Jugendliche sollen nicht in die Salafisten-Szene abrutschen-
Innenminister Jäger und OB Reiners eröffnen Beratungsstelle „Wegweiser“

Nicht aussteigen, sondern gar nicht erst in die Salafisten-Szene reinrutschen: Das ist das Ziel des NRW-Präventionsprogramms „Wegweiser“.
In Mönchengladbach wurde jetzt die zehnte Beratungsstelle in NRW durch Innenminister Ralf Jäger und Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners eröffnet. Träger ist die gemeinnützige Gesellschaft PariTeam.
„Der gewaltbereite Salafismus ist eine Bedrohung für unsere Gesellschaft. Es geht nicht um drei Millionen friedliche Muslime in Deutschland. Im Zentrum steht vielmehr eine kleine Gruppe von 9.000 Extremisten“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger. „Gerade Kinder und Jugendliche werden zum Ziel pseudoreligiöser Missionare. Dagegen wappnen wir uns. “ Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners betonte: „Ich begrüße es sehr, dass es „Wegweiser“ nun auch in Mönchengladbach gibt. Ziel ist es, frühzeitig auf Jugendliche zugehen, um einer drohenden Radikalisierung vorzubeugen. Religiöse Überzeugungen werden dabei respektiert. Wir wollen, jungen Menschen Perspektiven bieten, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Das ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft.“

„Wegweiser“ wird es ab Anfang 2017 an dreizehn Standorten in NRW geben. Das Programm verfolgt einen umfassenden Ansatz und nimmt die gesamte individuelle Lebenssituation der Betroffenen in den Blick – von der Schule über das soziale Umfeld bis in die jeweilige Familie. Das Angebot wird von besorgten Angehörigen, Freunden und Lehrern angenommen. „Sie dürfen wir mit ihren Fragen und Ängsten nicht allein lassen“, erklärte Jäger. Pro Woche gibt es rund 50 Anfragen an die Sozialarbeiter der jeweiligen Träger. Die Wegweiser-Teams bieten auch Vorträge, beispielsweise an Schulen an. Das Netz der Anlaufstellen werde in NRW künftig – mit bis zu 25 Standorten und mobilen Teams – noch engmaschiger.

„Es gibt in der Präventionsarbeit keine Erfolgsgarantie“, betonte der Minister. „Wir können vielen jungen Menschen mit „Wegweiser“ die Augen öffnen. Und sie davor bewahren, sich in der extremistisch-salafistischen Szene in große Gefahr zu begeben“, verdeutlichte Jäger. Es gebe aber auch Fälle, in denen die Betroffenen nicht mehr erreicht werden können. Träger der Beratungsstelle (wegweiser@pariteam-mg.de) ist der Paritätische, der jahrzehntelange Erfahrung mit der Jugendarbeit aufweist und eine Fachkraft mit abgeschlossenem Studium der Islamwissenschaft eingestellt hat. „Es geht um Jugendliche, die nicht in die Hände gewaltbereiter Salafisten geraten dürfen. Wir leisten wichtige Präventionsarbeit im geschützten Raum“, so Marko Jansen von PariTeam.

Mit im Boot ist auch der Verfassungsschutz. „Der Schlüssel des Projekts ist der Vertrauensraum. Die Gespräche in den Beratungsstellen sind absolut vertraulich“, teilt Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes NRW mit. Zu einem großen Teil seien es junge Männer auf der Suche nach ihrer Identität und mit Versagenserlebnissen, die abzurutschen drohen. „Die Radikalisierungsplattform schlechthin ist das Internet, das wie ein Turboverstärker wirkt. Darauf ist unser Fokus gerichtet“, so Innenminister Jäger weiter. „Oftmals sind eine veränderte Kleidung und Verhaltensweisen gegenüber Freunden und Eltern und eine sich verändernde Sprache deutliche Zeichen, die aufhorchen müssen“, ergänzt Burkhard Freier. „Wir haben zwar in Sachen Salafismus eine Vorgeschichte, sind aber kein Hotspot für gewaltbereiten Islamismus. Dennoch sind wir gut ausgelastet und kümmern uns um die Probelematik“, so Polizeipräsident Mathies Wiesselmann.
(pmg)