MG-Heute

Mönchengladbacher Zeitung

Was macht Hitze mit uns und wie gehen wir damit um

Gastbeitrag von: Dr. med. Klaus Schimanski

Wir Menschen sind empfindliche Wesen, besonders was den Wasserhaushalt und die Temperaturregulation betrifft. Wasser- und der Mineralhaushalt hängen eng miteinander zusammen.

Bei der Temperatur können wir uns überhaupt nicht viel erlauben. Zwischen 36 und 37,5°C liegt die für uns optimale Temperatur, bei der Stoffwechselvorgänge in unserem Körper am besten funktionieren. Diese 1,5°C sind entscheidend für unser Wohlergehen- so wie  auch 1,5°C auf anderer Ebene wahrscheinlich für uns weitreichende Folgen haben werden.  Für den Körper gilt es, diese Temperaturspanne irgendwie aufrecht zu erhalten, genauso wie die Mineralzusammensetzung in den Körperflüssigkeiten und in unseren Zellen.  Hier haben geringste Verschiebungen in der Mineralkonzentration enorme Folgen für uns. Schon etwas zu viel Kalium oder zu wenig Natrium wirken sich erheblich auf unsere Herz- und Gehirnfunktion  aus. Aber unser Körper ist glücklicherweise vorbereitet und kann auch extreme Situationen regulieren, doch nicht auf Dauer. Reguliert wird über  Sensoren im Gehirn und an den Organen, insbesondere durch die Niere. Es laufen in unserem Körper andauernd unzählige, hochkomplizierte chemische Reaktionen ab, alles wunderbar reguliert, damit es uns gut geht, und wir merken es gar nicht. Ein Wunder! Wir brauchen nichts anderes zu tun als zu essen, zu trinken und unsere Kleidung entsprechend der Umgebungstemperatur oder unserer körperlicher Aktivität anzupassen.

Bis zu einer Umgebungstemperatur von 25°C fühlen wir uns noch relativ wohl. Aber auch schon bei dieser Temperatur darf die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch sein (wie z.B.: in den Tropen und bei uns an Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit). Dann fühlen wir uns sogar schon bei dieser Temperatur unwohl. Bei niedriger Luftfeuchte und etwas mehr Wind fühlen sich 25°C plötzlich gar nicht mehr so komfortabel an.  Sobald wir aber körperlich aktiv sind, empfinden wir diese Situation aber schon wieder als angenehm. Daran sieht man wie vielfältig die Wahrnehmung von angenehmer Umgebungstemperatur sein kann und welche Faktoren eine Rolle spielen können. Die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr empfinden wir wohltuend nach den langen dunklen meist regenreichen Monaten des Winters. Als Reaktion darauf legen wir die ersten Lagen unserer Kleidung ab. Sobald die Sonnenstrahlen aber wieder hinter den Wolken verschwinden, wird es sofort wieder kühler und der Körper muss hart arbeiten, um seine vorgeschriebene Temperatur von um die 37°C zu halten.  Auskühlung unter 36,5°C Kerntemperatur macht unseren Körper anfällig für Infektionen. Bakterien und Viren warten nur auf eine solche Situation. Jeder kennt es: zu lange im relativ zu kalten Wasser gewesen, kalte Füße bekommen, zu lange noch in geselliger Runde draußen gesessen. Dann besteht die Möglichkeit krank zu werden (Blasenentzündung, Husten, Schnupfen, ect.).

