Verbraucherzentrale und NEW bekämpfen erfolgreich Energiearmut – erste Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus

Energiearmut1Seit einem Jahr arbeiten die Verbraucherzentrale Mönchengladbach und die NEW zusammen in dem Projekt „NRW bekämpft Energiearmut“.
Die Verbraucherzentrale NRW und verschiedene regionale Energieversorger haben dieses Modellprojekt ins Leben gerufen. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, Energiearmut langfristig zu vermeiden.
Die Zusammenarbeit der Partner ist auf drei Jahre ausgelegt. Für diesen Zeitraum unterstützt das Verbraucherschutzministerium das Projekt mit rund 1,5 Millionen Euro.

 

Die teilnehmenden Versorger in den acht Modellkommunen – neben Mönchengladbach sind dies Aachen, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Köln, Krefeld und Wuppertal – beteiligen sich anteilig an den Kosten für die jeweiligen Beratungsangebote.
Im Jahr 2013 hat die NEW 25 Prozent der Finanzierung für die Beratung vor Ort übernommen, in diesem Jahr wird der Anteil des Energieversorgers auf 50 Prozent und 2015 auf 75 Prozent aufgestockt.
Erste Jahresbilanz: 103 Haushalte wurden nachhaltig betreut

Die Bilanz der Projektpartner fällt nach einem Jahr sehr positiv aus.
„Seit Beginn unserer Zusammenarbeit im Januar 2013 haben wir insgesamt 103 Haushalte umfassend beraten und nachhaltig betreut. 87 Verbraucherinnen und Verbraucher, die uns aufgesucht haben, sind Kunden der NEW“, so Ursula Winbeck.

In offenen Sprechstunden bietet die Fachberaterin im Projekt „NRW bekämpft Energiearmut“ bei der Verbraucherzentrale in Mönchengladbach eine qualifizierte Beratung rund um alle Fragen zur Existenzsicherung und Budgetverwaltung an – und greift dabei auch auf Hilfestellungen weiterer Einrichtungen wie beispielsweise der Agentur für Arbeit zurück, um den Betroffenen zeitnah und flexibel eine fachübergreifende Beratung zu bieten.

In die Beratungsstelle nach Mönchengladbach kommen unterschiedliche Menschen in ebenso verschiedenen Lebenssituationen.
Nach einer Auswertung der Verbraucherzentrale für das Jahr 2013 sind besonders in Mönchengladbach Single-Haushalte von Zahlungsproblemen rund um die Energierechnung betroffen. Sie machten knapp die Hälfte aller Beratungsfälle aus. 38 Prozent der Ratsuchenden hatten ein oder mehrere Kinder. 16 Prozent der Ratsuchenden waren alleinerziehend.
„Von den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die wir im Jahr 2013 beraten haben, beziehen 57 Prozent Leistungen nach SGB II („Hartz IV)“, so Ursula Winbeck.
23 Prozent der Verbraucher sind erwerbstätig. Auch Rentner und Auszubildende beziehungsweise Studenten kamen zur Beratung.

Ein häufig wiederkehrendes Problem: „Die Verbraucher melden sich zu spät“, so Ursula Winbeck.
2013 suchten 73 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher die Beratungsstelle erst auf, als sie bereits von einer Energiesperre betroffen waren oder diese kurz bevorstand. „Ein Verbraucher, der das kostenlose Beratungsangebot erst dann in Anspruch nimmt, wenn die Sperrandrohung vorliegt, kann in aller Regel nicht vermeiden, dass Strom, Gas oder Wasser abgestellt werden. Je früher das Problem angegangen wird, desto besser die Chancen, gemeinsam eine Lösung zu finden“, so Ursula Winbeck. Oftmals sind die Kosten für Mahnung und Sperrung erheblich höher als die ausstehende Hauptforderung.
Im Laufe der Beratungen hat sich auch gezeigt, dass in vielen Fällen ein hoher Energieverbrauch zugrunde liegt.
Ursula Winbeck: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher leben in einer ungünstigen Wohnsituation − ineffiziente Heizsysteme, elektronische Warmwasserbereitung oder die Verwendung von Haushaltsgeräten, die nicht den heutigen Energiestandards entsprechen. Das führt zu einem kostentreibenden Energieverbauch.“
In solchen Fällen versuchen die Projektpartner beratend einzugreifen und Lösungen zu erarbeiten, um den Energieverbrauch zu senken, damit künftige Zahlungsschwierigkeiten vermieden werden können.
„Erfreulich ist, dass bis Ende des ersten Projektjahres 99 Beratungsfälle abgeschlossen werden konnten“, führt die Fachberaterin aus. „Oft konnten wir mit kleinen Hilfestellungen viel erreichen, beispielsweise, indem wir Betroffenen geholfen haben, Wohn- oder Kindergeld zu beantragen, welches dann zur Begleichung der Energierechnung verwendet werden konnte.“
Frank Kindervatter, Vorstand der NEW AG, stellt abschließend fest: „Die NEW und die Verbraucherzentrale sind stolz auf das gemeinsame Projekt. Im ersten Projektjahr konnten wir mehr als die Hälfte der angedrohten Versorgungsunterbrechungen verhindern. 65 Prozent der durchgeführten Sperrungen wurden zeitnah wieder aufgehoben.“
Ursula Winbeck: „Es ist sehr förderlich für unsere Arbeit, dass die Verbraucherzentrale ständiges Mitglied im 2013 gegründeten NEW-Kundenbeirat ist. Der Kundenbeirat hat das Thema Energiearmut immer auf der Agenda und berät über mögliche Maßnahmen zu deren Vermeidung.“