„Dein Job ist unser Profit“

Alle Fotos: Axel Rayczik

Am Welttag für menschenwürdige Arbeit prangern Organisationen Missstände an und fordern Korrekturen

Ausbeutung findet so oft statt – in der Logistik-Branche, in der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Pflege. Man könnte die Negativ-Beispiele fortsetzen. Am Welttag für menschenwürdige Arbeit (und deren adäquate Bezahlung) haben verschiedene Organisationen und Gruppen auf Missstände aufmerksam gemacht und deutlich Position bezogen.

Auf dem Platz mit den vielen Eseln vor dem Einkaufstempel Minto hatten Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), des Gladbacher Arbeitslosenzentrums, des Bündnisses für Menschenwürde und Arbeit, der Initiative „Fair Fahren“ sowie des Volksvereins gegen Arbeitslosigkeit einen Pavillon aufgestellt. Darin und davor viele Infos sowie von den Organisatoren formulierte „Stellenangebote“ mit sarkastisch anmutendem Text. Da sucht eine „Alten-Pflege-Firma“ Leute u.a. mit dem Slogan „Die Beste für Mama, die Billigste für uns. Dein Job ist unser Profit.“ Deutlich-ironische Anspielung auf die vielfach prekär Beschäftigten in der häuslichen Pflege. Oder: „Spedition Irgendwo östlich sucht Dich als eigenverantwortlichen Fahrer.“ 

Karl Sasserath vom Arbeitslosenzentrum spricht hier von „unhaltbaren Zuständen“: Da säßen Fahrer – Frauen findet man hier ganz selten – aus Bulgarien oder Kasachstan für etwa 80 Euro/Tag wochenlang auf dem Bock. Dafür müssten sie 24 Stunden/Tag präsent sein, also Leistung bringen, bekämen keine Spesen und müssten an Zielorten wie Amazon in Rheindahlen bei stundenlangen Wartezeiten mit schlechten hygienischen Verhältnissen auskommen. 

Eine ältere Frau „kann sich gar nicht vorstellen, dass in Gladbach Leute ausgebeutet werden“. „Leider ja“, sagt Wolfgang Fels vom regionalen Bündnis für Menschenwürde und Arbeit. „Leider“, sagt der Bündnis-Sprecher weiter, „ist sehr vielen Menschen gar nicht bewusst oder sie verdrängen es, dass sehr viele Menschen zu Niedriglöhnen schuften müssen, um unseren Wohlstand zu ermöglichen.“

Der neue, höhere Mindestlohn (12 Euro ab Oktober) sorge da ein wenig für Abhilfe, formuliert es Ommer Semmo eher zurückhaltend. Allein in Gladbach sind rund 26 000 Menschen auf den Mindestlohn angewiesen. 

Semmo ist Gewerkschaftssekretär. Am Aktionstag spricht er mit Passanten und verteilt kleine Tüten. Die kommen gut an. Der Inhalt: Müsli-Riegel plus DGB-Forderungen zum Mindestlohn. Ein Wohnungsloser, der in den Gesprächen munter mitmischt, scheint begeistert: „Infos zum Reinbeißen“, lacht er. 

Der Welttag für menschenwürdige Arbeit wird seit Jahren vom Internationalen Gewerkschaftsbund veranstaltet. Denn die Ausbeutung von arbeitenden Frauen und Männern hat ein globales Gesicht. Erstmals fand der Aktionstag in Gladbach statt, parallel auch in Düren, Aachen und Krefeld.  Wolfgang Fels bezeichnet die Aktion für menschenwürdige Arbeit (und Bezahlung) als „gut“. Die Resonanz habe ihn beeindruckt. Enttäuscht ist er wieder einmal von der Politik. „Keiner von ihnen ist hier, aber gerade sie kann national wie auf EU-Ebene für akzeptable Rahmenbedingung sorgen.“ Man muss es nur wollen.