1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler haben sich in allen Teilen Deutschlands in den Tagen vor der Bundestagswahl am 26. September an der sogenannten ‚Juniorwahl‘ beteiligt und mit ihren Erst- und Zweitstimmen Politiker und Parteien gewählt. Dies entsprach einer beeindruckenden Beteiligung von 81 Prozent aller Wahlberechtigten an Deutschlands größtem Schulprojekt zur politischen Bildung.
Auch am traditionsreichen Hugo-Junkers-Gymnasium organisierten die Politiklehrer Luzie Rosenblatt und Bastian Kaysers mit großem Engagement ‚Juniorwahlen zum Deutschen Bundestag‘ und ermöglichten so rund 400 Schülern, sich aktiv an der simulierten Willensbildung zu beteiligen.
Ganz klassisch gab es in einem Klassenraum ein Wahllokal, Wahlhelfer, Wählerverzeichnisse, Wahlkabinen und Wahlurnen – und vor allem auch viel Freude, sich einem zunächst trocken wirkenden Thema auf praktische Weise zu nähern.
Das seit 1991 durchgeführte Projekt, in dessen Rahmen bereits mehr als 60 Landtags-, Bundestags- und Europawahlen veranstaltet wurden, spricht die Emotionen junger Menschen an, kann als Instrument der politischen Bildung bestehende Einstellungen verändern und vermittelt Lust auf gesellschaftliche Teilhabe. Erklärtes Ziel der Juniorwahlen ist ein Anstieg der Kommunikation unter Schülern und eine Steigerung des Interesses an der Politik ihres Landes.
In den Nachbesprechungen der Junior- und Bundestagswahl im Politikunterricht zeigte sich dann auch, dass die Schüler, die durch die Juniorwahl motiviert wurden, ihre Eltern in die Wahllokale zu begleiteten, keine Unterschiede in den Abläufen feststellen konnten. Das bedeutet, dass einerseits Ängste, bei realen Wahlen etwas falsch zu machen und aus diesem Grund die Stimmabgabe zu unterlassen, erfolgreich abgebaut werden konnten. Andererseits formulierten viele junge Demokraten ihre Absicht, sobald wie möglich von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, um die Zukunft des Landes zu gestalten.
Die Schulgemeinde des Hugo-Junkers-Gymnasiums freut sich in diesem Zusammenhang ganz besonders mit den Mönchengladbacher Bundestagsabgeordneten Gülistan Yüksel und Dr. Günther Krings, die beide erneut dem Deutschen Bundestag angehören und sich in Berlin und in ihrer Heimatstadt für die Interessen ihrer Wähler einsetzen.
Beide Mitglieder des Parlamentes haben eine Verbindung zu dem Rheydter Gymnasium, denn Gülistan Yüksels Kinder besuchten einst die Schule – und Dr. Günther Krings legte mit seinem Abitur am ‚Hugo‘ eine Grundlage für seine politischen Erfolge, die ihn als Staatsekretär und Mitglied der Bundesregierung in das Bundesinnenministerium führten.
Im Zuge der Corona-Pandemie mussten im vergangenen Jahr die lange geplanten Feierlichkeiten zur zehnjährigen Siegelvergabe ‚Schule ohne Rassismus‘ abgesagt werden.
Der Schülervertretung des Hugo-Junkers-Gymnasiums war es allerdings ein Herzensanliegen, trotzdem und gemeinsam mit den Vertrauenslehrern Viola Schmitt und Dominik Zuk ein Zeichen zu setzen. So entstand in einem von allen Schülern und dem Kollegium genutzten Treppenhaus eine farbenfrohe ‚Courage-Puzzlewand‘ als deutlich sichtbare Erinnerung an den Jubiläumstag – und als bleibende Aufforderung, sich aktiv gegen Ausgrenzung und für Solidarität einzusetzen.
Oberbürgermeister Felix Heinrichs, über dessen Besuch sich die gesamte Schulgemeinde sehr freute, würdigte während einer Feierstunde mit Mitgliedern der Schülervertretung das Kunstwerk, auf dem Schüler und Lehrer aus Anlass des Jubiläums erneut und diesmal für jeden Besucher sichtbar auf bunten Puzzleteilen die Grundsatzverpflichtungen des Courage-Netzwerkes, sich aktiv gegen Rassismus einzusetzen, unterzeichneten.
