„Mein Weg nach Stockholm: Hirnforschung im 21. Jahrhundert“

Nobelpreisträger Professor Dr. Thomas Südhof zu Gast beim Initiativkreis
Mönchengladbach

Professor Dr. Thomas Südhof2013 wurde dem deutschen Neurowissenschaftler Professor Dr. Thomas Südhof für seine Entdeckung, wie Botenstoffe im Gehirn transportiert werden, der Nobelpreis für Medizin verliehen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nobelpreisträger in Mönchengladbach“ stellt er am kommenden Freitagabend seine Arbeit vor.

In einem Gespräch mit der Marketing Gesellschaft Mönchengladbach, die diese Veranstaltungen organisiert, erklärt Professor Dr. Carl-Albrecht Haensch, Chefarzt der Klinik für Neurologie an den Kliniken Maria Hilf, wie der Botenstofftransport funktioniert und warum die Forschungsergebnisse seines berühmten Kollegen so wertvoll im Kampf gegen Parkinson, Alzheimer und Diabetes Mellitus sind.

 

 

 
Haensch, Dr. Carl. A vom 23.04.2014Herr Prof. Haensch, freuen Sie sich auf den Abend mit Ihrem Kollegen Prof. Südhof?

„Auf einen solch hochrangigen Neurowissenschaftler kann man sich als Mediziner nur freuen. Das ist eine tolle Sache für die Stadt.“

Was macht die Forschungsarbeiten von Prof. Südhof so wertvoll?

„Die 20 bis 30 Jahre seiner Arbeit haben die Hirnforschung stark geprägt. Er betreibt ja Grundlagenforschung, deswegen ist sein Schaffen in der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt. Er hat unser Wissen über das Nervensystem enorm weitergebracht, das gilt für das gesunde wie auch das erkrankte Gehirn.“

Wie muss man sich die Entdeckung des Nobelpreisträgers vorstellen?

„Im Gehirn befinden sich etwa 100 Milliarden Nervenzellen. Sie sind zuständig für die Reizaufnahme sowie die Weitergabe und Verarbeitung von Nervenimpulsen. Die Zellen sind wie in einem riesigen Computernetzwerk über Leitungen miteinander verknüpft, um Informationen austauschen zu können. Ohne diesen Transport wären wir nicht fähig zu lernen. Der Transport erfolgt über Kontaktstellen von einer Zelle zur
nächsten. Von diesen Kontaktstellen oder Synapsen existieren im menschlichen Gehirn tausendmal so viele wie Nervenzellen, also unvorstellbare 1014 Milliarden. Sie alle sind aber nicht fest miteinander verbunden, sondern durch einen Spalt getrennt.

Von den Nervenzellen gesteuerte chemische Botenstoffe oder auch Neurotransmitter
sind nötig, um diesen Spalt zu überwinden und die Informationen weiterzugeben. Für diesen Transport befinden sich die Botenstoffe in Schutzhüllen, so genannten Bläschen oder auch Vesikeln. Diese Proteine passen genau durch die Kanäle der Synapsen, die sich nach diesem Vorgang entweder vergrößern oder verkleinern. Das verleiht dem Gehirn seine Plastizität, seine Fähigkeit, zu lernen. Prof. Südhof hat als Erster entdeckt, wie dieser Transport genau funktioniert.“

Warum ist diese Entdeckung so wertvoll im Kampf gegen Parkinson, Alzheimer und andere Krankheiten?

„Bei den Botenstoffen, die für die Gesundheit des Gehirns entscheidend sind, handelt es sich unter anderem um Dopamin, Adrenalin, Glutamin, Serotonin, Insulin. Dopamin etwa spielt die entscheidende Rolle bei Parkinson-Erkrankungen, Adrenalin bei Blutdruck, Serotonin bei Depressionen, Insulin bei Diabetes Mellitus. Man kann sich also vorstellen, dass Funktionsstörungen beim Transport von Informationen zu Störungen führen.Die Proteine, die nicht mehr den Transport zu den Synapsen sicherstellen können, lagern sich in den Nervenzellen ab. Diese Nervenzellen sterben vorzeitig ab, können also folglich keine Botenstoffe mehr entsenden. Dopaminmangel ist also beispielsweise der Grund für Morbus Parkinson. In Deutschland sind 250.000 bis 400.000 Menschen an Parkinson erkrankt. Damit tritt Parkinson häufiger auf als
Alzheimer.

Die Entdeckung Prof. Südhofs ist aber auch sehr wichtig in den Bereichen Genetik und Medikamentenforschung. Wir wissen, dass zehn Gene eine besondere Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen. Wir wissen, dass Parkinson erst bei etwa 70 Prozent abgestorbenen Nervenzellen auffällig wird. Damit messen wir der Früherkennung von neurologischen Erkrankungen einen neuen Stellenwert zu, um rechtzeitig schützende Medikamente verabreichen zu können.“

Herr Prof. Haensch, vielen Dank für das Gespräch.

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Den Abend mit Prof. Südhof moderiert der aus Fernsehen und Hörfunk bekannte Journalist Sven Lorig. Schirmherr des Abends ist Torsten Heising, Geschäftsführer der SMS Meer GmbH.

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29. August 2014 um  20.00 Uhr
Kaiser-Friedrich-Halle
Hohenzollernstraße 15, 41061
Mönchengladbach