Abschied in einer turbulenten Zeit
Arbeitslosenzentrum: Leiterin Justine Krause geht und wechselt nach Essen

Foto: Justine Krause

„Ich habe hier viel gelernt, und ich freue mich, nicht mehr so viel fahren zu müssen.“ Bei ihrem Abschied war Justine Krause (26) ehrlich. Nach gut zweieinhalb Jahren im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) wechselt die Sozialwissenschaftlerin in die Stadtverwaltung Essen. Hier kümmert sie sich um die Migrationsarbeit.

Es mag floskelhaft klingen, aber beim „Tschüss, Justine“ blieben nur wenige Augen trocken. Das gesamte Team und der Vorstand hatten sich zu einer kleinen Feier bei (veganem) Kuchen und Getränken versammelt. Sie hoffe, so die junge Schalke-Anhängerin, dass sie hier im ALZ etwas hinterlassen habe. „Das haben Sie“, sagten spontan Karl Boland als Sprecher des Vorstandes sowie Karl Sasserath, selbst viele Jahre Leiter der Einrichtung. Einhelliger, lobender Tenor: Sie habe klare Strukturen geschaffen, achtete selten auf Überstunden und habe durch „Fleiß und Disziplin in der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit große Spuren hinterlassen“. Tatsächlich kümmerte sich Krause neben ihrer Leitungs- und Beratungstätigkeit auch viel um Orga-Kram. Folge personeller Probleme im Verwaltungsbüro. 

Künftig wird die 26-jährige Essenerin nicht mehr pendeln müssen. Sie könne mit dem Rad zum Büro, lachte sie. Das sei allerdings nicht so schön wie das im ALZ. Nach einem kurzen Urlaub startet die 26-Jährige Anfang Juli in der Verwaltung der Ruhr-Metropole.

Krauses überraschender Wechsel nach Essen trifft das ALZ in einer turbulenten Zeit. So ist nicht nur die Leitungsstelle neu zu besetzen, auch im Büro fehlt eine Fachkraft. Der Vorstand verhandelt mit Bewerber*innen für die Leitungsposition. Das wiederum ist nicht einfach: der Markt für diese Fachleute ist ziemlich abgegrast. Bis zur Einstellung einer neuen Fachkraft übernimmt Karl Sasserath die Leitungsaufgabe. 

Boland dankte den Mitarbeiter*innen für ihr „ausgesprochen großes Engagement“. Nur so könnten die Angebote Beratung, Mittagstisch, Begegnung, Bewerbungstraining, „Gesund leben im Quartier“ etc. „vollumfänglich garantiert werden“. Dennoch: Weil Geldgeber wie Sponsoren zurückhaltender werden, wird die Finanzsituation des ALZ immer problematischer. Gespräche mit der Politik, hier nachzubessern, scheiterten bislang. Für den ALZ-Vorstand, der ehrenamtlich arbeitet und einen strikten Sparkurs fährt, kaum verständlich. Boland: „Die Armut nimmt zu, zu nimmt auch die Zahl der Frauen und Männer, die bei uns Hilfe suchen und bekommen.“ Noch. 

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