Auch die „Rasierklinge“ war ein Thema

von links: Dietmar Jung, Herbert Baumann, Dietrich Denker und Karl Bolland. Jung, Baumann und Boland sind ALZ-Vorstandsmitglieder.

Treffen zwischen Superintendent und Vertretern des Gladbacher Arbeitslosenzentrums.

Evangelische Kirche und Arbeitslosenzentrum wollen „dauerhaft“ in Kontakt bleiben

Es war so etwas wie eine Premiere. Und sie soll Anstoß für eine „dauerhafte themenbezogene Zusammenarbeit“ sein:
Dietrich Denker, Pfarrer in Rheydt-Mitte, und Vertreter des Mönchengladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) trafen sich jetzt im ALZ an der Lüpertzender Straße 69. Denker ist Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss. Sein früherer Amtskollege und ALZ-Vorstand Dietmar Jung hatte ihn eingeladen.

Denker war ein aufmerksamer Zuhörer – als ALZ-BeraterIn Mariya Kaplunovska und Julian Strzalla über ihre komplexe Tätigkeit informierten. Kaplunovska, gebürtige Ukrainerin, berichtete u.a., dass zunehmend geflüchtete Personen in Jobs vermittelt werden – häufiger mit befristeten, weniger mit unbefristeten Verträgen. So kommen Anfragen aus der Baubranche, Schweißtechnik, Reinigungsbetrieben, neu ist ein Floristik-Kurs.
Kaplunovska: „Wichtig sind und bleiben Deutschsprachkurse für die UkrainerInnen.“ Wichtig sei aber auch – und das gelte nicht nur für die UkrainerInnen – dass die Ämter besser erreichbar werden. Monatelange Wartezeiten seien „üblich“ und sorgten für Frust und Aggression.

Julian Strzalla erledigt quasi im Auftrag der Stadt die „psycho-soziale Beratung“. Etwa 80 Prozent der BesucherInnen sind EU-Ausländer und anerkannte Asylbewerber  – häufig Menschen aus Somalia, Eritreia, Ghana, Marokko. Sie kommen mit Anliegen wie: Mietrückstände, kein Geld für Essen, Schulden, Energiekosten nicht komplett bezahlt, Probleme mit Leistungsträgern etc.. Strzalla: „In den meisten Fällen geht es darum, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern.“ Das gelinge nicht immer. Das Gros der Ratsuchenden jobt in der Logistikbranche. ALZ-Sprecher Karl Boland: „Gladbach ist zum Hotspot für tausende Wanderarbeiter geworden.“

Boland wie Jung informierten Pfarrer Denker über weitere Angebote des ALZ. Dazu gehören der gefragte Mittagstisch für arme Menschen, Möglichkeiten der Begegnung und die Bewerbungshilfe. Sie wird jährlich von mehr als 400 Personen zur Arbeitssuche genutzt. Bei den Beratungen sind es über 3000 Kontakte pro Jahr – Tendenz steigend. Neben Kaplunovska und Strzalla gehört auch Karl Sasserath (Beratungsstelle Arbeit) zum beratenden Team.

Denker hörte sich auch die „chronischen Finanzsorgen“ des ALZ an. Das sei ein täglicher „Ritt auf der Rasierklinge“, so Boland. Das Fazit des evangelischen Theologen: „Vieles für mich war neu. Wenn man das so hört, was sie hier leisten, dann versteht man, dass das ALZ mehr denn je gebraucht wird.“ Denn hier werde „niederschwellig“ das geboten, was andere nicht leisten könnten oder wollten.
Weitere Infos: www.arbeitslosenzentrum-moenchengladbach.de

Kommentar hinterlassen zu "Auch die „Rasierklinge“ war ein Thema"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*