„Größer und moderner – aber im Herzen doch dieselbe“

Eine 37 Meter lange, filigrane Stahlbrücke überspannt den Lichthof vor dem Neubauteil im Untergeschoss. Dahinter ist der bekannte Anblick auf das denkmal-geschützte Gebäude weitestgehend erhalten geblieben. ©Stadt MG

Die Bauarbeiten an der Zentralbibliothek sind abgeschlossen.

Eine umfassende Modernisierung des denkmalgeschützten Bestands, Erweiterungen des Gebäudes über und unter der Erde und massive Umnutzungen von Gebäudeteilen wie die Verwandlung einer alten Garage in den neuen „Makerspace“.
Die Baumaßnahme, die seit Juli 2020 in der Zentralbibliothek Mönchengladbach lief, hätte anspruchsvoller nicht sein können. Jetzt ist das Großprojekt abgeschlossen. Am Freitag, 21. April, hat das städtische Gebäudemanagement (gmmg) der Stadtbibliothek ihr „Zuhause“ wieder übergeben. Eröffnet wird die Zentralbibliothek am 2. Juni.

Im neuen Makerspace gibt es ein begehbares Stahlnetz. Sie probierten es aus (v.l.): Bibliotheksleiterin Brigitte Behrendt, Beigeordnete für Kultur Christiane Schüßler, Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter Dr. Gregor Bonin, Projektleiter Holger Janke. © Stadt MG

Wie ein Geschenk fühle sich diese Übergabe an, beschrieb Kulturdezernentin Christiane Schüßler ihre Gefühlslage und dankte auch ihrem Vorgänger, zu dessen Amtszeit das Projekt begonnen worden war. Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter Dr. Gregor Bonin hingegen hat das Projekt von Anfang bis zum Ende mitentwickelt und begleitet. „Aus der Notwendigkeit, den Brandschutz zu verbessern, haben wir hier ein Projekt entwickelt, bei dem die Bibliothek größer und moderner wird – aber im Herzen doch dieselbe bleibt. Das geht nur mit viel Mut, großem Einsatz und überzeugenden Ansätzen, bei dem die bauliche Vision und das innovative Konzept der Bibliothek Hand in Hand gehen. Eine Wahnsinnsleistung aller Beteiligten!“, so Bonin.

Trotz der Widrigkeiten der Corona-Pandemie und der Hochwasserkatastrophe an der Ahr 2021 konnte das Projekt innerhalb des freigegebenen Budgets von 21,5 Millionen Euro Gesamtkosten fertiggestellt werden. Die Kosten werden zu 90 Prozent aus dem Städtebauförderung Soziale Stadt Gladbach und Westend bezuschusst. Dass das Geld gut investiert ist, davon zeugte ein Gebäuderundgang anlässlich der Wiedereröffnung.

Projektleiter Holger Janke (Mitte) stellt beim Rundgang den überbauten ehemaligen Innenhof vor. Das Tageslicht wird hier in Szene gesetzt – durch große Fensterbänder, Lichtreflektoren an den Decken und spezielle Stäbe, in denen Prismen das Sonnenlicht in seine regenbogenfarbigen Bestandteile brechen. © Stadt MG

Doppelte Publikumsfläche und reichlich Tageslicht

Die Führung übernahm Projektleiter Holger Janke vom gmmg, der das Projekt seit Mitte 2017 begleitet hat. Dabei wurde schon von außen deutlich, wie bei dem Projekt der Balanceakt aus Denkmalerhalt, Modernisierung und Erweiterung geglückt ist. Für die Fassade des Eingangsbereichs etwa wurden 150 Quadratmeter blaue Fliesen denkmalgerecht nachgebrannt. Am Archivturm hat das gmmg die Blechverkleidung zurückbauen lassen und die Fassade wieder der originalen Optik aus den 60er Jahren nachempfunden. Und auch der längliche, sich parallel zur Blücherstraße erstreckende Gebäuderiegel präsentiert sich dank vieler Fenster wie gewohnt in lichter Optik, allerdings mit deutlich besser Dämmwerten als zuvor.

Die „Straßenansicht“ auf das denkmalgeschützte Gebäude wurde also bei der Modernisierung erhalten – und das obwohl zwischen Straße und Bestandsgebäude ein gänzlich neuer Gebäudeteil herangewachsen ist. Der über 300 Quadratmeter große Neubau, in dem viele variable Möbel von Sofa bis Coworking-Tisch zum Lesen, Lernen und Arbeiten einladen, liegt unter der Erde, hat ein begrüntes Dach und wird von einem großzügigen Lichthof mit Tageslicht versorgt. Eine filigrane Stahlbrücke überspannt den unterirdischen Außenbereich und schafft so einen direkten Zugang zum Haupteingang. Nach Keller fühlt sich der Neubau nicht an. Dank großer Fenster und einer reflektierenden Verkleidung der Lichthof-Außenwand wird der Bereich mit Tageslicht durchflutet. Auch Lichtreflexionselemente an den Decken, wie sie in vielen Bereichen der Bibliothek verbaut wurden, tragen zu diesem Effekt bei und transportieren das Tageslicht weit in den Raum hinein.

