Offener Brief von Borussen-Fan Elke Eike an die Verantwortlichen:
Infrastruktur ist „unterirdisch“

Als Fußballfan ist man ja einiges Leid gewöhnt…

…als Borussia-Anhänger sowieso und wenn man zu (fast) jedem Heimspiel mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln von Stuttgart anreist, fragt man sich zum Teil, warum man das immer wieder auf sich nimmt. Aber man tut es, keine Frage. Als Fan, der stolzer Besitzer einer begehrten Dauerkarte ist, möchte man so viele Spiele wie möglich live sehen. Wenn dann aber so, wie am letzten Freitag, alles zusammenkommt, dann wird die Geduld eines Fans schon arg überstrapaziert und großer Unmut macht sich breit. Aus diesem Grund habe ich mich für diesen offenen Brief entschieden in der Hoffnung, dass zumindest der eine oder andere Verantwortliche zum Nachdenken angeregt wird.

Am vergangenen Freitagabend stand also ein Heimspiel gegen Bremen auf dem Programm. Um zu diesem pünktlich zu sein, musste ich um halb 3 mein Büro in Stuttgart verlassen, zum Bahnhof fahren und von dort ging es mit dem ICE nach Köln. Hier erfolgte dann der Umstieg in den Regio nach Mönchengladbach. Der Regio fährt planmäßig um 18:25 Uhr ab, eine Zeit, zu der an einem Freitag also auch noch eine ganze Menge Berufs- und Wochenendpendler unterwegs sind. Hinzukommen kamen die Bremer und Gladbacher Anhänger. Man kann also durchaus mit einigen Reisenden rechnen. Dem Regio fehlten laut Bahn-App ein paar Wagen, genauer gesagt, kam ein Kurzzug. Es wurde also kuschelig, aber zumindest lief alles nach Plan.

In Rheydt angekommen, begrüßte uns fetter Schneefall. Wir fuhren mit dem Shuttlebus zum Stadion und nahmen und waren tatsächlich pünktlich am Platz. Über den Verlauf des Spiels muss man an dieser Stelle nicht sprechen, aber wenn man nach einer 2:0 Führung am Ende doch mit einem Unentschieden aus dem Stadion geht, ist die Laune der meisten Fans eher nicht überschwänglich. Nun begann aber erst das eigentlich Drama.

Wir mussten nach dem Spiel nach Korschenbroich, bekanntlich zwei S-Bahn-Haltestellen in Richtung Düsseldorf von Mönchengladbach entfernt, wo wir ein Zimmer für die Spieltage haben. Das Spiel endete gegen 22:20 Uhr, in unserem Zimmer waren wir schließlich zwei Stunden später, also um 0:20 Uhr, obwohl wir weder etwas trinken noch feiern waren, sondern versucht haben, auf dem direkten Weg nach Hause zu kommen. Was war also passiert?

Zunächst gingen wir zum Shuttlebus und konnten nach kurzer Wartezeit zum Gladbacher Hauptbahnhof starten. Allein diese Fahrt kann auch schon eine richtige Odyssee bedeuten, denn die Stadt bekommt es einfach nicht in den Griff, den Busverkehr vernünftig zu regeln. Diesmal haben wir „nur“ eine gute halbe Stunde gebraucht für eine Strecke von 5 km, die man bei wenig Verkehr in weniger als 15 Minuten schaffen kann. Wir erreichten den Hauptbahnhof an diesem Abend also um ca. 22:55 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt sind sowohl die erste Sonder-S-Bahn um 22:45 Uhr, als auch die reguläre S-Bahn um 22:54 Uhr Richtung Düsseldorf bereits abgefahren. Aber es sollte ja eine weitere Sonder-S-Bahn um 23:13 Uhr geben. Durch das Baustellenchaos am Gladbacher Hauptbahnhof hindurch begaben wir uns also zu Gleis 8, wo die Sonder-S-Bahn laut Bahn-App abfahren sollte. Eine Anzeigetafel im Bahnhof existiert derzeit nicht. Am Gleis wurde die Sonder-S-Bahn auch angezeigt und so warteten wir mit einer ganzen Reihe weiterer Fans, bis gegen 23:10 Uhr eine Bahn einfuhr. Wir stiegen alle ein, wurden aber recht unmittelbar vom Zugführer aufgefordert, den Zug zu verlassen, da dieser Zug hier enden würde. Also stiegen alle wieder aus, die Bahn löschte das Licht und fuhr davon. Auf Gleis 7 sah man eine verdächtigte Bahn (sie wurde weder auf der Gleistafel näher bestimmt noch stand am Zug ein Ziel) herumstehen und ein paar Gladbach Fans winkten uns zu, als diese um 23:13 Uhr abfuhr. Direkt danach erlosch auf unserer Anzeigetafel an Gleis 8 die Information zur Sonder-S-Bahn. Es war weder eine Durchsage erfolgt, noch auf der Anzeigetafel oder in der Bahn-App darauf hingewiesen worden, dass diese Bahn abweichend von Gleis 7 fahren würde.