Schülersprecherin Sophia Okonkwo sagte mit Blick auf das emotional berührende Werk in ihrer Rede, dass „die farbenfrohen Puzzleteile für die Vielfalt des Hugo-Junkers-Gymnasiums und den aktiven Einsatz aller Schüler, Eltern und Lehrer gegen Ausgrenzung und Rassismus stehen.“
In seiner Dankesrede an die Vertreter der Schule betonte Oberbürgermeister Felix Heinrichs die Wichtigkeit dieses Anliegens: „Nicht nur bei Großveranstaltungen müssen wir uns gegen Rassismus wenden, sondern es ist sehr wichtig, dass dies schon in der Schulzeit unser Verständnis des gesellschaftlichen Miteinanders prägt.“ Darüber hinaus zeigte er sich besonders von Sophia Okonkwos Engagement beeindruckt: „Ich war an meiner Schule auch Schülersprecher – und somit ist klar, dass Du, liebe Sophia, eines Tages Oberbürgermeisterin unserer Heimatstadt Mönchengladbach werden kannst.“
Der Herbst naht und damit stellt sich den Grundschülern der vierten Klassen und ihren Eltern die Frage, wie es im Sommer nächsten Jahres weitergehen soll? Das Hugo-Junkers-Gymnasium bietet aus diesem Grund in den kommenden drei Monaten Veranstaltungen an, die den Übergang auf die weiterführende Schule erleichtern sollen.
QR-Code zu den Veranstaltungen
Da wären zunächst die auf möglichst viel Spaß zielenden ‚Erlebnistage am Hugo‘, die am Dienstag, den 14. September und Donnerstag, den 16. September 2021, jeweils nachmittags stattfinden werden. Für die zukünftigen Gymnasiasten besteht dann die Möglichkeit, an einer Vielzahl spannender Workshops teilzunehmen und so die Schule und ihre fröhlich-liberale Haltung kennenzulernen. Über www.hugo-junkers-gymnasium.de ist die reichhaltige Liste der Angebote zu finden und die Möglichkeit gegeben, sich für die Veranstaltungen anzumelden, die am meisten Freude versprechen.
So wird zum Beispiel im Workshop ‚I got rhythm‘ mit Alltagsgegenständen wie Besenstielen und Baustelleneimern Musik gemacht. Im Bereich Kunst werden phantastische Tierwesen aus Ton geformt, die manam Ende des Tages mit nach Hause nehmen kann. Computer- und Technik-Fans werden lernen, einen Mikrocomputer zu programmieren und eine eigene Lichterkette für das kommende Weihnachtsfest zu bauen. In der KULT-Schnupperstunde wird es Spiele und Theaterübungen geben, bei denen junge Schauspieler sofort mitmachen können. Der Workshop ‚Schüler als Archäologen‘ wird die Schüler mit Werkzeugen aus der Steinzeit in Berührung bringen – und Teams junger Forscher werden gemeinsam die Werkzeuge der frühen Mönchengladbacher untersuchen, um herauszufinden, welche Funktion sie im Alltag der steinzeitlichen Menschen hatten.
Am Dienstag, den 5. Oktober 2021, um 19:00 Uhr, lädt die Schulleitung dann zu einem Informationsabend mit dem Thema ‚Wie gestalte ich den Übergang meines Kindes von der Grundschule zum Gymnasium?‘ in den ‚Alten Musiksaal‘ des Hugo-Junkers-Gymnasiums ein. Im Laufe des Abends werden unter anderem die wichtigsten Termine im Zusammenhang mit der Schüler-Anmeldung an einer weiterführenden Schule vorgestellt – und darüber hinaus auch die Arbeitsweisean einem Gymnasium und die Frage nach der gymnasialen Eignung eines Kindes von den vortragenden Experten behandelt.
Am Tag der offenen Tür, der am Samstag, den 20. November 2021, von 9:00 bis 13:00 Uhr stattfinden wird, sind alle Grundschüler der Stadt erneut eingeladen, um die Schule, das Kollegium und die herzliche Atmosphäre der Schule im Rahmen eines bunten Programmes zu erleben.
Die Schulgemeinde des Hugo-Junkers-Gymnasiums bittet schon jetzt um Verständnis dafür, dass zu den Veranstaltungen grundsätzlich immer nur ein Elternteil zugelassen werden kann und ein Nachweis über die Impfung, Testung oder Genesung mitgebracht werden muss. Kinder brauchen keinen Nachweis. Es wird darum gebeten, im Vorfeld jeder Veranstaltung die Homepage der Schule zu besuchen, um die aktuellen Informationen zu den geltenden Vorschriften zu erhalten.
