Der Ehrenfriedhof in Mönchengladbach-Hardt.
Gedanken zum Volkstrauertag

Die großen Kreuze auf dem Ehrenfriedhof an der Louise-Gueury-Straße in Mönchengladbach-Hardt kann man nicht übersehen. Drei Massivholzkreuze wurden 1951 als Mahnmal errichtet. Erinnerung an begrabene Hoffnungen. Die waagerechten Balken der Kreuze verkleidete man mit Kupferblech zum Schutz gegen die Witterung.

Der damalige Vorsitzende des Kreisverbandes „Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge“ erinnerte in einer Feierstunde an die „stillen Helden, die in Liebe zur Heimat und in treuer Pflichterfüllung ihr junges Leben hingaben“. Die Kreuze seien „Zeichen der Liebe und Versöhnung“. Das Friedenszeichen stehe über dem Menschenhass.

Ungewöhnlich hohe Kreuze streben nach oben, nicht den Himmel stürmend, sondern mit Bodenhaftung. Man muss sich, um das zu verstehen, in die Zeit nach dem Krieg versetzen, in der das Konzept für das Mahnmal entworfen wurde. Das Kriegsende empfanden viele als bittere Niederlage nach dem Fanatismus, der anfangs geherrscht hatte. Erlittene Entbehrungen und Hunger hatten Fragen aufkommen lassen, auf die es keine befriedigenden Antworten gab. Die Welt schien leer zu sein. Zerstörte und noch nicht wieder aufgebaute Städte. Zerstörte Seelen. Täuschung und Selbsttäuschung lagen dicht beieinander.

Man wusste nicht, ob alles anders, vor allem aber besser würde. Sollte man jenen glauben, die einen Neubeginn in Gang gesetzt hatten, oder vertrieben diese Leute die noch verbliebenen Hoffnungen? Das vermeintlich Beste entsprach häufig nur dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Manche Kirchengetreue waren der Meinung, dass die Entchristlichung während der Kriegsjahre sowie das Nicht-Beachten göttlicher und kirchlicher Gebote die eigentlichen Gründe waren für die Zerstörungen und das erlittene Leid. Dagegen mussten im wahrsten Sinn des Wortes Zeichen gesetzt werden. Die  Kreuze auf dem Soldatenfriedhof  konnten daher nicht hoch genug sein. Jede Zeit macht die Menschen zu dem, was sie sind.

Mönchengladbach war 1945 in den letzten Wochen des Krieges Frontgebiet gewesen. Viele Gefallene konnten nicht von der eigenen Truppe beigesetzt werden. Nachrückende Amerikaner bargen die Toten, brachten sie aus dem Umkreis, sogar aus dem Kampfgebiet um den Brückenkopf in Wesel, nach hier und begruben etwa 900 Gefallene, ein Drittel davon unbekannte Soldaten, in der Form amerikanischer Sammelanlagen.

Anwohner aus den umliegenden Häusern berichteten, dass die Toten in Feldplanen bestattet wurden. Auf die Gräber setzte man weiße amerikanische Holzkreuze. 1953 ließ die Kriegsgräberfürsorge 265 Gräber unbekannter Soldaten wieder öffnen, um die Toten zu identifizieren. Man stellte fest, dass ihnen eine Flasche mit ins Grab gelegt worden war mit Angaben zu Dienstgrad und Waffengattung, zu Todestag und Ort des Todes, zu Körpergröße, Gewicht, Hautfarbe, Augenfarbe und Zahnbeschreibung. Da viele Flaschen in der Zwischenzeit undicht geworden oder zerstört waren, konnten nicht alle Angaben verwertet werden.

Da der Friedhof einen Steinwurf weit von meiner Wohnung entfernt liegt, nutze ich oft die Gelegenheit, Gräber aufzusuchen. Kurt Spangenberg, 1919-1945. Herbert Berger, 1907-1945. Heinrich Quade, 1906-1945. Johann Mildner, 1924-1945. Es kommt vor, dass ich nicht weiterzugehen vermag. Die mir unbekannten Soldaten scheinen aus einem langen Schlaf zu erwachen und mich zu fragen, was geschehen sei und wer sie nach hier gebracht habe. Vor dem einen oder anderen Grabstein brennt eine Kerze oder steht ein Blumenstrauß. Manche Kerze ist erloschen. Mancher Blumenstrauß ist in den heißen Sommermonaten verwelkt. Erinnerungen kann man wachhalten, aber sie sind zeitgebunden.

Herbert Kemmerling aus Hardt, der sich ehrenamtlich im Pfarrarchiv der Pfarrei St. Nikolaus engagiert, hat mir dankenswerter Weise Kopien von Schriftstücken und Urkunden zur Verfügung gestellt. Ohne seine Hilfe wäre dieser Artikel nicht zustande gekommen.

In einem Dokument heißt es:

M.Gladbach, den 8. Oktober 1945
Heute erschienen
HERR MAJOR KIRKLANG
Vertreter des Gräberdienstes im Hauptquartier der USA, in Fulda, mit seinem Dolmetscher Gumpurtz.
Er erklärte:
„Ich übergebe hiermit den Ehrenfriedhof in dem Gebiet der Gemeinde Hardt in die Obhut des Oberbürgermeisters der Stadt M.Gladbach. Dieser übernimmt von diesem Augenblick ab die Sorge für den Friedhof. Gleichzeitig übergebe ich eine Liste über die dort beerdigten Toten.“

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