Appell an Politik und Verwaltung: „Wir müssen die Lawine aufhalten“

Ein breites Gladbacher Bündnis appelliert an Politik und Verwaltung: Die Energiekrise darf keine existenzgefährdenden Folgen haben

Norbert Schoeller ist Geschäftsführer beim Sozialdienst katholischer Männer (SKM) in Rheydt. Der emanzipatorischen Ordnung halber sei gesagt: Es gibt auch einen „weiblichen Ableger“. 

Schoeller ist einer von zahlreichen Initiatoren, die sich mit einem dramatischen Appell an die Gladbacher Politik und an die Stadtspitze wenden. „Steigende Lebensmittelpreise, explodierende Energiekosten – da rollt eine Lawine auf uns zu, der es gegenzusteuern gilt“, sagt nicht nur Schoeller. Daher hat das „Bündnis für soziale Gerechtigkeit“, in dem zahlreiche Wohlfahrtsverbände wie der SKM vertreten sind, den Appell „Energiekrise und kommunale Handlungsmöglichkeiten“ verfasst. Er beinhaltet neun Punkte: Kernforderungen, die dazu beitragen sollen, dass Menschen nicht frieren, hungern und damit nicht leiden müssen. 

Nicht nur beim SKM, der sich u.a. in der Wohnungslosenhilfe und bei der Migrationsbetreuung engagiert, häufen sich die verzweifelten Anfragen. „Immer mehr Menschen mit Grundsicherung kommen nicht mehr klar“, sagt auch Karl Sasserath vom Gladbacher Arbeitslosenzentrum. Auch Diakonie oder Volksverein sind angesichts der „drastisch gestiegenen Zahl Hilfsbedürftiger“ besorgt um den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

In einer Presseerklärung schreiben die Bündnis-Vertreter: „Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner teilen die Einschätzung, dass die Stadtgesellschaft in Folge des starken Anstiegs der Lebenshaltungskosten bei einer gleichzeitig sich vollziehenden Inflation am Anfang einer sozialen Krise steht. Zur Zeit schon schlagen bei den ersten Haushalten die hohen Energiekosten auf. Die Mitglieder des Bündnisses werten dies als Anzeichen für das Bevorstehen eines starken Anstiegs von wirtschaftlichen Problemen in den nächsten Wochen und Monaten, vor die besonders die wachsende Energiearmut immer mehr Haushalte auch in Mönchengladbach stellen wird.“

Das Besondere an der jetzigen Situation sei, dass die Kosten nicht für alle zum gleichen Zeitpunkt aufschlagen. Jede*r Mieter*in hat eigene Vertragslaufzeiten für Strom mit dem Energieversorger. Zum jeweils vertragsrechtlich nächstmöglichen Termin erhöhen Energieversorger (u.a. NEW) seine Preise. Die Abschläge werden aber nicht automatisch den Erhöhungen angepasst, so dass zum Zeitpunkt der Abrechnung in vielen Fällen eine satte Forderung entstanden sein wird. Die wirklich hohen Forderungen entstehen zum Ende des jeweiligen Abrechnungszeitraums – bei jede*m*r zu einem anderen Termin im kommenden Jahr. 

Noch viel dramatischer – so das Bündnis – sieht es bei den Heizkosten aus, die weit stärker gestiegen sind und meistens über den Vermieter abgerechnet werden. Zwar kündigen die Energieversorger ihre Gasverträge schon seit November/Dezember 2021, da die Preise an der Gasbörse erstmalig Preissprünge um 400 Prozent machten, bis aber die extrem gestiegenen Kosten als sehr hohe Forderung über die Nebenkostenabrechnung 2022 bei den Mieter*innen bis Mitte 2023 erreichen. „Gesellschaftlich haben wir es mit einer Lawine zu tun, von der die einzelne*n Betroffene*n schlagartig getroffen werden. Umso wichtiger ist es, dass jetzt gehandelt wird“, betont Matthias Merbecks vom Volksverein.

In dem Neun-Punkte-Appell heißt es unter Punkt 5 unter anderem: Die örtliche Politik und Verwaltung unterstützt den kommunalen Energieversorger, so dass Strom- und Gassperren nicht durchgeführt werden: „Für die Dauer der ausgerufenen Krisenstufen des Notfallplans Gas, während der Heizperiode, bei minderjährigen Kindern im Haushalt, bei Schwangeren, bei Kranken, die auf elektrische Hilfsmittel angewiesen sind, bei Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen.“ Wie viele „Sperren“ bislang in MG geschaltet wurden, ist offiziell nicht bekannt, so das Bündnis. Karl Sasserath spricht von einer „sehr beachtlichen Zahl“. Längst seien nicht nur Bezieher von Hartz IV betroffen. „Da kapitulieren längst auch Menschen aus der so genannten Mittelschicht, Tendenz steigend.“ 

2 Kommentare zu "Appell an Politik und Verwaltung: „Wir müssen die Lawine aufhalten“"

  1. Sorry, Herr Wasilewski, mir scheint, Sie wollen nur noch verbal gegen ALLES wettern.
    Ihre öffentlichen Auftritte erfüllen, so scheint es, nur den Zweck, Ihre ganz persönliche Befindlichkeit zu befriedigen.
    Ob Sie damit etwas bewegen, bezweifel ich sehr.
    Sie könnten sich einer entsprechenden Initiative anschließen nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“.

  2. Thomas-Andreas Wasilewski | 13. November 2022 um 10:25 | Antworten

    Der Anteil der Mönchengladbacher, denen das Geld für Nahrung und Energie fehlt ist in der Krise gestiegen. Doch in Deutschland geht es schon lange nicht mehr um Armutsbekämpfung. Die armen Menschen lässt man im Regen stehen, im Kalten oder im Dunkeln sitzen! Karl Sasseraths Weckruf „mehr Solidarität“ – „mehr Barmherzigkeit“ – „mehr Nächstenliebe“ ist ehrenhaft. Doch die Ampel- und die Unionsparteien markieren nur die Wohltäter, tatsächlich kommt nichts an bei den Bürgern.

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