Die Kehrseite der Medaille ist die Hitze, eine für uns unvorteilhafte Wärme. Zwar suchen viele Menschen in den Sommermonaten zur Ferienzeit die sicher sonnenreichen und damit auch wärmeren Regionen auf wie Spanien und Italien, oft zum Sonnenbaden. Eine Tortur für den Körper. Die Sonne heizt den Körper zusätzlich zur hohen Umgebungstemperatur weiter auf. Glücklicherweise wird dieses Sonnenbaden nicht mehr so exzessiv vollzogen wie in den 70iger und 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts als vorzugsweise Tiroler Nussöl als Sonnenschutz verwandt wurde ( Schutzfaktor unter 10 , mehr ein Hautpflegemittel).  Heute gibt es als Vorsichtsmaßnahme Sonnenschutzlotionen mit Schutzfaktoren bis 50 . Schutz gegen die ultraviolette Strahlung der Sonne, die unsere  Haut vorzeitig altern lässt. Nicht alle im Erbgut durch die UV Strahlung verursachten Fehler können vom Körper repariert werden. Die Folgen von zu viel Sonne sehen wir oft erst Jahrzehnte später.  Wurde Sonnenbrand früher verharmlost, sieht man jetzt die Folgen: Zunahme von verschiedenen Hautkrebsarten. Durch Sonnenbrand entstehen auch Hautveränderungen wie bei einer Verbrennung meist 1. Und 2. Grades, mit Blasenbildung sogar 3. Grades und das meist großflächig. Ein gewaltiger Stress für den Körper, nicht nur mit der überhitzen Haut fertig zu werden, sondern auch millionenfach Reparaturvorgänge auf Zellniveau zu bewältigen, denn UV-Strahlung schädigt unser Erbgut. Es fehlt einfach das uns vor der schädlichen Strahlung der Sonne schützende Fell. Jetzt müssen wir dieses am besten durch entsprechende Kleidung und dem Vermeiden von zu starker direkter Sonne besonders in den Sommermonaten ersetzen Die Hitze ist ein weiteres Problem. Durch den Klimawandel wird sie immer mehr zum Problem. Wie schon öfter hier erwähnt verträgt der Körper auf Dauer keine Temperatur über 37 °C, nur als Reaktion auf Infekte kann die Temperatur vom Körper bis auf höchstens 41°C hochgestellt  werden.  Ab 38,5°C nennt man es Fieber. Temperaturen über 42°C hält der Körper nicht aus. Der Stoffwechsel bricht zusammen. Darum setzt der Körper alles daran, die Körperwärme so zu regulieren, dass die Temperatur um die 37°C bleibt. Das kann er nur durch Verdunstung von Wasser erreichen, also durch Schwitzen. Dafür gebraucht er Körperflüssigkeiten, die aber dadurch eindicken, die Mineralkonzentrationen verschieben sich, die Urinmenge nimmt ab und wird dunkler (konzentrierter), das Durstgefühl nimmt zu. Wir müssen trinken und nicht zu wenig. Schnell benötigen wir an heißen Sommertagen 2 bis 3 Liter und mehr, verursacht durch Flüssigkeitsverlust über die Haut (schwitzen) und über die Atmung. Was sollte man trinken? Kann man Kaffee und leicht alkoholische Getränke wie Bier mit zur Getränkemenge rechnen? Leider nicht. Denn man scheidet nach Genuss dieser Getränke durch Blockierung eines Botenstoffes im Gehirn mehr Flüssigkeit aus als man zu sich genommen hat. Also genau das Gegenteil von dem, was man erreichen will. Wenn man auf diese Getränke nicht verzichten will, muss man extra viel trinken, also die Trinkmenge durch Getränke wie Säfte, Tee, Mineralwässer entsprechend erhöhen. Auf süße Limonaden und andere stark zuckerhaltige Getränke sollte man ebenfalls verzichten. Früchte und leicht verdauliche Nahrungsmittel sind außerdem eine gute Quelle für Wasser.  Bei der Verdauung der Nahrungsmittel entsteht als Stoffwechselnebenprodukt Wasser, das dem Körper hilft, den Wasserhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Nun ist das Hitzegefühl auch sehr vom Körpergewicht abhängig: Übergewichtige vertragen Kälte besser, sie haben eine isolierende Fettschicht. Normalgewichtige Personen können dahingegen besser mit Wärme umgehen. Bei zu hoher Umgebungstemperatur wird das Blut umverteilt, die Blutgefäße weiten sich, insbesondere die Venen. Hierdurch kann Wärme an die meist kühlere Umgebungstemperatur abgegeben werden.  Durch die Umverteilung des Blutes in die Peripherie verringert sich der Blutdruck. Das kann zu Schwindel, Müdigkeit führen. Die Menschen, die Medikamente gegen hohen Blutdruck einnehmen, sollten zusammen mit ihrem Hausarzt Vorgehensweisen zur Medikamentenanpassung bei Hitzeperioden besprechen. Besonders auf Ältere, Kranke hier insbesondere Bettlägerige und Demente und natürlich Kinder müssen wir aufpassen. Auf eigene Initiative hin trinken sie oft nicht genügend, kleiden sich nicht entsprechend oder sind nicht in der Lage selbst kühlere Orte aufzusuchen. Welche Rückzugsmöglichkeiten haben wir? Früher war es die kühle Höhle, heute ist es das Haus – im besten Fall stehen Bäume um das Haus, diese spenden Schatten und erzeugen Verdunstungskälte. Das macht schon einige Grad aus. Eine Siesta zur Mittagszeit einlegen, so wie uns das südliche Länder vormachen. Denn je mehr körperliche Bewegung bei heißem Wetter desto mehr muss der Körper die zusätzlich durch Muskelarbeit erzeugte Wärme  auch über Schwitzen versuchen loszuwerden.  Das funktioniert natürlich nicht mehr bei Temperaturen um 40°C wie sie regelmäßig im Sommer in Südeuropa vorkommen und auch bei uns immer wahrscheinlicher werden.  

