Die Angst ums Überleben nimmt zu

Das Arbeitslosenzentrum sieht immer mehr verzweifelte Menschen und unterstützt den Paritätischen: Entlastungspaket der Bundesregierung mit Löchern.

Die enorme Verteuerung  vor allem bei Lebensmitteln und Energie lässt immer mehr Gladbacher*innen verzweifeln. Ihre Haushaltskassen sind spätestens zum Monatsende leer. Diese Notlagen bekommen Beschäftigte der verschiedenen Projektbereiche des Mönchengladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) immer öfter ganz hautnah mit. „Die Angst ums Überlegen nimmt zu“, stellt Sozialberater Julian Strzalla (ALZ) mit großem Bedauern fest. 

Das von der Bundesregierung im Parlament beschlossene „Entlastungspaket“ sieht aber leider keine spürbare Erhöhung der Leistungssätze für die Empfänger*innen der Grundsicherung bei Arbeitslosigkeit, im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit vor. Das Gleiche gilt für Studierende.

Deshalb schließt sich der Vorstand des Arbeitslosenzentrums uneingeschränkt der scharfen Kritik des Hauptgeschäftsführers des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, am Entlastungspaket der Bundesregierung an.

Seit Jahrzehnten ist das Arbeitslosenzentrum Mitglied des Paritätischen und unterstützt die Kritik des Bundesverbandes „an der nicht bedarfsdeckenden Höhe der Regelsätze der Hartz IV-Gesetze“. Wenn Schneider jetzt u.a. eine deutliche Erhöhung der Leistungssätze und die volle Übernahme der Stromkosten für Leistungsbezieher*innen fordert, deckt sich das mit den Erfahrungen, die das ALZ im engen Kontakt mit Menschen in prekären Lebenslagen in verschiedenen Projektbereichen seiner Einrichtung macht. Wenn der Gesetzgeber seit Jahren die gestiegenen Kosten für Haushaltsenergie in den Regelsätzen nicht abbildet, bedeutet dies für die Hilfsbedürftigen, einen ständigen wachsenden Teil ihres Existenzminimums zur Deckung der Kosten für die Haushaltsenergie aufwenden zu müssen. Der nun hinzukommende Anstieg der Lebenshaltungskosten erhöht den Druck für arme Haushalte weiter. „Die jährlichen Ernergiekostenabrechnungen werden mit ihren jetzt sprunghaft nach oben geschossenen Preisen die Nachforderungen der Energielieferanten in schwindelerregende Höhen treiben“, sagt ALZ-Sprecher Karl Boland. Einmalleistungen für Hartz IV-Bezieher*innen kennt das Gesetz so gut wie gar nicht. Was bleibt, ist eine weitere Verschuldung der privaten Haushalte oder gar Energiesperren für zahlreiche Haushalte.
Wie besorgniserregend die Situation mittlerweile ist, zeigt allein der Run auf die Tafeln, die Bedürftige mit dem Nötigsten versorgen. Sie sind längst an ihre Leistungsgrenze gestoßen. Es dürfe und könne aber nicht sein, dass die Politik darauf spekuliere, dass die Tafeln die Fehler der Sozialpolitik schon beseitigen könnten.