Von Schloss zu Schloss: Mönchengladbacher Parks entlang der Niers

Von den fast zwei Dutzend Mönchengladbacher Parks interessieren uns heute vier. Wir, das sind Kollegin Silvana Brangenberg, die Fotoredakteurin dieser Story ist, und ich. Die vier Parks liegen alle an der Niers, haben alle zusätzliche Wasserelemente und hatten alle einmal Wassermühlen. Praktisch: Alle vier Parks kann man prima nacheinander auf einer beinahe geraden, neun Kilometer kurzen Nord-Süd-Route besuchen.

Wir starten mit dem Schlosspark Rheydt, schauen uns dann den Bresgespark in Giesenkirchen sowie den Beller Park in Odenkirchen an, bevor wir unsere Tour im Wickrather Schlosspark beenden. Der Schlosspark liegt übrigens nur sechs Kilometer von Mönchengladbachs südlichstem Stadtteil Wanlo entfernt, dort, wo die Niers auf einem Golfplatz entspringt. Ihr seht, unsere Route führt uns gegen den Strom – auch das muss manchmal einfach sein. 😊

Schlosspark Rheydt

Der Schlosspark Rheydt ist eigentlich gar kein Park. Ein Spaziergang dort sorgt aber für so viel zusätzliche Lebensqualität, dass wir ihn trotzdem zu unserer Parkfamilie zählen. Die Außenanlagen wurden im 18. und 19. Jahrhundert zum Landschaftsgarten umgestaltet und dann von 1994 bis 1997 überarbeitet. Unmittelbar an die Anlagen schließt sich der Bungtwald an. Eine wunderschöne Lindenallee dient als Verbindung zwischen Schloss und Volksgarten.Weiden säumen die Wassergrabenbrücke, über die man ins Schloss gelangt. Die Eichenallee um den Wassergraben sorgt für Ruhe und Harmonie. Ein Eisvogelpaar zieht in einem gut versteckten Nest am Graben seine Jungen auf – ein Zeichen intakter Natur.

Das Wasserschloss Rheydt ist die einzige komplett erhaltene Renaissance-Anlage am Niederrhein. Seine Ursprünge datieren bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die heutige Anlage wurde im 16. Jahrhundert unter Otto von Bylandt nach Plänen von Maximilian Pasqualini erbaut: Das Wassergrabensystem mit Wall, die unterirdischen Kasematten auf fünfeckigem Grundriss sowie die vorgelagerte Torburg und Vorburg sind erhalten geblieben. Herrenhaus und Vorburg dienen als Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Die angrenzende Schlossmühle Rheydt war eine Wassermühle, an die sich 1865 eine Weberei anschloss. Die Gebäude wurden 1998 von der Stadt Mönchengladbach gekauft und zu Wohnungen und Ateliers umgebaut. Das Ensemble steht seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz.

Über die Ritterstraße, Heppendorfstraße und Geneickener Straße fahren wir nach Giesenkirchen zum Bresgespark.

Bresgespark

Der 49.556 Quadratmeter große Bresgespark, der auch Zoppenbroicher Park genannt wird, weil er an der gleichnamigen Straße einen Eingang besitzt, ist in den Augen vieler Mönchengladbacher einer der schönsten Verweilplätze an der Niers. Das Gelände mitsamt Wassermühle gehörte einst der Textilunternehmerfamilie Bresges; seit 1972 ist es ein öffentlicher Park. Neben verschiedenen Wasservogelarten und Fischen tuckern oft Modellboote auf den Teichen, die von Pappeln und Weiden gesäumt sind. Die Teiche sind über eine Brücke und eine Landzunge miteinander verbunden.

m vergangenen Jahr hat mags umfangreiche Sanierungsarbeiten in dem beliebten Park durchgeführt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 3000 Quadratmeter wassergebundene Wege wurden erneuert. Es wurden hunderte Stauden gepflanzt. Die neuen Sitzgruppen und Mülleimer laden zum Verweilen ein; eine Gruppe ist sogar barrierefrei. Sämtliche verbauten und versteckten Winkel wurden entfernt – der Park wirkt seitdem aufgeräumt, sauber und einladend.

„Alles ist offen und einsehbar gestaltet – es gibt seit 2019 im Bresgespark keine Angsträume mehr.“

Jan Biehl, Leiter mags-Grünunterhaltung

Angrenzend an den Bresgespark spazieren wir auch ein wenig durch den 360.000 Quadratmeter großen Wald. Die Niers wird hier in absehbarer Zeit auf einer Länge von 1,1 Kilometern renaturiert – herauskommen soll nach Angaben des zuständigen Niersverbands ein natürliches Habitat für seltene Tiere und Pflanzen. Darauf freuen wir uns schon jetzt!

