Hochschule Niederrhein unterstützt Flüchtlinge mit akademischen Abschlüssen

Los ging es im März dieses Jahres. „Von den Bewerberinnen und Bewerbern stammen rund 50 Prozent aus Syrien“, sagt Flavia Nebauer, die das Projekt leitet. Ihr Eindruck bisher: „Diejenigen, die sich bei uns melden, haben studiert und sind hochmotiviert, die Sprache zu lernen und hier Fuß zu fassen. Sie wollen bei uns in ihrem erlernten Beruf arbeiten – und wir bemühen uns, die Hürden dafür aus dem Weg zu räumen.“

Das Projekt sieht vor, für jeden Teilnehmenden einen individuellen Qualifizierungsplan zu erstellen, der bis zu einem deutschen Hochschulabschluss führen kann. Ziel ist es, die Lücken im fachlichen, methodischen und vor allem auch sprachlichen Bereich zu schließen und die Chancen auf eine qualifikationsadäquate Beschäftigung zu erhöhen. Wichtiger Bestandteil des Projekts ist eine kontinuierliche Betreuung und Begleitung durch das Projektteam. Zum Wintersemester 2015/2016 sollen die ersten Teilnehmenden aufgenommen werden. Insgesamt sollen rund 100 Personen das Programm durchlaufen.

Sind das angesichts der hohen Flüchtlingszahlen nicht viel zu wenige? „Ja, natürlich gibt es viel mehr Menschen, die auf eine solche Chance warten“, sagt Nebauer. „Wir betreten mit diesem Projekt Neuland. Wir müssen daher zunächst die Voraussetzungen schaffen, die eine intensive Unterstützung dieses Personenkreises möglich macht. Als unsere Aufgabe sehen wir auch, unsere Erfahrungen an andere Hochschulen weiterzugeben, so dass hoffentlich immer mehr Menschen mit solchen speziellen Programmen erreicht werden können.“

Die Hochschule Niederrhein arbeitet daran mit, Flüchtlingen mit akademischen Abschlüssen Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Sie ist an dem Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ beteiligt, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Dieses zielt auf die Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab.

Derzeit beantragen mehr Menschen Asyl in Deutschland als jemals zuvor, laut Bundesregierung könnten es bis Ende des Jahres 800.000 sein. Unter ihnen sind zahlreiche Menschen aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Irak und Afghanistan. Viele von ihnen verfügen über qualifizierte Bildungsabschlüsse.
In der aktuellen Förderperiode des Projekts (2015 bis 2018) liegt ein Handlungsschwerpunkt auf Qualifizierungsmaßnahmen, die dazu beitragen, dass im Ausland erworbene Berufsabschlüsse häufiger in eine adäquate Beschäftigung münden. Das Projekt an der Hochschule Niederrhein, durchgeführt vom Institut SO.CON am Fachbereich Sozialwesen, heißt „OnTOP/HN – Studienprogramme für zugewanderte Akademikerinnen und Akademiker in NRW“. Das Fördervolumen für die nächsten vier Jahre beträgt über 900.000 Euro.

Projektleitung OnTOP/HN: Flavia Nebauer, Institut SO.CON, Tel.: 02161 186-5708, E-Mail: flavia.nebauer@hs-niederrhein.de