Das Beste zum Osterfeste

Ausschnitt aus dem Portal der Klosterkapelle Marienthal zu Hamminkeln. Foto: MLW

Das Tagesprogramm auf dem Kreuzfahrtschiff wünscht uns Reisenden „Frohe Ostern“. Dass Ostern mit Osterhasen und Ostereiern zu tun hat, ist bekannt. Dennoch wird im Osterquiz gefragt: „Was hat der Hase mit Ostern zu tun?“ Ein Schokoladen-Meister, der Hasen aus Schokolade herstellt, ist nicht die richtige Antwort, obwohl er an Bord sein soll.  Konsumorientierte Reisende haben auf die falsche Fährte gesetzt.

Eine Mitreisende – kleine Statur, hellwache Augen – beklagt sich über diejenigen, die solche Fragen stellen und Antworten finden. Ihr Unverständnis nimmt zu, als es um die bunt gefärbten Ostereier geht. Unmäßiger Eierkonsum habe negative gesundheitliche Folgen, lautet die Antwort auf die Frage, ob Ostereier gesund seien. Ungläubiges Kopfschütteln. „Warum verdirbt mir die Reiseleitung den Ostereier-Appetit?“ schimpft sie über den, wie sie sagt, organisierten Wahnsinn und hält den Konsumverzicht für Freiheitsberaubung.

Der Herr neben ihr am Tisch beklagt die Realitätsverweigerung. Ostereier würden zu Ostern gehören wie der Weihnachtsbaum zu Weihnachten, konstatiert er. Was immer gegolten habe, könnten Reiseveranstalter nicht nach eigenem Gutdünken außer Kraft setzen. Außerdem habe er viel Geld bezahlt für die Reise mit Vollverpflegung. Was er bezahlt habe, wolle er auch essen. Der Eiersalat gestern Abend sei köstlich gewesen. Er lasse sich nicht bevormunden. Von geänderten Essgewohnheiten an Bord wisse er nichts. „Alles Gute, nur das Beste, gerade jetzt zum Osterfeste“, stehe in großen Buchstaben hinter dem Wunsch „Frohe Ostern“ im Tagesprogramm. Bei wem könne er sich beschweren?

Auf der Rückseite des Programms wird aus Goethes „Osterspaziergang“ zitiert: „Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn.“ Auferstehung? Hat man davon schon einmal gehört? Weder im Quiz noch im Tagesprogramm eine Antwort. Allgemeine Verunsicherung. Ostereier soll man nicht essen, weil sie gesundheitsschädlich sind. Von Auferstehung steht nichts im Programm. Wer kann Unerklärliches erklären? Manche Reisende geraten von einer Verlegenheit in die andere. Warum wünscht die Reiseleitung noch „Frohe Ostern“?

Das russische Wort für „Sonntag“ heißt „Auferstehung“. An jedem Sonntag wird in Russland Ostern, Auferstehung gefeiert. Von Ostereiern keine Rede. Ist Auferstehung doch wichtiger als Ostereier, nicht nur in Russland?