Geht das noch oder muss das weg? –
1 Jahr Repair-Treff in Rheindahlen

Foto: Andreas Neugebauer

Diese Frage stellt man sich häufig, wenn ein Gerät im Alltag nicht mehr funktioniert.

Die zweite, darauf folgende Frage lautet ebenso oft: lohnt die Reparatur oder kauft man besser neu?
Auf diese Fragen gibt es seit einiger Zeit eine neue unkomplizierte Antwort, und zwar im Repair-Treff in Rheindahlen. Hier treffen sich seit März 2022 fünf Ehrenamtliche an jedem ersten Dienstag im Monat. An der Beecker Straße 51, in den Räumen des Reha-Vereins, bieten sie ihre geballte Kompetenz und Geschicklichkeit an. Sie bringen berufliche und private Erfahrung mit den verschiedensten Gewerken mit, haben ganz viel Spaß am Tüfteln und Reparieren und eine große Affinität zum Ehrenamt.

Von Reparaturen an Wasserkochern und Kaffeemaschinen bis zu tragbaren Nähmaschinen, Elektro-Kleinteilen und Unterhaltungs-Elektronik bis hin zu Holz- oder Näharbeiten ist vieles möglich und wird auch nachgefragt. Mechanik und Elektronik bilden aber deutliche Schwerpunkte.
Der Ehrgeiz der Ehrenamtlichen geht dahin „dass die Sachen wieder laufen“, und solange wird getüftelt und auch gegenseitig Rat geholt und gegeben. Wenn sich aber z.B. nach Messung herausstellt, dass die Heizspirale an Kaffeemaschine oder Wasserkocher tatsächlich hin ist, spart man sich womöglich eine teure Reparatur und investiert in ein neues Gerät.

Wie alles begann:
Die Idee zum Repair-Treff hatte Andreas Neugebauer schon vor zwei Jahren. Den Herausgeber des SL-Boten, Manfred Dreßen, konnte er schnell für seine Idee begeistern, so dass ein Aufruf in der Monatszeitschrift für Rheindahlen und die umliegenden Honschaften gestartet wurde, auf den sich mehrere Interessierte meldeten. Die passenden Räumlichkeiten wurden beim Reha-Verein an der Beecker Str. 51 gefunden. Dem aktiven Start machte allerdings die Corona-Pandemie lange einen Strich durch die Rechnung, so dass es erst im März 2022 richtig losgehen konnte. Seitdem kommen regelmäßig bis zu zehn Personen, um eine Einschätzung zu bekommen, ob sie ihre „Schätzchen“ reparieren lassen oder sie sich davon trennen. Meist geht es dabei um eine erste Prüfung und Einschätzung. Die zu reparierenden Teile werden von den Ehrenamtlichen nach Möglichkeit vor Ort begutachtet und im besten Fall wieder instandgesetzt. Manchmal ist die Reparatur im Repair-Treff zu aufwendig. Dann werden die Geräte mit nach Hause genommen. „Beim letzten Mal kam jemand mit einem Mähroboter, der den Geist aufgegeben hatte. Der Grund: er war total verschmutzt und daher „festgefressen“. Nach Einsatz eines Hochdruckreinigers – natürlich in meiner Werkstatt – geht (mäht) er jetzt wieder“, berichtet einer der Ehrenamtlichen schmunzelnd. Er ist gelernter Maschinenschlosser, hat u.a. lange Zeit orthopädische Hilfsmittel entwickelt und repariert mit Vorliebe Nähmaschinen. Das Ehrenamt – nicht nur im Repair-Treff – ist für ihn ein wichtiger Teil seines Lebens als Rentner.

„Unser Gedanke ist nicht, dass wir einfach nur kaputte Geräte für andere reparieren“, so Andreas Neugebauer. „Vielmehr geht es uns darum, den Leuten nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu erklären, wie sie die Geräte richtig bedienen und wie sie sie künftig selbst reparieren können. Oft sind die BesucherInnen des Repair-Treffs unsicher bezüglich einer Reparatur oder Neuanschaffung. Indem sie zusammen mit jemand Erfahrenem drauf gucken, trauen sie sich künftig vielleicht auch die Reparatur zu. Seit Beginn des Repair-Treffs haben wir so schon über 70 Mal weiterhelfen können“.

Ein anderer Ehrenamtlicher berichtet über seinen spektakulärsten Auftrag, einen Jesus am Kreuz, der nur noch an einem Arm hing. „Da war viel Feingefühl und handwerkliches Geschick gefragt“, erzählt Jürgen Krücken. Er sei zwar eher der „mechanische Typ“, aber für diese Arbeit brauchte er doch viel Feinhandgeschick. Die Bearbeitung von Holz und Drechselarbeiten sind auch privat sein Steckenpferd.

Andreas Neugebauer und Holger Thimm, beide von Beruf Heilerziehungspfleger, sind Elektro- und Elektronik-Tüftler. Ihre Kenntnisse haben sie sich überwiegend im privaten Bereich angeeignet, wagen sich mittlerweile an komplexere Gerätschaften und tüfteln solange, bis sie eine Lösung gefunden haben.

Ingeborg Mühlenbroich, die einzige Frau unter den Ehrenamtlichen, steht noch im Berufsleben als Grundschullehrerin, aber schon mit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn engagierte sie sich ehrenamtlich. Beim Repair-Treff sind Näharbeiten wie z.B. das Einsetzen von Reißverschlüssen und Änderungen wie z.B. das Kürzen von Gardinen (geht natürlich auch mit Kleidungsstücken) ihr Steckenpferd.

Und wie läuft es praktisch?
Wer ratsuchend bezüglich einer Reparatur ist, kommt am 1. Dienstag im Monat zwischen 18:00 und 20:00 Uhr zum Reha-Verein an der Beecker Str. 51 und bringt das defekte Teil mit. Eine erste Einschätzung ist oft schon vor Ort möglich, ansonsten hinterlässt man seine Adressdaten und bekommt später eine Information über den Sachstand.
Prüfung, Einschätzung und Reparatur sind kostenlos, Ersatzteile müssen allerdings vom Auftraggeber selbst bezahlt werden (das wird telefonisch vorab besprochen). Spenden werden gerne genommen – sie gehen an den gemeinnützigen Reha-Verein, um damit die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen zu unterstützen und an andere gemeinnützige Einrichtungen in Rheindahlen.

Die Termine für den Repair-Treff finden Sie unter www.rehaverein-mg.de/veranstaltungen
Wer mehr über die Arbeit des Reha-Vereins erfahren möchte, findet hier alle Infos:
www.rehaverein-mg.de