Eurobarometer: EU-Bevölkerung vertraut klassischen Medien am meisten

EU-Parlament

Die Medien spielen eine wichtige Rolle dabei, die europäische Bevölkerung über die Arbeit der Europäischen Union und ihrer Organe zu informieren.

In einer heute veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage wurde nach Mediengewohnheiten gefragt, welche Medien Vertrauen genießen und wie die von Desinformation ausgehende Gefahr eingeschätzt wird.

Sensibilisierung und mediale Wahrnehmung

Die Hälfte der Befragten gab an, sich am meisten für nationale politischen Themen zu interessieren. Dahinter liegen fast gleichauf Lokalnachrichten (47 %) und europäische und internationale Themen (46 %).

72 % der Befragten sagten, vor kurzem entweder in der Presse, im Internet, im Fernsehen oder im Radio etwas über die Europäische Union gelesen, gesehen oder gehört zu haben. Über das Europäische Parlament haben 57 % kürzlich etwas gelesen, gesehen oder gehört.

Am wenigsten in den Nachrichten wahrgenommen wird die EU mit 57 % in Frankreich. Der Höchstwert liegt bei 90 % in Rumänien. Bei der Wahrnehmung des Europäischen Parlaments schwankt der Wert zwischen 39 % in Frankreich und 85 % in Malta.

Mediengewohnheiten

Für 75 % ist das Fernsehen die primäre Nachrichtenquelle. Das gilt vor allem für Befragte, die älter als 55 Jahre sind. Mit recht großem Abstand folgen Online-Nachrichtenportale (43 %), Radio (39 %) sowie soziale Medien und Blogs (26 %). Die Presse kommt an fünfter Stelle: 21 % nennen Zeitungen und Zeitschriften als ihre Hauptnachrichtenquelle. Jüngeren dienen vor allem soziale Medien und Blogs als Informationsquelle. Fast die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen (46 %) nutzten sie – bei den Befragten über 55 Jahren sind es 15 %.

Klassische Nachrichtenquellen – vor allem das Fernsehen – sind zwar wichtig, doch 88 % der Befragten greifen zumindest auf einige Nachrichten online über ihr Smartphone bzw. ihren Computer oder Laptop zu. 43 % der Befragten nutzen Websites von Nachrichtenquellen (z. B. von Zeitungen), um im Internet Nachrichten zu lesen. 31 % lesen Artikel oder Beiträge, die in ihren sozialen Netzwerken erscheinen. Bei den Jüngeren ist dieser Wert höher: Über soziale Netzwerke greifen 43 % der 15- bis 24-Jährigen auf Nachrichten zu, bei den Befragten über 55 Jahren sind es 24 %.

Für Nachrichten im Internet zu bezahlen, ist noch immer die Ausnahme: 70 % derjenigen, die online auf Nachrichten zugreifen, geben an, nur kostenlose Inhalte oder Dienste im Internet zu nutzen.

Vertrauenswürdigste Medien

Die Befragten vertrauen klassischen Rundfunk- und Printmedien und deren Internetauftritten mehr als Online-Nachrichtenportalen und sozialen Medien. Ob es sich um ihren „Haussender“ oder dessen Online-Präsenz handelt: 49 % der Befragten gehen davon aus, dass öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radiosender wahrheitsgetreu berichten. Auf den nachfolgenden Platz kommen die Printmedien mit 39 %. Private Fernseh- und Radiosender hingegen sind für 27 % vertrauenswürdig. Ein Land sticht dabei heraus: Nur in Polen gelten private Fernseh- und Radiosender als vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle. Noch radikaler ist die Abkehr von klassischen Nachrichtenquellen in Ungarn: Die dort Befragten geben an, am vertrauenswürdigsten seien für sie „Personen, Gruppen oder Freundinnen bzw. Freunde, denen sie in den sozialen Medien folgen“.

Vertrauen spielt auch eine Rolle, wenn es darum geht, was die Befragten dazu bringt, Meldungen im Internet zu lesen. 54 % tun das, weil sie der Titel interessiert. Für 37 % aber ist es wichtig, dass sie dem Nachrichtenportal vertrauen, auf dem die Meldung veröffentlicht wurde.

Desinformation und Falschmeldungen

Mehr als ein Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Umfrage (28 %) gibt an, in den letzten sieben Tagen sehr oft oder oft Desinformation und Falschmeldungen ausgesetzt gewesen zu sein. In Bulgarien liegt der Wert für diese beiden Angaben mit 55 % am höchsten. In den Niederlanden ist er am geringsten. Dort geben 3 % an, sie bekämen „sehr oft“ Desinformation und Falschmeldungen mit, und 9 % sagen, dies geschehe „oft“.

Die meisten Befragten trauen sich zu, Desinformation und Falschmeldungen erkennen zu können: 12 % antworten, sie seien „sehr zuversichtlich“, das zu können, und 52 % sind „ein wenig zuversichtlich“. Das Vertrauen, wahrheitsgetreue Nachrichten von Falschmeldungen unterscheiden zu können, nimmt mit zunehmendem Alter ab. Es nimmt jedoch zu, je höher das Bildungsniveau ist.

Hintergrundinformationen

Wie die Menschen die Europäische Union und das Europäische Parlament wahrnehmen, wird davon beeinflusst, was sie in verschiedenen Medien sehen, hören oder lesen. Dieses Flash-Eurobarometer bietet einen Einblick in die Mediennutzung und die Mediengewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger und deckt sowohl klassische als auch Online-Medien ab. Ipsos European Public Affairs befragte dafür eine repräsentative Stichprobe von Unionsbürgerinnen und -bürgern ab 15 Jahren in jedem der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Vom 26. April bis zum 11. Mai 2022 wurden 52 347 Interviews mithilfe computergestützter Internetbefragungen (CAWI) über Ipsos Online-Panels und ihr Partnernetz geführt.

Die Ergebnisse auf EU-Ebene sind nach der Bevölkerungsgröße der einzelnen Staaten gewichtet.