Ach, wer kann in unseren Tagen es noch wagen, NEIN zu sagen?

Foto: Peter Josef Dickers

Wenn einem Pfarrer dienstrechtliche Konsequenzen angedroht werden.

Der Personalchef des Erzbistums Köln teilte einem Pfarrer im Auftrag des Kardinals mit, „sein öffentliches Eintreten gegen die katholische Kirche, das Erzbistum Köln oder dessen Amtsträger“ wäre nicht vereinbar mit den Loyalitätspflichten im Seelsorgedienst.

Der Kardinal hatte in einer Predigt die von sexualisierter Gewalt Betroffenen um Verzeihung gebeten. Der Pfarrer hält diese „Entschuldigung” nicht für glaubwürdig und ausreichend. Er vermisst Woelkis Reue. Dieser habe mit seiner Äußerung einen Rest an Glaubwürdigkeit verspielt.

In würdevoller Unzufriedenheit erwartet die Bistumsleitung, dass der Sich-fügen-Reflex fromm-ergebene Schafe ausführen lässt, was Mächtige befehlen. Diese gehen davon aus, dass die Schafe in der „Furcht des Herrn“ verharren, auch in der Furcht vor denen, die sich als Herren gebärden und auf Loyalitätspflichten pochen.

Foto: PJD

Heinrich Böll sprach von „fürsorglicher Belagerung“. Wilhelm Busch stellte die Frage: „Ach, wer kann in unseren Tagen es noch wagen, NEIN zu sagen?“ Dachte er dabei an  Kirchenobere, die auf die Demut ihrer Untergebenen setzen und nicht kritisierbar sind? Vergessen diese Hirten, dass „Demut“ mit dem „Mut“ einhergeht, anders zu denken und zu reden, als Hirten es gelegentlich erwarten?

Kardinäle sind aufrechte Menschen. Manche hadern mit der Lebenswirklichkeit. Die Wegerechte sollen möglichst bei ihnen bleiben, bei der ehemals „triumphierenden Kirche“.

Ist dem Kardinal entgangen, dass die Zukunft der Kirche nicht von Rechthaberei und  Befindlichkeit ihrer Würdenträger abhängt, sondern davon, ob sie den Menschen dient, für die sie da sein will? Weiß der Kardinal noch, was die Menschen bewegt und ihnen auf den Nägeln brennt? Hat der Papst ihm schon auf seine Frage geantwortet, ob er sich in Sachen Missbrauchsverhalten eines ihm besonders vertrauten Mitbruders schuldhaft verhalten hat? Normal Sterbliche wissen das selbst und müssen nicht den Heiligen Vater fragen.

Der Missbrauchs-Beauftragte der Bundesregierung erhob den Vorwurf, Jahrzehnte hindurch wäre in kirchlichen Einrichtungen sexuelle Gewalt an Kindern unter den Teppich gekehrt, bagatellisiert und vertuscht worden. Personen, die den Tätern nahe standen, sahen nichts und wussten nichts. Der Limburger Bischof, gleichzeitig Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gesteht ein, dass seine Kirche auch eine „Täter-Organisation“ war bzw. ist. Droht ihm sein Kölner Amtsbruder jetzt mit dienstrechtlichen Konsequenzen?

Ob der für das Bistum Aachen zuständige Bischof zu dem Vorgang eine Meinung hat?

5 Kommentare zu "Ach, wer kann in unseren Tagen es noch wagen, NEIN zu sagen?"

  1. Peter Josef Dickers | 12. Januar 2021 um 11:43 | Antworten

    Ich habe kein Recht, Herr Büscher, mich zum Schiedsrichter aufzuspielen. Andererseits verhehle ich nicht meine Genugtuung darüber, dass in diesem Fall kein „Schweigen der Lämmer“ stattgefunden hat.
    Die Kirche, die wie andere Institutionen keine geradlinige Geschichte hat, deswegen zu verlassen, hilft nicht weiter. Ich hätte aufgrund meiner Vita oft Anlass dazu gehabt. Wer etwas ändern will, muss in dem Laden präsent sein. Nach diesem Prinzip handle ich und unternehme eine ganze Menge, ohne es an die große Glocke zu hängen.
    Wer sich schweigend und fassungslos verabschiedet, überlässt die Institution Kath. Kirche den Woelki-Vertretern.

  2. Herr Dickers, warum ist das wohl passiert? Wenn der betroffene Pfarrer nicht so mutig und überzeugt die Öffentlichkeit gesucht hätte…
    Vielleicht muß er ja demnächst unbedingt in eine andere Gemeinde versetzt werden. Daß die Kirche einen solchen “Ungehorsam” ungeahndet läßt, kann ich mir nicht vortellen.

  3. Götterdämmerung! Ohne Fragezeichen. Was ein „Mann der Kirche“, ein „Würdenträger“ seit Monaten für die Kirche tut, ist an Destruktivität nicht mehr zu überbieten. Er hat den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit verspielt. Egal wie das Gutachten, das er der Öffentlichkeit vorenthalten hat aussieht, dessen Auswirkung wäre nicht schlimmer gewesen als sein Verhalten jetzt, nur anders. Er bietet jeder Spekulation Raum, inclusive der, daß sein eigener Name auf der Liste der Täter steht. Alles ist möglich, nichts undenkbar. Ihn mit salbungsvoller Stimme im Dreikönigsgottesdienst zu erleben war unerträglich, weshalb das Gerät auch abgeschaltet wurde. Wie sagt man? „Die Leute stimmen mit den Füßen ab.“ Weitere Kirchenaustritte sind unausweichlich. Natürlich weiß ich, daß Kirche nicht meinen Glauben ausmacht. Das müßte man trennen. Aber wenn ich denen, die Vertreter Christi auf Erden sein wollen/sollten, und dann auch noch in exponierter Position, kein Vertrauen entgegenbringen kann, weil sie sowohl gegen das Wort ihres sog. Herrn, weil sie ja die eigentlichen Herren sind, genauso verstoßen, wie sie Anstand und Ehrlichkeit den Gläubigen gegenüber vermissen lassen, dann kann und will ich dieser Gemeinschaft nicht angehören. Das Gesamtbild der Kirche betrachtend, vor dem Hintergrund der Entwicklung bzw. Geschehnisse der letzten Jahre, bin ich überzeugt, daß ihr Niedergang nahe und nicht mehr aufzuhalten ist. Selbstverschuldet.

  4. Peter Josef Dickers | 12. Januar 2021 um 10:30 | Antworten

    Das Erzbistum Köln hat die Androhung kirchenrechtlicher Konsequenzen gegen den Pfarrer zurückgezogen. Kommentar überflüssig.

  5. Es ist ein Skandal wie die Kirche bzw. einige Würdenträger mit dem sexuellem Vorgehen umgeht. Kein Wunder, das es so viele Austritte gibt. So traurig wie es ist ,aber so geht die kath.Kirche unter.

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