Grüne bemängeln Planungen zum ZOB am Europaplatz

ZOB in 2020

Die grüne Fraktion hat einen Antrag eingebracht, wonach die vorgestellten Planungen zur Bebauung des Europaplatzes an die Verwaltung zurückverwiesen und der Bebauungsplan Nr. 789 N „Europaplatz“ nicht weiter verfolgt werden soll.

Die Grünen in Mönchengladbach lehnen die vorgestellten Planungen der NEW mobil und aktiv GmbH zum Umbau des Europaplatzes in einen Mobil Hub der Zukunft ebenso wie das Betriebskonzept und die Leistungsfähigkeitsuntersuchung als weder bedarfsgerecht noch funktional ab.

Dr. Boris Wolkowski, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und OB-Kandidat der Grünen, hält die Umgestaltung von „Haus Westland“ und des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) für ein grundsätzlich sinnvolles Unterfangen. „Leider scheinen die jetzt vorgelegten Planungen allerdings wenig geeignet, um den ZOB zukunftsfähig zu gestalten“, sagt Wolkowski.

Immerhin soll der Busbahnhof in seiner jetzigen Größe um rund die Hälfte verkleinert werden. „Wir brauchen dringend eine andere Klimapolitik – und dazu ist der Ausbau des ÖPNV dringend notwendig; dass dieser Ausbau nun mit einem um die Hälfte verkleinerten ZOB funktionieren soll, das halte ich für ein Gerücht“, so der Grünen-Politiker. Hintergrund: Der Platz soll nach neuer Planung nur noch 8.500 Quadratmeter umfassen. Das bedeutet: Die Hälfte des derzeitigen öffentlichen Raumes entfällt zugunsten einer Versiegelung von Fläche und wird bebaut.

Wie der Nahverkehrsplan für die Stadt Mönchengladbach vom August 2017 feststellt, stellt das Umsteigen zwischen den Verkehrssystemen mit möglichst kurzen Umsteigezeiten und Umsteigewegen eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Ausgestaltung des ÖPNV-Netzes dar.

Nun hatte der BUND in seiner Stellungnahme vom 10. August 2020 aber moniert, dass die Zahl der Haltestellen nur durch die Ausdehnung der Betriebsabläufe des ZOB in die Nebenstraßen aufrechterhalten werden kann. Das macht den ZOB auf dem verkleinerten Europaplatz zu einem ZOB der weiten Wege. Das im Auftrag der NEW mobil und aktiv von der Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft Lindschulte erstellte Betriebskonzept vom 03.07.2020 führt als Umsteigezeit für die am weitesten voneinander entfernten Haltestellen sieben Minuten auf; gemäß dem aktuellen Blockabfahrtsplan sind es hingegen gut drei Minuten.

„Wenn die NEW mobil und aktiv bei ihrer derzeitigen Fahrplangestaltung bleibt, wird der ZOB nicht funktionieren“, meint Wolkowski und verweist auf das Betriebskonzept. Sieben Minuten lange Wege könnten beim System der Blockabfahrten nicht eingehalten werden. Weiter bräuchte es bei den Blockabfahrten andere Haltestellen, auch die Anschlüsse an die Deutsche Bahn müssten optimiert werden. „Die Anpassung an das Betriebskonzept wird nicht umsonst zu haben sein“, schätzt Wolkowski. Zu klären sei, ob und wie diese Anpassung bezahlt werden könne.

Was den Grünen aber am meisten ärgert: „Für Menschen, die in der Mobilität eingeschränkt sind, sind solch lange Wegeverbindungen ein Schlag ins Gesicht; ein moderner Busbahnhof muss vor allem auch auf die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter und älterer Menschen Rücksicht nehmen.“

Gar nicht berücksichtigt wurden bei den Planungen für den neuen ZOB bislang die Corona-Pandemie und die mit dieser Infektionskrankheit verbundenen notwendigen Einschränkungen, insbesondere die Abstandsregelungen, merkt Wolkowski an. „Das von der NEW mobil und aktiv bestellte Ingenieurbüro Lindschulte stellt fest, dass das aufgestellte Betriebskonzept allen Anforderungen des Nahverkehrsplans der Stadt entspreche. Das bezweifeln wir angesichts der aktuellen Sachlage aber “, sagt der Grünen-Politiker. „Ich glaube, da müssen noch ein paar Hausaufgaben gemacht werden.“