Im Einvernehmen mit der Kirche

pendeluhr

Ich hätte die Laisierung ablehnen und zivilrechtlich heiraten können. Laut Kirchenrecht hätte ich damit meine priesterlichen Funktionen aufgegeben. Andere handelten oder handeln so.

In eine nicht nach kanonischem Recht geschlossene, klandestine Ehe zu flüchten, kam nicht in Frage. Verlegenheits-, Verlogenheits-Lösungen lehnten wir ab. Wir wollten nicht in luftleeren, kirchenfernen Räumen leben. Unser Leben sollte von denen, die uns kannten, verstanden und unterstützt werden. Wir strebten keine Beziehung an, von der niemand wissen, aber jeder ahnen konnte.

Ich hatte gehört von der Not und den Zweifeln, von Schwierigkeiten und Demütigungen, die geheime Priesterfrauen ertrugen. Die Beziehung zu einem Priester konnten sie nicht öffentlich zeigen, wenn dieser sich nicht dazu bekannte. Welchen psychischen Druck es auslösen kann, etwas zu verbergen, was nicht ans Licht gelangen soll, kann man ahnen. Partnerschaft hat ein Recht auf Öffentlichkeit, nicht nur auf idyllisches Privatleben. Sie ist kein Nischenkonzept.

Ebenso wehrte ich mich gegen ein „Feindbild Kirche“. Ich wollte nicht Barrikaden errichten, sondern im Einvernehmen mit der Katholischen Kirche bleiben.  Diese Kirche plante ich nicht zu verlassen, um Christ bleiben zu können.

Von einer Äußerung Friedrich Nietzsches, man dürfe nicht in die Kirche gehen, wenn man reine Luft einatmen wolle, hielt ich nichts. Meine Frau und ich wollten nicht ohne Kirche gemeinsam allein und heimatlos sein.

Papst Paul VI. versetzte mich in den Laienstand. Die Pendeluhr, deren Uhrwerk  ins Stocken geraten war, nahm wieder ihren Takt auf.