Das musst du wissen

pendeluhr

Wenn man eine Entscheidung treffen will und sie dann nicht trifft, hat man sich auch entschieden. So ging ich nicht vor. Ich wollte mich nicht dispensieren von meinem Handeln-Müssen.

Meine priesterliche Tätigkeit, die ich zwölf Jahre lang ausgeübt hatte, wollte und konnte ich nicht fortsetzen. Ich war jedoch bestrebt, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten und mir nicht vorwerfen bzw. vorwerfen zu lassen, unentschieden zu sein. Wenn sich später herausstellen sollte, dass ich besser nicht so gehandelt hätte, würde ich zu meiner Entscheidung stehen.

Meine Eltern lebten nicht mehr. Mein Vater war in Russland gefallen. Meine Mutter begleitete bis zu ihrem Tod einige Stationen meines priesterlichen Weges und versorgte vorübergehend meinen Haushalt. Wie hätte sie die Rücknahme der von mir getroffenen Entscheidung, Priester zu werden, aufgenommen? Ich glaube annehmen zu können, so wie sie auf mein Ja zum Priestertum reagiert hatte: „Das musst du selbst wissen.“

Als sie starb, war ich ein gestandener Mann und bereits etliche Jahre in Pfarreien und Schulen tätig. Dennoch ging mit ihrem Tod ein Lebensabschnitt auch von mir zu Ende. Ich habe mich nicht gescheut, oft ihre Meinung einzuholen. Ihre Bemerkung aus früheren Jahren „Ich denke selbst“ war haften geblieben. Er ermutigte mich, ihren Rat anzuhören.

„Was meinst du, wenn ich . . .“ Wenn ich so fragte, antwortete sie gelegentlich: „Frag mich morgen noch einmal.“ Dann wusste ich, dass ich nicht mehr zu fragen brauchte. Sie kannte meine Fähigkeiten, wusste um meine Grenzen. Ohne viele Worte trug sie dazu bei, dass ich Realist blieb und mir ein Gespür für das Machbare bewahrte.

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