Ein Holzherz und viel Dankeschön

Guido Possehl vom Gladbacher ADFC; Alle Fotos: ALZ

Vor Weihnachten beschenkt das Arbeitslosenzentrum viele arme Menschen. Statt einer gemeinsamen Feier gingen die Helfer*innen wieder auf Tour.

Für Guido Possehl war es ganz was Neues. Der Dauerradler, der ansonsten mit Interessierten (Rad-)Touren wie zu beliebten Graffiti-Standorten in Gladbach und Umgebung durchführt, beteiligte sich erstmals mit zahlreichen Helfern*innen an der großen Weihnachtsaktion des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) – per Lastenrad. Rund 110 bedürftige Menschen wurden beschenkt. 

Unter ihnen ist auch die Rentnerin, die in ihrer kleinen Wohnung in Stadtmitte lebt. Sie wartet bereits und nimmt das leckere Weihnachtsmenü mit freudiger Anspannung entgegen. Dazu die große, voll gefüllte Baumwolltasche. „Ich werde schon seit Jahren beschenkt“, lacht sie dankbar. Bei ihrer kleinen Rente sei das (Über-)Leben nicht leichter geworden. Im Gegenteil. Immer öfter müsse sie sich sagen: „Das kannst du dir nicht leisten.“ Da seien Tage wie diese was ganz Besonderes. „Ich nenne das, was das Arbeitslosenzentrum seit Jahren macht, gelebte Nächstenliebe“, sagt sie. Dann ist der „Weihnachtsbote“ auch schon wieder weg. Schließlich sollen die Essen möglichst warm bei ihren Abnehmer*innen ankommen. 

Justine Krause, junge Leiterin des ALZ, ist begeistert. Denn auch dieses Mal sind 15 Helfer*innen engagiert bei der Sache. Mit dabei auch Irene und Rudi Fischer, die viele Jahre im Zentrum arbeiteten. Und natürlich Possehl, der wie Thomas Maria Claßen die weihnachtlichen Freuden mit dem Lastenrad zu bedürftigen Menschen bringt. Beide sind aktiv im Gladbacher Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). 

Begeistert ist Krause, die die Weihnachtstour organisierte, auch von der „vielfachen Spendenbereitschaft“. Da stellten die Städtischen Kliniken Rheydt („Eli“) erneut das üppige Weihnachtsessen im „to-go-Format“ zur Verfügung. Gebäudereiniger P&M Michael Jansen spendierte 100 Feinkostartikel, vom Volksverein kamen 100 Holzherzen als Schlüsselanhänger, Bedachungen Roschkowski brachte Vitaminreiches – Äpfel und Mandarinen. 100 Jutebeutel und einen Geldbetrag gab es von der Caritas; von der 1000-Euro-Spende des Katholikenrates konnten in Kooperation mit Edeka End, preislich günstiger, Stollen, Schoko-Männer (-Frauen) etc. erworben werden. Vollwertige Stollen stellte die Bäckerei Ö zum Freundschaftspreis her. Dazu kamen willkommene Spenden der Kempener Thomas-Apotheke, von 3M sowie von Privatleuten (Lebensmittel sowie Geldbeträge). Justine Krause: „Dafür sind wir sehr dankbar. Nur so wurde unsere Aktion möglich.“

Zum zweiten Mal fiel die obligate Weihnachtsfeier für rund 150 bedürftige Personen mit Speisen, Gesängen, Kultur-Programm etc. in den Städtischen Kliniken wegen Corona aus. ALZ-Vorstandssprecher Karl Boland: „Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr wieder in der Villa Leisse vielen armen Menschen ein wenig Lebensfreude schenken können.“ Die „Villa“ ist die Kantine der Städtischen, hier fanden die Weihnachtsfeiern bislang statt. 

Auffallend diesmal: Knapp ein Drittel der Bedürftigen – darunter alleinerziehende Frauen mit Kindern – holten sich die weihnachtlichen Gaben an der ALZ-Haustür Lüpertzender Straße 69 ab. Für die begehrten Geschenke musste man sich anmelden und die Bedürftigkeit nachweisen. 

Karl Sasserath

Für Karl Sasserath war die Weihnachtsaktion am 17. Dezember der letzte Tag als beratender Mitarbeiter und langjähriger Leiter des ALZ. Team und Vorstand dankten ihm „sehr herzlich“. Die große Abschiedsfeier folgt im Frühjahr. Wenn Corona denn mitspielt.