Aus aktuellem Anlass noch einmal: „Wer kann in unseren Tagen es noch wagen, NEIN zu sagen?“

Foto: PJD; Ein Foto aus der Klosterkirche Knechtsteden

Die Nein-Sager wagen sich aus der Deckung und formulieren ihr Verständnis für das Verhalten des Dormagener Pfarrers, der den Konflikt mit seinem Bischof und Kardinal nicht scheut.

Der Bonner Stadtdechant sieht die Kirche im freiem Fall“. Er übt scharfe Kritik am unprofessionellen Krisenmanagement der Spitze des Kölner Erzbistums. Er nehme Woelki zwar ab, dass es ihm mit der Aufklärung ernst sei. Doch man müsse sich nicht wundern, wenn die meisten Menschen inzwischen glauben würden, hier solle etwas vertuscht werden.

„Unglaublich, dass man den Erzbischof sehenden Auges in diese Krise manövriert hat und seit Wochen immer neue Schlagzeilen liefert, die die Lage eklatant verschlechtern.“ Man frage sich: „Wer berät den Bischof? Registriert jemand, welche Folgen das hat und dass es so nicht weitergehen kann?“

Die schriftliche Abmahnung des Pfarrers durch die erzbischöfliche Behörde machte bundesweit Schlagzeilen. Wie aus heiterem Himmel dann plötzlich eine Kehrtwendung. Pfarrer Koltmann, dem ich meinen Beitrag in MG-Heute zugestellt hatte, teilte mir mit:

Sehr geehrter Herr Dickers, am späten Montagnachmittag (11. Januar 2021), habe ich beiliegende Nachricht aus dem Erzbistum Köln erhalten:

Sehr geehrter Herr Pfarrer Koltermann,

Ihre Stellungnahme habe ich erhalten. Ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Darlegung. Aufgrund der von Ihnen ausgeführten Erläuterungen bezüglich des Zeitungsartikels bestehen meinerseits keine Nachfragen mehr. Aus meiner Sicht ist damit der Vorgang erledigt und er wird keine weiteren Schritte nach sich ziehen. Wenn Sie es wünschen, stehen Frau Zöller oder ich Ihnen gerne zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Pfarrer Mike Kolb

-Hauptabteilungsleiter-

Erleichtert bin ich und auch perplex, weil ich damit in der Kürze der Zeit nicht gerechnet habe. Es ist unheimlich viel geschehen: Menschen aus vielen Teilen Deutschlands haben sich bei mir gemeldet, Solidarität bekundet, Aktionen gestartet, ermutigende Worte geschrieben, Medien haben sich in vielfacher Weise geäußert. Ich danke Ihnen sehr dafür!

Was bleibt nun? Ich suche das Gespräch mit dem Bistum und seinen Verantwortlichen. Der Umgang mit den Missbrauchsopfern ist noch nicht geklärt, Gerechtigkeit ist noch nicht wiederhergestellt, die Wahrheit muss ans Licht und nur so kann es einen Neuanfang geben. Und letzten Endes steht die Frage im Raum: Wie geht man mit Kritikern um, anderen Meinungen.

Für die Zukunft des Bistums Köln und unserer Kirche in Deutschland wird es entscheidend sein, auf welche Weise wir kommunizieren. Nur wenn wir uns als gleichwertige Partner ernstnehmen, können Lösungen erarbeitet werden, die tragfähig sind. Die Zeiten der Top-Down Kommunikation sind vorbei.

Es liegt viel in den Händen der Pfarrgemeinden vor Ort, ihre Vorstellungen von Partizipation zu formulieren und umzusetzen. Dazu gehört auch, eine Streitkultur zu entwickeln, in der konstruktive Kritik ihren Platz hat, ernst genommen und nicht sanktioniert wird. In diesem Punkt sind wir, so hoffe ich, einen Schritt weitergekommen. Wir müssen die Mauer des Schweigens und der Angst weiter überwinden, weil es um das die Botschaft Jesu geht und um die Zukunft unserer Kirche.

Somit freue ich mich über Sie, dass Sie sich geäußert haben und möchte Sie einfach bitten, machen Sie mit in der Kirche, erneuern wir sie und bringen Sie sich ein mit Ihren Ideen.

Dann können wir etwas bewegen – Gottes Geist behütet uns.

Ihr Pastor Klaus Koltermann

Je höher man steigt, desto tiefer kann man fallen, Herr Kardinal. Möge es kein Sturz ins Ungewisse werden. Die Kirche wird gebraucht in der Orientierungslosigkeit unserer Tage. Ein Urteil darüber, ob das auch für Sie gilt, steht mir nicht zu.


Zu diesem Beitrag gehört: Ach, wer kann in unseren Tagen es noch wagen, NEIN zu sagen?
(Anm. d. Redaktion)