Verschaukelt die SPD ihre Wähler im Nachhinein?
Im Wahlkampf „Ja“ zum freien W-LAN, folgt jetzt das „Nein“?
Das befürchtet die eigene Jugendorganisation

Freifunk-W-Lan kommt leider nicht zum Einsatz

Meshing1Ein Antrag auf Einrichtung eines Freifunknetzes wird gemeinsam von der Piraten-PARTEI-Gruppe, den Grünen und der Linken auf der nächsten Sitzung des Stadtrates gestellt. Auch die SPD hatte sich in ihrem Wahlprogramm für die diesjährige Kommunalwahl eindeutig für die Einrichtung eines freien WLAN-Netzwerkes ausgesprochen.
Die Jusos in Mönchengladbach fürchten nun, dass die SPD-Ratsfraktion den Antrag nicht unterstützen will.
Für den Vorsitzenden der Jusos, Johannes Jungilligens, ist dies unverständlich: „Auf Antrag von uns Jusos hat sich die SPD Mönchengladbach für die Unterstützung dieses Vorhabens ausgesprochen. Jetzt dagegen zu stimmen, nur weil der Antrag von den vermeintlich ‚falschen‘ Fraktionen kommt, spricht nicht gerade für einen ehrlichen Umgang mit den eigenen Zielen.“
Torben Schultz, Fraktionsvorsitzender der Linken, sieht gute Chancen für diesen Antrag auch die Unterstützung der großen Koalition zu bekommen: „Wir haben die Details gut vorbereitet, so dass die Verwaltung daraus mit wenig Arbeit ein Konzept erstellen kann. Wenig Einsatz – Große Wirkung, dass sollte den BürgerInnen so wie der Politik gefallen.“
Reiner Gutowski von der PiPa-Gruppe ergänzt: „Die SPD hat den Ansatz des Freifunks sogar in ihrem Wahlprogramm, deren Stimmen müssten uns sicher sein. Und die CDU kann sich doch nicht verweigern, wenn der Lokale Einzelhandel attraktiver gemacht wird.“

Ein flächendeckendes WLAN-Netz ist als Plus in der Aufenthaltsqualität zu betrachten. Ein solches Netz erhöht nicht nur die Lebensqualität und die Attraktivität für die eigenen EinwohnerInnen, sondern auch für Gäste von außerhalb. Deswegen ist so ein Netz als Stadt-Marketing anzusehen. Derzeit gilt die Einrichtung eines öffentlichen WLAN-Netzes noch als besondere Innovation.

Für die technische Umsetzung soll das Prinzip der Initiative „Freifunk“ angewendet werden und so die Störerhaftung ausgeschlossen werden. Eine Zusammenarbeit mit dem Berliner Verein „Förderverein Freie Netzwerke e.V.“ und der örtlichen Freifunkzelle Niersufer des Freifunk Rheinland e.V. soll geprüft werden.

Ausgangspunkte für das WLAN-Netz sollen die Zentren Gladbach und Rheydt sein, nach der Probezeit sollen zügig die Unterzentren (Giesenkirchen, Odenkirchen, Wanlo, Rheindahlen, Neuwerk, etc) folgen. Einwohner und Händler können sich mit einem geringen Kostenaufwand von etwa 30,- Euro und den laufenden Stromkosten beteiligen und so zum schnellen Lückenschluss beitragen. Mindestens an den Standorten Rathaus Abtei, Stadtverwaltung Aachenerstraße und Rathaus Rheydt soll ein Freifunk-Router mit Internetanschluss zugänglich sein. Die Unternehmen mit städtischer Beteiligung werden aufgefordert weitere Freifunk-Router mit Internetanschluss zur Verfügung zu stellen.

Die finanziellen Belastungen des Vorhabens auf den städtischen Haushalt werden mit ca. 10.000 EUR an Investitionskosten in den ersten zwei Jahren kalkuliert. Der personelle Aufwand entspricht vermutlich einer halben Stelle im Bereich der IT-Abteilung während der Startphase.
Auch das Thema Sicherheit ist offenbar keines. Auf Nachfrage erklären Torben Schultz und Reiner Gutowski (PiPa Ratsgruppe):
– Für den „User“, also den, der sich ins freie WLAN einloggt:
Grundsätzlich müssen die Datenpakete die durchs Internet geschickt werden als „Postkarten“ angesehen werden. Es gibt zich Stellen, an denen sie Mitgelesen werden können. Wer das nicht will muss eine Verschlüsselung zwischen „Sender“ und „Empfänger“ nutzen. Für Webseiten wäre das zum Beispiel das HTTPS Protokoll (noch normal ist nur HTTP). Dies muss der Betreiber der Webseite anbieten, dann ist das kein Problem. Bei Emails gibt es die Verschlüsselung der Email (z.B. PGP etc). Diese erfordert ein ganz wenig Aufwand und muss zwischen jedem einzelnen Sender und Empfänger angewendet werden. Für Verbindungen wie FTP oder die Verbindungen zu ihrem Emailprovider (SMTP / POP3 /IMAP) gibt es auch entsprechend verschlüsselte Protokolle. Werden diese vom Anbieter angeboten ist deren Nutzung kein Problem, jedoch garantieren sichere SMTP / POP3 /IMAP Verbindungen nicht zwangsläufig, dass die Email an sich nicht gelesen werden kann. Dafür MUSS die zuvor genannte Email verschlüsselung angewandt werden.
FAZIT zu diesem Punkt: Das freie WLAN ist genauso unsicher wie das ganze Internet.

– noch mal für den „User“, also den, der sich ins freie WLAN einloggt:
Freifunk setzt ab dem Punkt des WLAN, wo sich der User Einloggt bis zu dem Punkt, wo die Daten dem „normalen“ Internet übergeben werden eigene Tunnel und Verschlüsselungen ein. Also ist die Gefahr von staatlicher Seite oder von einem Provider oder gar von dem Betreiber des jeweiligen Freifunkrouter abgehört zu werden deutlich geringer als bei einem herkömmlichen Zugang. Diese Gefahr besteht eben erst ab dem Punkt wo die Daten ins „normale“ Internet gehen und an dieser Stelle ist eine Zuordnung der Daten zum User deutlich erschwert.
FAZIT: An diesem Punkt ist Freifunk sicherer, aber 100% Sicher gibt es nicht.

– Für den Betreiber eines Freifunk-Router:
Das Netz des Freifunk-Router wird trotz gemeinsamer Leitung ins Internet getrennt. Somit ist es nach derzeitigem Stand ausgeschlossen, dass das heimische WLAN oder heimische LAN durch Freifunk angegriffen wird. Da ist es wahrscheinlicher, dass direkt das eigene WLAN gehackt wird. Aber auch hier gilt: 100% Sicherheit gibt es nicht.
FAZIT: Jeder Internetanschluss kann entweder aus dem Internet oder über das heimische WLAN angegriffen werden. Der zusätzliche Freifunkrouter erhöht diese Gefahr nicht, ist aber rein theoretisch ein dritter Angriffspunkt. Aber dieser dritte Punkt ist besser gesichert, als die üblichen heimischen Anschlüsse.
Diese drei Punkte sollten den Sicherheitsaspekt von den wichtigsten Stellen her erläutern.