Man kann sich die Laune der Fans am Bahnhof vorstellen: Es hat nach wie vor heftig geschneit, es war windig und eiskalt und die einzig erreichbare Sonder-S-Bahn hatte man gerade auf dem Nachbargleis davon fahren sehen. Wartezeit bis zur nächsten regulären S-Bahn etwa 40 Minuten. Die Toilette am Bahnhof hatte bereits um 22 Uhr geschlossen, was die Freude nicht gerade verstärkte. Schließlich fuhr die reguläre S-Bahn zur Abfahrt um 23:54 Uhr ein. Es handelte sich um einen Kurzzug! Ein lautes Raunen ging durch die über 500 Fans, die mit dieser S-Bahn fahren wollten. Es wurde geschubst und gedrängelt, damit man nur ja auch hineinkommt, denn bei diesem Wetter wollte niemand noch länger am Bahnhof warten. Dies führte natürlich dazu, dass die S-Bahn heillos überfüllt war, der Zugführer kaum zu seinem Platz kam und sich die Türen zur Abfahrt nicht schließen konnten. Wir standen also weitere 20 Minuten nach planmäßiger Abfahrt am Gleis und warteten darauf, dass schließlich einige Polizeikräfte dafür sorgten, dass die nachrückenden Fans die Türbereiche der Bahn freigaben. Das Verhalten der Fans in diesen 20 Minuten war knapp vor der Eskalation, es wurde gepöbelt und beleidigt und hier und da geschubst. Dass keine Schlägerei entstand oder jemand vor den zu kurzen Zug geschubst wurde, grenzt eigentlich an ein Wunder.

Mehr als eine Stunde nach Abfahrt der so unglücklich verpassten 2. Sonder-S-Bahn waren wir dann schließlich in Korschenbroich angekommen. Dieses Organisationschaos hat mich dazu veranlasst, diesen offenen Brief schreiben zu wollen. Für uns als Fans gehört zu einem Stadionbesuch eben auch eine geordnete An- und Abreise und diese ist nun zum wiederholten Mal durch die schlechte Organisation des ÖPNV stark erschwert worden. Im Interesse aller bitte ich daher die Verantwortlichen, Folgendes zu überdenken:

  1. Kann man für die Fahrt mit den Shuttlebussen durch den Gladbacher Stadtverkehr nicht eine Straße absperren, die nur von den Bussen befahren werden darf und den Autoverkehr durch eine andere Straße umleiten? So würde es für alle schneller vorangehen.
  2. Eine Sonder-S-Bahn 25 Minuten nach Abpfiff ist bei Benutzung der Shuttlebusse nur zu erreichen, wenn man das Stadion schon eine Weile vor Spielende verlässt. Das kann m.E. nicht Sinn der Sache sein.
  3. Eine abweichende Abfahrt von Zügen (egal ob regulär oder Fußball-Sonderverkehr) muss deutlich kommuniziert werden. Dass eine Sonder-S-Bahn, die vom größten Teil der mit den Bussen ankommenden Fans genutzt werden würde (da die erste kaum zu erreichen war) mit nur einer Handvoll Fans abfährt, weil diese von einem anderen Gleis als angezeigt startet, ist schlicht ein Unding.
  4. Vor und nach einem Fußballspiel sollten grundsätzlich solange keine Kurzzüge eingesetzt werden, wie diese noch für den Abtransport der Fans benötigt werden.
  5. Die WC-Anlage am Bahnhof sollte nach einem Fußballspiel zumindest solange geöffnet haben, wie der Großteil der abreisenden Fans sich dort noch aufhält. Dass diese bereits vor Spielende um 22 Uhr geschlossen hat, ist für mich nicht nachvollziehbar.
  6. Der Einsatz von Polizeikräften oder Ordnern sollte gerade auch dort erfolgen, wo er notwendig ist, nämlich nicht nur vor dem Bahnhof oder in einer aufgrund von Bauarbeiten im absoluten Chaos befindlichen Bahnhofshalle, sondern auch an den Gleisen, wo durch ein- oder durchfahrende Züge eine große Gefahr für alle

Solange der Verein, die Stadt und die Bahn diese Punkte nicht gemeinsam vernünftig regeln, ist es kein Wunder, dass Mönchengladbach kein Austragungsort für eine EM oder WM sein kann, denn die Infrastruktur ist nicht einmal zweitklassig, sondern einfach unterirdisch.

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