Der Mönchengladbacher Historiker und Germanist Hans-Jürgen Bitter, der am 2. August 91 Jahre geworden wäre, hat sich Jahrzehnte mit der Suche nach den Hinterlassenschaften unserer frühen Vorfahren beschäftigt und in Odenkirchen eine der größten Privatsammlungen jungsteinzeitlicher Fundstücke Deutschlands zusammengetragen.
In rund 40 Jahren sicherte er etwa 30.000 Werkzeuge, die die ersten Mönchengladbacher vor Jahrtausenden hergestellt haben. Viele Funde sind von musealer Qualität und zeigen die ganze Bandbreite hochentwickelter Werkzeuge aus dem Alltag des steinzeitlichen Menschen.
Hans-Jürgen Bitter wurde am 2. August 1930 im Wallfahrtsort Neviges geboren und das katholisch-liberale Klima seines Elternhauses prägte seine Aktivitäten. So war er Messdiener und sofort nach dem 2. Weltkrieg mit Freunden einer der Wiederbegründer der katholischen Pfadfinderschaft in seinem Heimatort.
Nach dem Besuch der Grundschule von 1936 bis 1940 in Neviges bestand er am 8. März 1950 – seine Schulzeit am Städtischen Gymnasium Langenberg wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen – sein Abitur mit Bestnoten und studierte an der Universität zu Köln Geschichte und Germanistik.
Am 18. Februar 1957 legte er dann die ‚Wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen in Deutsch und Geschichte‘ ab. Nach seiner Lehrerausbildung an einem Mädchengymnasium in Düsseldorf kam er im November 1959 im Alter von 29 Jahren als Studienassessor an das Gymnasium Odenkirchen, an dem er bis zu seiner Pensionierung am 1. Februar 1991 wirkte.
Inspiriert durch den Odenkirchener Pfarrer und Heimatforscher Franz Rixen, der in Mönchengladbachs ältestem Kegelclub ‚Erholung‘ sein Kegelbruder war, und Anton Mennen, den Nestor der Mönchengladbacher Archäologie, dessen Sammlung – neben Funden von Bernd Hussner und einer Auswahl aus Bitters eigener Sammlung – heute im Rheindahlener Wasserturm an der Mennrather Straße zu besichtigen ist, begann sich Hans-Jürgen Bitter in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Ur- und Frühgeschichte des Mönchengladbacher Raumes zu interessieren.
Voller Begeisterung für die Lebensformen unserer Vorfahren lief er über Jahrzehnte forschend über die Äcker des Umlandes, um die Hinterlassenschaften der Steinzeitmenschen zu bergen. Viele ältere Spaziergänger und ehemalige Schüler erinnern sich an den Mann, der im Frühjahr und Herbst leicht vorgebeugt und im Einverständnis mit den Bauern die Felder Furche für Furche nach alten Siedlungsplätzen absuchte.
Hans-Jürgen Bitter
Hans-Jürgen Bitter reichte seine Sammelleidenschaft nicht nur an seine eigenen Kinder, sondern auch an viele seiner Schützlinge am Gymnasium Odenkirchen oder während seiner Vorträge an anderen Schulen weiter. So bekam Dr. Jürgen Thissen, der Wiederentdecker der Fundstelle des Neandertalers, durch ihn im Unterricht erstmals steinzeitliche Artefakte in die Hände, begann daraufhin selbst über die Felder seiner Heimat zu laufen und wurde Archäologe.
Obwohl Hans-Jürgen Bitter als Lehrer und Vortragender viele Mitbürger über das gesprochene Wort mit den Artefakten der frühen Mönchengladbacher zusammengebracht hat, kümmerte er sich persönlich nicht um die Präsentation seiner Sammlung in der Öffentlichkeit und publizierte kaum – ein Beispiel ist allerdings der Beitrag für die Festschrift des Gymnasiums Odenkirchen zum 125. Gründungstag 1986 (‚Steinzeitliche Funde als Quelle im Geschichtsunterricht‘).
Als Dr. Ellen Schwinzer, die damalige Kustodin der Museums Schloss Rheydt, vom 30. August bis 1. November 1981 die Ausstellung ‚Aus der Erde geborgen II: Unbekannte Funde der Steinzeit aus dem Raum Mönchengladbach‘ organisierte, lieh der Heimatforscher den Ausstellungsmachern zwar viele seiner Fundstücke – einige sind auch im Katalog zu sehen -, bestand jedoch darauf, dass sein Name im Verborgenen bliebe.
