NEW und Niersverband gehen „onshore“
Drei Jahre lang werden Kleinwindanlagen getestet

KleinwindenergieanlagenDer Niersverband und die NEW AG haben einen Kooperationsvertrag zur Untersuchung der Nutzung von Kleinwindenergieanlagen für die Trink- und Abwasseraufbereitung unter technischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten geschlossen.

Niersverbandsvorstand Professor Dietmar Schitthelm und NEW-Vorstand Dr. Rainer Hellekes stellten heute die Kooperation der Öffentlichkeit vor.
„Der Stromverbrauch unserer Kläranlagen macht rund 10 Prozent des Gesamthaushalts des Niersverbandes aus. Im letzten Jahr hatten wir einen Verbrauch von 45.000 Megawattstunden. Das entspricht immerhin dem Verbrauch von ca. 11.000 Haushalten,“ erklärt Prof. Schitthelm. „Unser Ziel ist, durch die Erzeugung eigener erneuerbarer Energie die Strombe¬zugskosten so weit wie möglich zu senken,“ so Schitthelm weiter.

 
„Die Energiewende beginnt für uns vor Ort“, so Dr. Rainer Hellekes, Vorstand der NEW AG. Die langjährige Kooperation des Niersverbandes mit der NEW im wasserwirtschaftlichen Bereich erhält mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zur Errichtung von Kleinwindenergieanlagen eine neue Dimension.
Während der deutsche Markt für „große Windräder“ an Land im ersten Halbjahr 2014 einen starken Ausbau verzeichnete (Quelle: Bundesverband WindEnergie), ist die Technologie der Kleinwindanlagen noch nicht weit verbreitet.

Dies soll sich ändern: Der regionale Energieversorger NEW und der Niersverband starten ein deutschlandweit einzigartiges Klimaschutzprojekt mit Pilotcharakter.
Unter wissenschaftlicher Beteiligung von Professor Dr. Ulrich Nissen, NEW-Stiftungsprofessor an der Hochschule Niederrhein, bauen die Projektpartner an zwei Standorten je vier Kleinwindanlagen auf. „Wir haben hier die Möglichkeit, verschiedene Anlagentypen unmittelbar miteinander zu vergleichen, um daraus auch Rückschlüsse zu ziehen, welche Aspekte für einen wirtschaftlichen Betrieb wesentlich sind. Der Trend geht zur Erzeugung aus Erneuerbaren Energien und zum direkten Verbrauch dieser Energie vor Ort – das kann dann auch in Zukunft durch Kleinwindanlagen erfolgen“, so Prof. Dr. Ulrich Nissen.

Für die gemeinsamen Voruntersuchungen wurden für die NEW an der Wasserpumpstation Restrauch/Wiedbusch und für den Niersverband an der Kläranlage Mönchengladbach-Neuwerk in den letzten Monaten Windmessungen durchgeführt.
Sollten sich diese Betriebsstandorte nach Auswertung der Ergebnisse als geeignet erweisen, so ist geplant, jeweils mehrere Kleinwindenergieanlagen an den beiden Standorten zu errichten und den dort erzeugten Strom in der Anlagentechnik zu verbrauchen.
Hierbei handelt es sich um insgesamt sechs Kleinwindanlagen mit vertikaler Rotorachse sowie zwei horizontale Anlagen verschiedener Hersteller. Die Nennleistung beträgt zwischen 10 und 30 Kilowatt.

Die Vorteile von Kleinwindanlagen liegen auf der Hand: einfache Wartung, geringe Geräuschbelastung und verminderter Schattenschlag bei gleichzeitig hohem Wirkungsgrad.
Die Nabenhöhe der Kleinwindanlagen liegt je nach Modell zwischen 16 und maximal 30 Metern.
Der erzeugte Strom wird vor Ort verbraucht. Die NEW beispielsweise setzt den Strom direkt wieder für die Wassergewinnung, der Niersverband für die Abwasserreinigung ein.

Das Genehmigungsverfahren für die Anlagen erfolgt durch die jeweilige Kommune und orientiert sich am Baurecht.
Das Investitionsvolumen für die acht Kleinwindenergieanlagen beläuft sich auf insgesamt 800.000 Euro, wovon beide Projektpartner jeweils die Hälfte tragen.
Es werden keine öffentlichen Fördergelder (EEG-Förderung oder KfW-Kredite) in Anspruch genommen. Mit dem Bau der Anlagen soll voraussichtlich Mitte nächsten Jahres begonnen werden.

Die Erkenntnisse aus dem Betrieb dieser Pilotanlagen sollen in die Errichtung von weiteren Kleinwindenergieanlagen an anderen Standorten der beiden Unternehmen fließen.