Ein Gefühl von Familie für Flüchtlinge aus der Ukraine

„Sehr lecker“ – das ehrliche Lob von Sr. Bettina zu den frischen Waffeln der ukrainischen Kinder in der Eltern-Kind-Gruppe des Caritasverbandes dient auch dem Erlernen der deutschen Sprache. Foto: Caritasverband

Im März sind die ersten geflüchteten Menschen aus der Ukraine nach Mönchengladbach gekommen. In der Mehrzahl sind es Frauen mit Kindern, die nun die Herausforderung meistern müssen, sich ein Leben aufzubauen. Mit zahlreichen Angeboten hilft der Caritasverband Region Mönchengladbach dabei.

Schon vom Eingang in die Räume des früheren Caritas-Kindergartens Am Kuhbaum empfängt einen der warme Duft von frischen Waffeln. Das Kinderlachen führt zur Quelle: Auf einem Tisch ist das Waffeleisen aufgebaut, aus einer Schüssel schöpft ein kleiner Junge den Teig und gibt ihn vorsichtig auf die Backfläche. Dann schließt er das Gerät mit Schwung und wartet geduldig ab, ohne es aus den Augen zu lassen. Wenige Minuten später probiert Schwester Bettina das Backwerk. „Sehr lecker“, lobt sie und spricht dabei das Wort „lecker“ besonders deutlich aus. So lernen die Kinder die deutsche Sprache besser.

Zwischen acht und zwölf Kinder im Alter von sieben Monaten bis zehn Jahren betreut Schwester Bettina mit ihrem Team. Dienstags, mittwochs und donnerstags treffen sich geflüchtete Frauen aus der Ukraine hier mit ihren Kindern. Während die Kinder malen, lesen, spielen oder, wie heute, backen, kochen die Mütter aus dem Containerdorf im Nordpark in der Küche das Essen, das sie gemeinsam verzehren und teilweise später in Schalen und Schüsseln mit nach Hause nehmen. Die Eltern-Kind-Gruppe ist eines von vielen Angeboten des Caritasverbands Mönchengladbach für geflüchtete Menschen aus der Ukraine.

Derzeit ist der Nordpark für viele ihr Zuhause, aber dort gibt es keine Kochmöglichkeit. „Dort gibt es eine Mikrowelle. Wir sind froh, dass wir hier kochen können und so unseren Kindern ein gesundes Essen geben können“, sagt Luba Piddubna. Das Kochen und die Mahlzeiten in der Gruppe stiften Gemeinschaft. Zudem hat das selbst zubereitete Essen noch einen anderen wichtigen Effekt: Es gibt das Gefühl von Heimat.

Luba Piddubna kommt mit ihrer fünfjährigen Tochter drei Mal in der Woche hierher. Seit drei Wochen wohnt die 33-Jährige in einer eigenen Wohnung in Eicken. Das ist ein weiterer Schritt zu etwas mehr Normalität, der aber wieder andere Probleme mit sich bringt. „Uns fehlte die Gemeinschaft, die sich im Nordpark gebildet hat“, sagt die Ukrainerin. Sie ist allein mit ihrer Tochter nach Deutschland gekommen und kennt hier niemanden. Das Angebot des Caritasverbands Mönchengladbach ist daher für sie eine wichtige praktische und psychologische Hilfe.

Olga Zubchyk unterstützt Schwester Bettina bei der Arbeit in der Eltern-Kind-Gruppe. Die 40-Jährige ist mit ihrem Mann und vier Kindern Anfang März aus Kiew geflüchtet. Ihr jüngstes Kind war da gerade zweieinhalb Monate alt. „Die Frauen kommen mit nichts hier an“, sagt sie. „Sie haben hier keine Unterstützung durch Familie und Freunde. Über das Angebot sind sie sehr glücklich.“ In Kiew hat Zubchyk in einem Kindergarten gearbeitet. Jeden Morgen beginnt sie mit einem Morgenkreis, in dem die Kinder ansprechen können, was sie bewegt. Danach gibt es Spiel- und Schreibangebote. Dazu gehören auch Rollenspiele, in denen Kinder ihre Gefühle verarbeiten können.

Eine eigene Wohnung sei wichtig, um wieder eine Alltagsroutine entwickeln zu können, sagt Zubchyk. Ein wichtiger Punkt ist das Deutschlernen. Die Frauen möchten gerne möglichst schnell Arbeit finden. „Ein großes Problem für die Frauen ist die Kinderbetreuung, weil sie gar keine familiäre Hilfe haben“, sagt Zubchyk. Die Eltern-Kind-Gruppe ist ein Familienersatz. Hier können die Frauen ihre Probleme ansprechen, finden gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Die reicht über die neun Stunden in der Woche, die von der Stadt finanziert werden, hinaus. Denn auch bei der Übersetzung von offiziellen Schreiben der Behörden ist Schwester Bettina behilflich, ebenso bei der Wohnungssuche und der Wohnungsausstattung sowie bei Kontakten mit Sozialamt, Jobcenter und Schule. Seit dem Start des Projekts Mitte Mai sieht sie täglich, wie die Kinder freier werden und aufblühen. „Am Anfang haben sie sich von ihren Eltern kaum wegbewegt“, sagt Schwester Bettina. „Jetzt spielen sie und sind richtig wild.“ Dass das Gelände Am Kuhbaum mit den vielen Bäumen so viele Möglichkeiten bietet, genießen die Kinder sehr. Am Nordpark gibt es keinen Spielplatz.

„Die Eltern-Kind-Gruppe ist eines von mehreren Hilfsangeboten des Caritasverbands Mönchengladbach für ukrainische Flüchtlinge“, sagt Hildegard van de Braak, Leiterin des Bereiches Soziales und Familie beim Caritasverband. In Appartements des Seniorenheims Theresianum fanden geflüchtete Familien vorübergehend eine Unterkunft. Auch im Caritaszentrum Rheydt wurde eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Das Freiwilligenzentrum vermittelt Ehrenamtliche an Projekte der Flüchtlingshilfe, in Hermges und Lürrip sind die Familiencafés offen für Geflüchtete aus der Ukraine. Die Flüchtlingsbegleitung ist seit Juli mit einer weiteren Vollzeitstelle ausgebaut worden.

In den Sommerferien gab es Ferienspiele, an denen zehn deutschsprachige und fünf Kinder aus der Ukraine teilnehmen konnten. So wurden spielend Sprachbarrieren abgebaut und erste Kontakte geknüpft. youngcaritas, die Jugendorganisation des Caritasverbands, koordiniert zudem Sprachtandems. Wer Interesse daran hat, ukrainischen Flüchtlingen beim Deutschlernen im Alltag zu helfen, kann sich dazu anmelden: youngcaritas@caritas-mg.de Informationen: www.caritas-mg.de