Beschäftigte der Obst & Gemüseverarbeitenden Industrie streiken für mehrere Stunden

Warnstreik in Straelen, Fotos: Verdi

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rief am 30.06.2020, 01.07.2020 und 02.07.2020 die Beschäftigten bei der Carl Kühne KG (GmbH & Co) in Straelen, bei Refresco Deutschland GmbH, Werk Herrath und bei Nestle Deutschland AG, Werk Thomy in Neuss zu ersten befristeten Arbeitsniederlegungen auf.

Damit will die NGG den Druck in den seit Anfang April laufenden Tarifverhandlungen für die Obst- und Gemüseverarbeitende Industrie erhöhen. Die Gespräche wurden nach zwei Verhandlungsrunden ohne Ergebnis vertagt. Die Gewerkschaft fordert 190 Euro mehr Lohn und Gehalt im Monat.
Dazu erklärt Karim Peters, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG der Region Krefeld-Neuss:

Warnstreik in Neuss

„In zwei Verhandlungen haben sich die Arbeitgeber hinter der Corona-Krise versteckt. Obwohl es in der Lebensmittelbranche gut bis sehr gut läuft, wollen die Unternehmen die Krise nutzen, um ihre Beschäftigten mit einer mageren Erhöhung abzuspeisen. Die Kolleginnen und Kollegen sind über das Angebot der Arbeitgeberseite zu Recht empört. Auf den Tisch gelegt wurde ein Lohnplus von 1,4 Prozent ab Juli. Damit würden die Mitarbeiter ganze drei Monate leer ausgehen. Das Verhalten der Arbeitgeber ist unglaublich. Denn die Betriebe hatten in der Hochphase des Corona-Lockdowns zum Teil zweistellige Zuwachsraten bei Absatz und Umsatz. Die Belegschaften haben geschuftet und alles gegeben, damit die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden konnte. Zusatzschichten und Überstunden waren an der Tagesordnung bzw. sind es immer noch. Bereits im vergangenen Jahr hat die Lebensmittelindustrie ein Umsatzplus von 5,6 Mrd. Euro erwirtschaftet. Dies haben die Unternehmen nur der hohen Einsatzbereitschaft und Innovationsfähigkeit unserer Kolleginnen und Kollegen zu verdanken. Deshalb senden sie heute zurecht ein Warnsignal und legen für mehrere Stunden die Arbeit nieder.“

Warnstreik in Mönchengladbach-Herrath

Die NGG verweist darauf, dass die Lebensmittelindustrie wie keine andere Branche gut durch die Krise gekommen sei. Die Hamsterkäufe der Monate März und April seien zwar vorbei, allerdings habe sich das
Verbraucherverhalten seit Beginn der Krise deutlich geändert. Die Menschen würden mehr zu Hause essen und selber kochen. Und dies spüle Umsätze und Gewinne in die Kassen der Lebensmittelbetriebe.

„Alles in allem geht es der Branche gut. Hinter dieser Entwicklung steht harte Arbeit, die jeden Tag von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gemacht wird. Und die muss angemessen honoriert werden“, so Peters. Der Gewerkschafter erinnert daran, dass die Lebenshaltungskosten zuletzt sprunghaft angestiegen sind: „Die Inflation ist krisenbedingt zwar gesunken. Aber rechnet man die Energiepreise raus, dann sind die Lebenshaltungskosten im Mai um satte 1,6 Prozent gestiegen. Allein die Lebensmittelpreise sind im Mai um satte 4,5 Prozent teurer geworden. Außerdem fressen Mieten und andere Kosten einen großen Teil der Einkommen der Beschäftigten auf. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Tariflöhne nicht abgehängt werden.“

Die nächste Tarifverhandlung für die Obst & Gemüseverarbeitende Industrie an Rhein und Ruhr, zu der auch die drei Unternehmen gehören, werden am 03. Juli 2020 fortgeführt.