Weiter geht’s für uns über die Dohrer Straße, Am Torfbend, Bruchstraße und Duvenstraße zum Beller Park in Odenkirchen.

Beller Park

Auch bekannt als Beller-Mühle-Park, ist der Beller Park ein Naherholungsgebiet, das für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Wasser – nicht nur die Niers mit ihrem halben Dutzend Brücken, sondern auch in Form eines großzügigen Teichs – ist das große Thema des Beller Parks. Inmitten des Teichs ist eine komplett naturbelassene Insel Biotop für viele Wasservögel. Weiden rahmen den Teich ein.

Wasser war schon immer wichtig im 173.022 Quadratmeter großen Beller Park. Die dortige Wassermühle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1927 war in ihrem Weiher von der Stadt Odenkirchen tatsächlich ein Schwimmbad angelegt worden. Es wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen, bis zu 9000 Badegäste zählte das Schwimmbad in der jährlichen Hochsaison. Gartenarchitekt Ernst Nath gestaltete den Beller Park.

2019 hat mags die Oase im Niersgrünzug aufwendig umgestaltet. Die Ausbildungskolonne der Grünunterhaltung erneuerte rundum Mobiliar, Bankplätze und Wege.

„Wir haben die Plätze neu plattiert sowie neue Bänke, Tische und Mülleimer aufgestellt.“

Simon Webers, Meister der mags-Grünunterhaltung und Ausbilder der mags-Landschaftsgärtner.

Am Eingang Einruhrstraße legten die Nachwuchskräfte ein Beet mit verschiedenen Staudenpflanzen an. Zur Duvenstraße hin pflanzten sie neue Bäume und Sträucher. Die Uferbefestigung hat neue Wasserbausteine erhalten. Wo einst eine in die Jahre gekommene Pergola stand, lädt nun ein vollkommen neuer Sitzbereich mit Natursteinen ein.

Uns zieht es weiter entlang der Karlstraße und Wetschewell zum Schloss Wickrath.

Wickrather Schlosspark

Schloss Wickrath ist vermutlich ursprünglich ein mittelalterliches Wasserschloss gewesen. Es liegt inmitten der Niersniederung. Zwischen 1746 und 1772 entstand die barocke Anlage nach Plänen der Brüder Soiron. In dieser Zeit wurde zugleich der Park in der Niersaue angelegt. Schloss Wickrath ist nur kurze Zeit ein Schloss gewesen, aber dazu später mehr.

Der 156.178 Quadratmeter große Schlosspark in der skurrilen Form einer Grafenkrone beherbergt Teiche, Gräben und Alleen, die streng symmetrisch angelegt sind. In dieses Bild passen die vielen Kastenlinden, die regelmäßig in Form geschnitten werden. Riesige Buchen und Eichen ergänzen den Baumbestand. Der großzügige Schlossgarten nach französischem Vorbild hat mit seinem herrlichen Springbrunnen, seinen Buchsbäumen und Stauden mediterranes Flair. Im Frühling sind die Kirschblüten besonders hübsch anzusehen.

„Wir haben im Schlosspark auch sehr alte Linden, die schon mehr als 80 Jahre hier leben. Zur EUROGA 2002 sind teilweise neue Linden hinzugekommen. Sie entwickeln sich gut.“

Hanno Müller, mags-Arborist

Ein paar Gehminuten vom Schloss entfernt lag die Schlossmühle Wickrath, eine Wassermühle. Das Gebäude steht noch, es beherbergt heute Wohnungen. Neben dem Element Wasser ist ein weiteres Thema untrennbar mit Schloss Wickrath verknüpft: das Pferd. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Wickrath ein Zentrum für Pferdezucht, wie auf der Website der Stadt Mönchengladbach zu lesen ist. 1806 richtete Napoleon ein Hengstdepot in einem Schlossgebäude ein, um den Nachschub für seine Armeen zu sichern. Später wurde das Gestüt zur Kavallerie-Kaserne umgebaut. Danach zog das königlich-preußische Landgestüt ein. 1859 wurde das Schloss abgerissen, Begründung des damals zuständigen preußischen Baurats: Das Schloss sei ohne kunst- oder historischen Wert.

Wir rechnen nach: Das Schloss selbst stand also nicht viel länger als 87 Jahre. An seiner Stelle errichtete man später das Landstallmeisterhaus. Die Pferdezucht wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ständig ausgeweitet. Nachdem das 1892 in Wickrath gegründete Rheinische Pferdestammbuch 1911 nach Bonn verlegt worden war, kehrte es 2002 an seine historischen Wurzeln nach Wickrath zurück.

Mit ganz vielfältigen Eindrücken beenden wir unsere heutige Route. Sie war nur neun Kilometer lang, und hat uns doch so viel über unsere Heimat erzählt.