Die Flächen im Untergeschoss bilden eine thematische Einheit mit weiteren gut 300 Quadratmetern im Bestandgebäude, die zuvor als Lagerkeller genutzt wurden. Direkt daneben wurde eine angrenzende Garage in den knallroten Makerspace verwandelt, eine Art kreative Ideenwerkstatt samt 3D-Drucker, in der Nutzer an eigenen Projekten tüfteln können. Dazu dienen Arbeitstische ebenso wie ein begehbares Stahlnetz, auf dem man es sich mit XXL-Kissen gemütlich machen kann. Weitere Publikumsflächen konnten im Obergeschoss gewonnen werden. Aus vielen einzelnen Büroräumen wurde hier ein durchgängiger, 500 Quadratmeter großer Bereich – der „Salon“ mit Belletristik, Musik, Tanz, Theater, bequemen Sitzgruppen, aber auch einem ePiano und einem Filmtheater. Bequeme Sitzgruppen und niedrige Regale prägen nun den Anblick. Der Raum wird aus zwei Richtungen mit Tageslicht versorgt und ermöglicht attraktive Ausblicke.

Ein weiterer Lichtblick erschließt sich Besuchenden gleich beim Betreten des Haupteingangs, wo das Foyer um 150 Quadratmeter zur „Plaza“ erweitert wurde. Möglich macht das eine Überbauung des ehemaligen Innenhofs über zwei Geschosshöhen. Das Licht wird auch hier in Szene gesetzt – durch große Fensterbänder, Lichtreflektoren an den Decken und spezielle Stäbe, in denen Prismen das Sonnenlicht in seine regenbogenfarbigen Bestandteile brechen. Die Einbeziehung des ehemaligen Innenhofes war auch deshalb sehr wichtig, da erst von hier aus sichtbar wird, wie sich die Bibliothek in ihre einzelnen Teilbereiche erschließt.

Alles in allem haben sich durch die unterschiedlichen Um- und Anbauten die Publikumsflächen auf knapp 2.905 Quadratmeter verdoppelt. Dazu gehören auch Veranstaltungsflächen wie etwa der Wandelsaal mit eingebauter Bühne samt Veranstaltungstechnik, ein Gladbachkabinett mit Literatur zu Mönchengladbach und der Region sowie mit Ausstellungsvitrinen für historischen Sammlungen und Exlibris. In Richtung des Gartens, im dem Urban Gardening Einzug halten soll, erstreckt sich zudem eine ca. 80 qm große Leseterrasse.

Kilometerweise Kabel und eine Öffnung ins Quartier

Ein vergrößertes Gebäude mit neuer Aufteilung und angepassten Raumzuschnitten – das ist der sichtbare Teil dessen, was in der Zentralbibliothek seit dem Baubeginn im Juli 2020 erreicht wurde. Doch die Maßnahme umfasste weit mehr, wie Projektleiter Janke zu berichten weiß: „In Teilen des Gebäudes mussten wir Schadstoffe entfernen, vor allem aber haben wir den kompletten Brandschutz und die Gebäudeenergetik verbessert. Auch die Elektrik und die Dateninfrastruktur sind auf einem komplett neuen Level, sodass die Bibliothek jetzt fit für das digitale Zeitalter ist.“ Um das zu schaffen, hat das gmmg mehr als 38 Kilometer Strom- und rund 34 km Datenkabel im Gebäude verlegt, 1.600 LED-Leuchten eingesetzt, über 100 Lautsprecher und gut 300 Rauchmelder verbaut.

Auch wenn das Bücherausleihen heute dank eBooks von der heimischen Couch aus funktioniert, kommt Bibliotheken auch und gerade in einer immer digitaleren Welt eine zentrale Rolle in der Stadtgesellschaft zu, wie Bibliotheksleiterin Brigitte Behrendt unterstreicht: „Die Zentralbibliothek ist viel mehr als nur ein Ort zum Bücher ausleihen. Wir sind Lernort, Treffpunkt und Vernetzungsort. Wir bieten den Menschen Räume mit hoher Aufenthaltsqualität und zukunftsfähiger technischer Ausstattung sowie der Möglichkeit vielfältige Erfahrungen und Entdeckungen zu machen. Hier kann man Dinge erleben – in der realen wie in der digitalen Welt, alleine und zusammen. Wir sind ein Ort, der inspiriert und Identität schafft! Mit der runderneuerten Zentralbibliothek haben wir jetzt die Rahmenbedingungen, diesem modernen Selbstverständnis einer Bibliothek gerecht zu werden.“

Dass sich die Zentralbibliothek ins Quartier hin öffnen soll war deshalb eine Leitidee der baulichen Planung ebenso wie der inhaltlichen Neuausrichtung der Bibliothek, die in den Veranstaltungsflächen im Gebäude, im Café oder auch im Makerspace Niederschlag gefunden hat. Aufgegriffen wird dieser Gedanke bei der geplanten Umgestaltung des Adenauerplatzes. Die Kaiserstraße soll auf der Höhe des Bibliotheksgrundstückes für den Verkehr gesperrt bleiben, sodass man, von der neuen Stahlbrücke kommend, ohne Hindernisse in den Park gelangt. Hier wird man sich dann zum Beispiel auf Bänken inmitten von Staudenbeeten niederlassen können, um ein paar Seiten zu lesen, miteinander zu sprechen oder einfach das Grün zu genießen. Baubeginn am Adenauerplatz soll frühestens Ende 2023 sein.