Künstler*innen entwickeln ihre Werke mit den Menschen vor Ort

Die beteiligten Künstler*in

Der Lyriker Thomas Koch zum Beispiel lernte eine junge Syrerin aus dem Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) kennen und sprach längere Zeit mit ihr. Sie habe trotz der äußerst widrigen Umstände ihren Weg gemacht in Deutschland, sei voller Tatendrang und nutze ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten. Koch machte daraus eine Geschichte – die all das widerspiegelt.

Kochs Beitrag ist Teil eines multimedialen Kunstprojekts im öffentlichen Raum und hier konkret im Quartier Abteiberg. Zwar wird „Facing Abteiberg“, so der Titel der Aktion vom 18. September bis Ende 2021, vom städtischen Kulturbüro wesentlich gefördert, doch bislang fehlt Geld für einen kleinen Prospekt. Monika Weber, die „Facing“ koordiniert: „Hier würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung, beispielsweise von Sponsoren, sehr freuen.“

 Zwischen Friedrichplatz und Abtei-, Flieth- und Hindenburgstraße nähern sich vier Künstler*innen den Menschen, die im Quartier Abteiberg leben, mit ihren jeweils eigenen künstlerischen Ausdrucksmitteln: Das sind die Fotografie, der Sound, die Sprache und die Lyrik.

Der Fotograf Joshua Eckstein, um ein weiteres Beispiel zu nennen, schaut an der Lüpertzender Straße einem Friseur in dessen Salon mit der Kamera zu. Möglich, dass seine „schnittigen Verwandlungen“ von Menschen wie Du und Ich gleich nebenan in einem wegen der Corona-Pandemie leerstehenden Geschäftslokal großformatig zu sehen sind. „Facing“ eben.

Monika Weber sagt dazu: „Mit ihren Arbeiten werfen die Künstler*innen einen multiperspektivischen Blick auf diesen städtischen Raum. So entstünden Kunstwerke, die an unterschiedlichen Orten im Quartier Abteiberg erlebbar sein werden. Das schaffe Gelegenheiten, die Menschen im Quartier neu und anders wahrzunehmen und sich ihrer Bedeutung für das Quartier bewusst zu werden. Zu erfahren, wie ihr Leben und Handeln mit dem Quartier eine Wechselwirkung eingeht.

 Gerade im Quartier rund um den Abteiberg leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch viele so genannte „Einheimische“. Das schafft Probleme, aber auch Chancen für ein Miteinander der „vielen Gesichter“.

Wo was zu sehen bzw. zu hören ist, steht noch nicht genau fest. Die ausgesuchte Straßenecke kann ebenso Schau- bzw. Hörplatz sein wie der öffentliche Platz. Mitwirkende Künstler*innen sind neben Koch und Eckstein Kai Wolf Hoyme (Konzertperformance) sowie die Fotografin Cora Straßburg. 

 „Facing Abteiberg“ startet im Rahmen des Kunst-Wochenendes „parc/ours“ am 18./19. September. Hinter der Kunstaktion steht das Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ), dessen langjähriger Leiter Karl Sasserath hatte die Idee dazu. Das Arbeitslosenzentrum selbst ist Teil des Quartiers Abteiberg und hat bereits zwei Ausstellungen realisiert. 2019 zum Abteiberg und 2020 zum Thema Textilstadt.

Und das sagen beteiligte Künstler*innen zu ihren Beiträgen: Cora Straßburg betont: „Die Menschen am Abteiberg in ihren privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz kennenzulernen und sichtbar zu machen, bietet Einblicke, die sonst verborgen bleiben.“ Durch die Präsentation im Quartier werde der öffentliche Raum zur Bühne. Der Betrachter werde so nicht nur zum Publikum, durch seine Präsenz sei er zugleich Teil der Arbeit – von und mit Straßburg. 

Thomas Koch schreibt über seine Arbeit: Eine lyrische Auseinandersetzung mit einem Menschen aus dem Quartier und seiner Biografie.

Kai Wolf Hoyme nähert sich den Menschen des Abteibergs mit den künstlerischen Mitteln des Tons. „Stimmen, Sprachen und gesammelte Objekte werden in einer Konzert-Performance eine spannende Verbindung eingehen“, sagt er. Hoyme umkreist mit seiner Arbeit die Beziehungen von Biografie, Sprache, Klang und den Fundstücken, die sich vor Ort finden lassen.

Joshua Eckstein (Fotograf) meint: „Facing Abteiberg untersucht mittels verschiedener künstlerischer Herangehensweisen die Menschen und ihre Vielfalt im Quartier. Das Porträtieren eines schon lange im Quartier ansässigen Gewerbetreibenden in seinem Geschäft interessiert mich als Schnittstelle zwischen Dienstleistung, Handwerk und Begegnungsraum der Menschen vor Ort.“