Informationsveranstaltung zum Gestaltungs- und Modernisierungskonzept für Rheydt am 4. Juli

126603PDie für die Rheydter Innenstadt städtebaulich typische Architektur der 1950er Jahre, soll zukünftig wieder stärker hervorgehoben werden.
Dazu soll ein sogenanntes Gestaltungs- und Modernisierungskonzept beitragen, das die Stadt im Rahmen des Innenstadtkonzeptes Rheydt in Auftrag gegeben hat. Wesentliche Grundlage für das Konzept, das von einem externen Fachbüro erstellt wird, ist eine Bestandsanalyse zum Status Quo. Neben einer stadtbaugeschichtlichen Recherche, die die Entwicklung der Rheydter Innenstadt historisch vom 18. Jahrhundert, als die Hauptstraße noch ein Straßendorf war, bis zum Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Wiederaufbaus beleuchtet, geht die Bestandsanalyse der Frage nach, was von den ursprünglichen Strukturen der Stadtstruktur aus der Zeit des Wiederaufbaus erhalten geblieben ist und wie die städtebaulichen Qualitäten stärker hervorgehoben werden können. 

 

126600PMit einer späteren, auf die Analyse aufbauenden Gestaltungssatzung soll eine Einheitlichkeit geschaffen werden, um somit die für Rheydt so typische Architektur der 50er Jahre hervorzuheben.
Heute noch sichtbares markantes Merkmal der Architektur in der Hauptstraße ist vor allem die „Kammbebauung“, die auf den  früheren Stadtplaner und Architekten Alfons Leitl (1909 – 1975) mit dem von ihm entwickelten und nach ihm benannten „Leitl-Plan“ zurück geht. Der Plan hatte für den Neubau der Stadt Rheydt nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre seine Gültigkeit und legte wichtige Merkmale für das städtebauliche Bild der Rheydter Innenstadt. Erst vor drei Jahren wurde der Plan für die Rheydter Innenstadt aufwändig restauriert und in Rheydt ausgestellt.

Die gestern in der Sitzung der Bezirksvertretung Süd vorgestellte Bestandsanalyse bestätigt die Aussagen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), dass Teile der Wiederaufbauplanung und vor allem die Strukturen an der hauptstraße die Merkmale eines Denkmalbereiches erfüllen.
Die Bestandsanalyse wird der Öffentlichkeit im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 4. Juli (19 Uhr, Ratssaal Rathaus Rheydt) ausführlich vorgestellt. In einem nächsten Schritt wird nach der Bestandsanalyse ein stadtgestalterisches Konzept mit Leitlinien für Gestaltung und Werbeanlagen sowie ein Modernisierungshandbuch erarbeitet. Ziel ist es, diese Leitlinien über Gestaltungs- und Werbeanlagensatzungen in verbindliches Satzungsrecht umzusetzen.

Zum Hintergrund: Der Leitl-Plan ist die Grundlage für den Neuaufbau der Stadt Rheydt nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg. Bis in die 1960er Jahre hinein hatte er seine Gültigkeit und legte wichtige Merkmale für das städtebauliche Bild der Rheydter Innenstadt. Alfons Leitl und sein Team nutzten 1947 die Chance, die zu über 90 Prozent zerstörte Innenstadt neu zu überplanen. Dabei wurde der Verkehr auf zwei Achsen gebündelt. Es entstand die Nord-Süd-Achse durch die Erweiterung der Limitenstraße, die erstmals direkt mit der Gartenstraße verbunden wurde. Ebenso wurde die für den Ausbau vorgesehene Stresemannstraße mit der Gracht als Ost-West-Achse verbunden. Schwerpunkte des ersten Bauleitplans nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Entlastung des Marienplatzes vom Durchgangsverkehr, die Verlagerung des Nord-Süd-Verkehrs auf die neue Achse Limiten-/ Gartenstraße, der Aufbau der Hauptstraße als neue Hauptgeschäftsstraße mit der Errichtung der bis heute typischen Kammbebauung und die Vergrößerung des Marktplatzes durch die Rücknahme der Bauflucht an der Westseite.

Der Aufbau sollte entlang der teilweise neu vorgegebenen Fluchtlinien in praktischer und klarer Form erfolgen. Die Innenhöfe der Bebauungsblöcke wurden entkernt, um auf diesem Weg mehr Grün anlegen zu können. Daneben sollten Grüngürtel angelegt sowie die Wohnbebauung und Industrie möglichst entflochten werden. In den Außenbezirken waren Wohnzellen vorgesehen, die Versorgungseinrichtungen für den alltäglichen Bedarf aufzuweisen hatten. Die Innenstadt war als Geschäfts- und Verwaltungszentrum geplant. Das von Leitl 1948 in einer Ausstellung in der Stadthalle vorgestellte Konzept wurde mit nur minimalen Änderungen von Bürgern und Politik angenommen.
(pmg)