Eine „jecke Spende“ für ein wenig weniger allein sein

Foto: DIE LINKE

An einem 11.11. um 11:00 Uhr erwartet das Rheinland eigentlich das Hoppeditz Erwachen, aber an diesem Sonntag erschien beim Verein Wohlfahrt eine gar nicht karnevalistische Delegation.
Der Fraktionsvorsitzende Torben Schultz, der Kreissprecher Sebastian Merkens und der Fraktionsgeschäftsführer Erik Jansen waren spontan gekommen um eine 1000,- Euro Spende zu übergeben, die allerdings eine „jecke“ Vorgeschichte hat.

Das Treffen fand im Bruno-Lelieveld-Haus statt, besser bekannt als Obdachlosentreff Erzberger Straße. Es bietet sechs Tage die Woche den Wohnungslosen eine Anlaufstelle.
Herr Dalz, der Geschäftsführer des Verein Wohlfahrt, berichtete über die Arbeit und die Probleme. Die Leistungsvereinbarung mit der Stadt würde im Prinzip nur einen beheizten Raum und eine hauptamtliche Kraft zur Betreuung plus einen Hausmeister ermöglichen.
Weiter gibt es eine(n) „BuFDI“ (Bundesfreiwilligendienst) und zwei Ein-Euro-Jobber. Aus Eigenmitteln (Spenden) wird dann noch eine halbe Stelle finanziert. Doch die Einrichtung bietet mit warmen Essen, Duschen, vier Betten um tagsüber den fehlenden Schlaf auf der Straße nachzuholen und der Möglichkeit zum Wäsche waschen deutlich mehr. Dafür wird jede kleinere oder größere Spende dringend benötigt. Nur so kann der Tagestreff ein Raum der Menschlichkeit sein.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der täglichen Besucher von etwa 45 auf inzwischen teils über 100 Personen mehr als verdoppelt. Dabei sind nicht alle Besucher obdachlos, das Bruno Lelieveld-Haus versteht sich als „Ein Platz für Alle“. Und so haben etliche Besucher zwar eine „Bleibe“. Diese sind dann aber oft von den Vermietern derart verkommen lassen worden, dass schon die Bezeichnung „Dach über‘m Kopf“ eine Übertreibung ist.

Der Verein Wohlfahrt bietet im Bereich der Wohnungslosenhilfe ein abgestuftes Konzept. Der Tagestreff mit dem Motto „ein wenig weniger allein sein“ ist dabei das niederschwellige Angebot.
Als stationäre Einrichtung gibt es dann das Anna Schiller-Haus, dessen Spruch „Ich will wieder meinen Platz in der Mitte finden“ alles sagt. Es geht um Wiedereingliederung wenn Menschen aufgrund verschiedenster Schicksale aus der Gesellschaft herausgefallen sind. Abgerundet wird das Angebot mit einer ambulanten Betreuung von derzeit 26 Wohnungen, denn nach dem Problem eine Wohnung zu finden geht es darum diese auch zu halten.

„Die geschilderten Probleme sind so vielfältig“, sagt Schultz abschließend, „da hat Politik noch ganz viel nachzuarbeiten. Leider haben Obdachlose kaum eine Lobby und so wird sich an vielen Stellen wohl nicht so schnell etwas ändern. Um so wichtiger ist die Arbeit des Verein Wohlfahrt. Vielleicht verzichten ja ein paar Bürger zu Karneval auf das letzte Bier oder zu Weihnachten auf ein Schoko-Nikolaus und spenden das Gesparte für die Arbeit des Bruno-Lelieveld-Haus.“

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