Eine neue Zentralbibliothek – Zukunftsbaustein, Bildungsort, sozialer Treffpunkt und kulturelles Gedächtnis unserer Stadt

Dass aus der Initiative Neue Zentralbibliothek Mönchengladbach mit Mehrheitsbeschluss der Ampelkoalition nun ein Städtisches Projekt wird, ist ein positives Zeichen für die Zukunft unserer Stadt.
Bei aller Freude über diesen, angesichts der angespannten Haushaltslage sicher nicht leichten Schritt, bleibt als Wermutstropfen, dass diese Entscheidung nur durch anhaltenden öffentlichen Druck, durch Lobbyarbeit und mit Engagement aus der Bürgerschaft und den kleinen Ampelparteien zustande gekommen ist.

Immerhin haben sich alle Ampelpartner inhaltlich darauf verständigt, dass zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit der Zentralbibliothek und zur Gewährleistung ihrer sozialen und Bildungsaufgaben eine räumliche Verbesserung an einem geeigneten anderen innerstädtischen Ort elementar nötig ist.

Dennoch: nur mit Mühe ist es gelungen, die bedeutenden Stadtschätze, wie die Volksvereinsbibliothek als eine der weltweit größten sozialgeschichtlichen Sammlungen des 19. Jahrhunderts, überhaupt thematisch in den Antrag aufzunehmen. Kein Plädoyer von den großen Parteien oder der Verwaltungsspitze für eine Lösung mit Integration der Sammlungen. Kein gesamtstädtisches Zeichen für eine gewollte Ideallösung. Und die christdemokratische Fraktion scheint über prinzipiellen Oppositionsgebärden den Faden zu ihrer eigenen Geschichte verloren zu haben, geschweige denn, die soziale und kulturelle Zukunft ins Auge zu fassen.

An anderer Stelle haben private Unternehmer der Stadt viel Geld in die Hand genommen und Architekten, Stadtplaner und Fachleute bemüht, sich mit den Möglichkeiten und Chancen unserer Stadt zu beschäftigen, während große Teile der Politik gemütlich darauf warten, dass auch in den nächsten zehn Jahren nichts passiert.

Solange das Thema Neue Zentralbibliothek behandelt wird wie ein unerwünschtes Kind, über das sich die Eltern streiten, wird eine positive Entwicklung und Entfaltung schon im Ansatz unterbunden. Dies gilt insbesondere für die mögliche Beschaffung von Fördergeldern und Fremdmitteln durch Stiftungen, das Land oder Kirche für die Sammlungen. „Wer erst handelt, wenn er eine Antwort hat, wird nie eine finden.“ Das Zitat von Navid Kermani, renommierter Schriftsteller und interkultureller Grenzgänger, beschreibt treffend die Situation.

Dass sich engagierte Privatpersonen, wie z.B. Edmund Erlemannn, seit Jahren um die „Bergung der bedeutenden Schätze unserer Stadt“ bemühen, nicht aber die politische Mehrheit oder die zuständigen Dezernenten, ist nur mit anhaltender Ingnoranz, sachlicher Unkenntnis und einem Mangel an Kreativität letzterer zu erklären. Nicht wollen ist natürlich leichter und weniger riskant.

Auch wenn die Ausarbeitung des Projektes jetzt für einige Monate an die Verwaltung weitergegeben wird, sehen wir den Prozess kritisch und mit großer Skepsis. Schließlich ist genau das, was jetzt an die Verwaltung in Auftrag gegeben wird, bereits vor einem Jahr schon gemacht worden – und ohne Diskussion der Entwicklungsarbeit, wie z.B. Standortuntersuchungen, Vorschläge und Szenarien für eine neue Bibliothek, wieder in der Schublade verschwunden.

„Inhaltlich und fachlich spielt die Stadtbibliothek Mönchengladbach, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, seit Jahren in Sachen Medien, Bildung und Service deutschlandweit auf einem der vorderen Plätze in der Ersten Liga. Räumlich und perspektivisch sind die Rahmenbedingungen allerdings so, als würde Borussia immer noch im Bökelbergstadion spielen“, so Peter Brollik von der Initiative Neue Zentralbibliothek Mönchengladbach. „Hier müssen und werden wir noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten, und das wird in den kommenden Monaten ein Schwerpunkt unserer Initiativarbeit sein.”
www.eine-lobby-fuer-utopia.de

[PM]