Am 30. Oktober 2002 hielt Hans-Jürgen Bitter auf Einladung des Heimatvereins im Rahmen der Studiovorträge im Burgturm den Vortrag ‚Die Jungsteinzeit in Odenkirchen und Umgebung‘. Der Sammler zeigte dort in Form eines Diavortrages ausschließlich Funde, die er im Odenkirchener Raum geborgen hatte und dessen beeindruckende Bilder Bernd Hussner, ein anderer Mönchengladbacher Steinzeitsammler, von seinen Fundstücken gemacht hatte.
Erst einige Jahre später, nach Bitters Tod am 18. September 2004, waren seine Fundstücke in den Jahren 2009 und 2011 in drei mit großem Engagement gestalteten Ausstellungen in Mönchengladbach wieder im öffentlichen Raum zu sehen – jetzt auch verbunden mit seinem Namen. Im Januar 2009 organisierte die Geschichts-AG des Hugo-Junkers-Gymnasiums in der Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse am Rheydter Markt die Ausstellung ‚5000 Jahre Geschichte – Mönchengladbacher Sammler zeigen ihre Schätze‘. Die Schüler hatten zuvor Ursula Bitter, die Witwe des Heimatforschers kennengelernt. Sie überzeugten die Verwalterin der Fundstücke mit ihrem Konzept und entliehen einige Prunkstücke für die mit großem Erfolg vor 150 Gästen von Oberbürgermeister Norbert Bude – der Bitters Schüler war – eröffnete Ausstellung. Ein beeindruckendes Presseecho begleitete die Präsentation, unter anderem produzierte der lokale Fernsehsender ‚CityVision‘ einen Beitrag.
Von Januar bis Februar und von September bis Oktober 2011 fanden im Anschluss an Hans-Jürgen Bitters 80. Geburtstag gleich zwei Ausstellungen statt, die nun ausschließlich Artefakte der ‚Sammlung Bitter‘ zeigten. Zunächst organisierte wieder die Geschichts-AG des Hugo-Junkers-Gymnasiums in den Räumen der Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse am Rheydter Markt eine Ausstellung mit 150 ausgewählten Funden unter dem Titel: ‚Hans-Jürgen Bitter – Leidenschaft Steinzeit‘. Wiederum gestaltete Oberbürgermeister Norbert Bude mit ausnehmend persönlichen Worten die Veranstaltung zu Ehren seines ehemaligen Klassenlehrers und wiederum produzierte ‚CityVision‘ einen Fernsehbeitrag zu der von vielen Weggefährten Bitters besuchten Ausstellung.
Da im Jahr 2011 auch die Jubiläumsfeier zum 150. Gründungstag des Gymnasiums Odenkirchen stattfand, bat die Schule die Familie des Sammlers, das Ausstellungskonzept in das Festprogramm aufnehmen zu dürfen – und so eröffnete am 23. September 2011 die Ausstellung ‚Hans-Jürgen Bitter: Leidenschaft Steinzeit‘ erneut, diesmal allerdings in den Räumen der Stadtsparkasse zu Odenkirchen.
Hans-Jürgen Bitter, der am 18. September 2004 starb, ist – obwohl katholisch – auf dem evangelischen Friedhof im Familiengrab seiner Frau in Odenkirchen begraben, weil ihm dieser Ort ausnehmend gut gefiel. Seine Grabstätte ist leicht zu finden, wenn man den Friedhof durch den Haupteingang betritt, gleich rechts auf den Hauptweg abbiegt und nach 120 Schritten den Blick nach rechts wendet. Das ihm zu Ehren dort errichtete ‚Monument‘ passt in wunderbarer Weise zu seiner die Jahrzehnte überspannenden Leidenschaft, denn auf seinem Grab ruht ein zwei Tonnen schwerer Mühlstein, auf dem zu lesen ist:
‚Hans-Jürgen Bitter, 2.8.1930 – 18.9.2004‘.
Reinhard Bitter
Eine ausführliche Biographie Hans-Jürgen Bitters findet sich in Heft 32 der Schriftreihe ‚Odenkirchen gestern und heute‘ des Heimatvereins Odenkirchen. Bestellungen sind über den Heimatverein für 2 Euro pro Heft möglich.