Die Gefahren von zu großer Hitze:

  • Hitzeerschöpfung: tritt auf nach starkem Schwitzen, hierdurch Salzverlust
  • Sonnenstich: tritt auf durch zu viel Sonne auf den Kopf ohne ausreichende Kopfbedeckung, geröteter Kopf,  Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen
  • Hitzschlag: der Körper ist mit der Temperaturregulation überfordert, ein lebensbedrohlicher Zustand ist eingetreten: kein Schwitzen mehr , die Haut ist gerötet, heiß und trocken, das Bewusstsein ist stark getrübt, Krämpfe können auftreten, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, schneller Herzschlag, niedriger Blutdruck > den Rettungsdienst 112 benachrichtigen, den Kranken in den Schatten bringen, nicht versuchen, Getränke zu verabreichen wegen der Gefahr des Verschluckens

 Deshalb bei Hitze und vermehrter Sonne:

  • Schatten aufsuchen, Kühlung durch einen Ventilator
  • Kühlung von Räumen und in Fahrzeugen durch Klimaanlagen (aber nicht runterkühlen auf 18°C wie es in manchen Ländern üblich ist.  Bei dieser Temperatur würde der Körper versuchen, Wärme zu erzeugen, um seine Temperatur zwischen 36 und 37,5°C aufrecht zu erhalten und dann kommt man wieder nach draußen und plötzlich sind es vielleicht fast 20°C mehr. Welch ein Stress für den Körper! 
  • Körperliche Arbeit auf die hoffentlich kühleren Morgen- und Abendstunden verschieben
  • Trinken von kühlen mineralhaltigen Getränken (besonders Salz geht über starkes Schwitzen über die Haut dem Körper verloren), Alkohol und Kaffee nur in geringen Mengen
  • Kleidung anpassen, Kopfbedeckung
  • ältere Menschen und Kinder im Auge behalten
  •  Medikation anpassen (z.B. Wassertabletten, Betablocker)
  • Rechtzeitiges Auftragen von Sonnencreme,-milch,-spray mit hohem  Sonnenschutzfaktor, besonders an der See und in den Bergen
  • Kühle Schlafräume (Fenster über Tag geschlossen halten, in den kühleren Abend und Morgenstunden lüften)

Gegen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Sonnenlicht und der Wärme ist nichts einzuwenden. Wir brauchen die Sonne zur Bildung von Vitamin D und für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden. Die o.g. Verhaltensmaßnahmen können dabei helfen, Sonne und Wärme zu genießen und zu vertragen.

Dr. med. Klaus Schimanski

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