125 Jahre Volksverein: Pontifikalamt im Münster

Mitarbeiter der Zentrale des Volksvereins im Jahre 1906. (Foto: Stadtarchiv)

In diesem Jahr jährt sich zum 125. Mal die Gründung des Volksvereins für das Katholische Deutschland. Bis zu seinem Verbot 1933 durch die Nationalsozialisten hatte der Volksverein seine Zentralstelle in Mönchengladbach. Damit wurde Mönchengladbach zur Wiege des sozialen und politischen Katholizismus.

Gewürdigt wird dieses Jubiläum unter anderem mit einem Pontifikalamt am 24. Oktober 2015 um 10.00 Uhr im Mönchengladbacher Münster. Zelebrieren wird dies der Bischof des Ruhrbistums Essen und Vorsitzender der Sozialkommission der Deutschen Bischofskonferenz Dr. Franz-Josef Overbeck. Außerdem wird unter anderem der Generalvikar des Bistums Aachen Dr. Andreas Frick das Hochamt mit zelebrieren.

Zum Hintergrund:
Der Volksverein für das katholische Deutschland wurde am 24. Oktober 1890 als Gegengewicht zur atheistisch revolutionären Sozialdemokratie gegründet. Erster Vorsitzender wurde der Mönchengladbacher Textilfabrikant Franz Brandts. Die Zentralstelle wurde in Mönchengladbach eingerichtet und somit galt die Stadt bald als Heimat des sozialen und politischen Katholizismus.

Zweck des Vereins war laut Satzung „die Bekämpfung der Irrtümer und Umsturzbewegungen auf sozialem Gebiet, sowie die Verteidigung der christlichen Ordnung in der Gesellschaft.“ Dementsprechend engagierte sich der Verein in der Bekämpfung der Sozialdemokratie und stellte dem die Propagierung der christlichen Sozialreform gegenüber.

Lesesaal des Volksvereins im Jahr 1925(Foto: Stadtarchiv)

Lesesaal des Volksvereins im Jahr 1925(Foto: Stadtarchiv)

Zu den weiteren Aufgaben des Volksvereins zählte die allgemeine Volks- und Erwachsenenbildung. Ziel war eine aktive Teilnahme der Katholiken am politischen und wirtschaftlichen Leben bis hin zur Einflussnahme auf die sozialpolitische Gesetzgebung mittels der Zentrumspartei, deren führendes Mitglied Ludwig Windhorst den Volksverein, trotz Widerständen innerhalb der Partei, mit begründet hatte.

Dabei machte sich der Volksverein unter anderem auch für den verstärkten Ausbau der Sozialversicherung- und Arbeiterschutzgesetzgebung stark und setzte damit wegweisende Impulse für die christliche Arbeiterbewegung, für Volksbildung, Sozialpolitik und Sozialreform. Letztlich strebte der Volksverein eine allmähliche Demokratisierung an, ohne aber an den Grundfesten der Monarchie zu rütteln.

Die Geschichte des Volksvereins war gekennzeichnet durch den Kampf um die Frage: nähert man sich der Sozialdemokratie und den Demokraten an, um gemeinsame Ziele zu erreichen oder bleibt man in seiner selbstgewählten Isolierung? Während bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges der Volksverein über 800.000 Mitglieder zählte, führte diese Unsicherheit und die Konzentration auf die Mittelschicht und das Handwerk, nach dem Krieg zu einem zunehmenden Mitglieder- und Einflussverlust.

In den Jahren 1920-28 beschäftigte die Frage nach der eigentlichen Aufgabe des Volksvereins dessen Führung und blockierte so den nötigen Wandel. Das führte zum rapiden Mitgliederverlust seit 1922 und dem finanziellen Zusammenbruch 1928. Der Einflussverlust setzte sich stetig bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 fort.

(pmg)