Windlichter

Der Mönchengladbacher Autor, Peter Josef Dickers; Foto: Günter Pfützenreuter

Im Gedränge musste ich auf meine Windlichter achten, damit sie nicht zertreten wurden. Kein einziges hatte ich verkauft. Einpacken wollte ich, um nicht länger in der Kälte ausharren zu müssen.

Dann stand die Frau vor mir. Gesehen hatte ich sie nicht. Alle fünf Lichter wollte sie haben. Sie drückte mir einen Geldschein in die Hand; fort war sie. Ich wollte ihr noch erklären, wie man die Lichter vor Wind und Regen schützt. Außerdem bekam sie noch Geld zurück. Ich sah sie nicht mehr. Einen Hauch von Mitleid spürte ich. Warum war sie verschwunden?

Eine halbe Ewigkeit stand ich schon da. Fast hatte ich vergessen, dass ich Windlichter verkaufen wollte. Mir gefiel die Musik, obwohl ich die Lieder schon tausend Mal gehört hatte. Mir gefielen die Düfte, die um meine Nase wehten. Mir gefielen die Gesichter, die sich neugierig meinen Lichtern zuwandten. Ich genoss das. Schade, dass es so kalt war und ich nirgendwo meine kalten Füße wärmen konnte.

Die Frau schien davon nichts zu bemerken. Warum war sie hier? Wofür brauchte sie Windlichter? Richtig interessiert zeigte sie sich nicht. Wo wollte sie die aufstellen? Überall funkelt und leuchtet und blinkt es in diesen Tagen. Lichterketten an Türen und Fenstern. An Dächern und Häuserfronten strahlen und glitzern sie in buntem Licht. Wir lassen Sie nicht im Dunkeln stehen, verspricht die grelle Reklame. Auch ausgefallene Wünsche werden erfüllt. Alles soll ins rechte Licht gerückt werden.

Meine Windlichter können mit dem Gefunkel nicht konkurrieren. Hoffentlich war die Frau nicht enttäuscht, als sie die Lichter auspackte. Ich weiß nicht, wo sie die hingestellt hat. Ich weiß nicht, ob es dunkel genug ist, wenn sie leuchten. Aber das weiß ich: Meine Lichter machen es heller. Nicht taghell, aber hell. Mehr braucht man vielleicht nicht.