihre kunstgeschichtliche Einordnung eine zentrale Rolle spielen: die geometrische Abstraktion einerseits und die Konzeptkunst der 1960er Jahre andererseits. Mit dem vom Künstler erdachten Programm und seinen Algorithmen – als Anweisungen, wie eine bestimmte Aufgabe erfüllt werden soll – steht ein Konzept an der Basis der Computergrafiken. Der Akt des Zeichnens wird an die Maschine delegiert, die das Programm in Form von geometrisch abstrakten Formationen visualisiert. Durch die Einbettung in die Ausstellungsreihe erweitert diese Präsentation den Fokus, der 2006 in der Ausstellung Anfänge der Computergraphik aus der Sammlung Etzold im Museum Abteiberg auf diese besondere Werkgruppe gerichtet war. Seit 2006 hat sich parallel zur fortschreitenden technischen Entwicklung der Bereich, in dem bildende Kunst und Technik zusammentreffen, stetig verändert. So werden Technologien virtueller und erweiterter Realität längst in der Kunstproduktion genutzt. Um ein Schlaglicht auf die gegenwärtigen Entwicklungen zu werfen, integriert das Museum Abteiberg mit dem Künstlerduo Banz & Bowinkel eine zeitgenössische Position in die aktuelle Ausstellung: Mittels einer App erweitert sich eine Computergrafik auf dem Bildschirm des Smartphones oder Tablets zur virtuellen Skulptur. Die Anwendung ,Banz & Bowinkel AR‘ ist für Android und iOS im jeweiligen Store zum Herunterladen über das WLAN des Museums Abteiberg verfügbar. Gerade von der heutigen Warte aus kann ein erneuter Blick auf die Anfänge der Zusammenschlüsse von Kunst und Computer im besten Fall für beide Positionen erkenntnisreich sein.

Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Künstlern und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen angeboten. Zudem erscheint ein Ausstellungsheft mit einer Einführung in die Computergrafik, kurzen Texten zu Werk und Biographie der ausgestellten Künstler sowie mit einem Text, den Frieder Nake eigens für diese Ausstellung verfasst hat mit dem Titel „Als die Maschine dem Zeichenmeister den Zeichenstift aus der Hand nahm, selbst zu zeichnen begann, und was daraus geworden ist.“
Zusätzlich gibt es ein Vermittlungsprogramm für Schulklassen, Kinder und Jugendliche.

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