Einfallspforte des Teufels

Einer mittelalterlichen Synode zufolge war alle Bosheit klein, verglichen mit der Bosheit des Weibes. Weibliche Wesen, die im Theologen-Konvikt Dienste verrichteten, sollten wir nicht grüßen, den Blickkontakt mit ihnen möglichst meiden. Tugendhaftes Verhalten junger Theologiestudenten galt es zu schützen. Die Damen verrichteten ihre Arbeit nach dem Heinzelmännchen-Prinzip: Wenn wir nicht anwesend waren.

Orientierte man sich am Kirchenvater Tertullian, der das Weib als Einfallspforte des Teufels gebrandmarkt hatte? Die Anleitung zu züchtigem Verhalten ließ sich religionsgeschichtlich begründen. Künftige Theologen sollten sich die Welt, vor allem das Weib, vom Leib halten. Abraham a Santa Clara, Schriftsteller und Prediger der Barockzeit, prangerte die Laster seiner Zeitgenossen an. Eindringlich warnte er sie vor den Frauen, die Unheil in die Welt gebracht hätten.

Auch jetzt sollte die Harmonie der Theologen-Seele gesichert werden. Verborgene Leidenschaften mussten abgetötet werden.

Die Erziehungs-Enzyklika „Divini illius magistri“ von Papst Pius XI. lieferte zusätzliche Argumente. Die menschliche Natur leidet ihr zufolge unter den Nachwirkungen der Erbsünde. Besonders die Schwäche des Willens und die ungeordneten Triebe sind betroffen. Damit die schädlichen Leidenschaften nicht erst im Alter erlöschen, müssen von Kindheit an ungeordnete Neigungen verbessert, gute dagegen gefördert und geordnet werden. Der Verstand muss erleuchtet, der Wille mit Hilfe übernatürlicher Wahrheiten und Gnadenmittel gestärkt werden.

Päpstliche Enzykliken irren nicht. Seit Papst Gregor VII. haben wir Kenntnis von der päpstlichen Unfehlbarkeit.„Es irrt der Mensch, solang er strebt“. Der „Herr“ in Goethes „Faust“ ist gegensätzlicher Ansicht.

Dass sich namhafte Fachleute zur gleichen Zeit kritisch mit dem Stellenwert der Sexualität in Kirche und Gesellschaft beschäftigten, sprach sich in der Theologen-Ausbildung nicht herum. Friedrich von Gagern, Klemens Tilmann, Clemente Pereira lieferten in ihren Schriften Beispiele für einen offenen Umgang mit der Sexualität. Sie gaben Anregungen für eine Sexualerziehung, die einer einengenden Sexualmoral den Boden entzogen.

Die Universität bot moraltheologische Vorlesungen und Seminare an, die sich mit „Allgemeiner Moral“, mit dem „Pflichtenkreis des persönlichen Lebens“ und dem „Pflichtenkreis des Gesellschaftslebens“ beschäftigten. Dass es zu kritischer Auseinandersetzung damit gekommen ist, entsinne ich mich nicht.