Null (Zero)-Emission-Gewerbeflächen: Zukunftsvision an der Stadtgrenze von Mönchengladbach und Jüchen?

OB Felix Heinrichs und Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens sprechen mit Bürger*innen anlässlich bevorstehender Regionalplanänderung

In Mönchengladbach-Sasserath und auf dem angrenzendem Jüchener Stadtgebiet soll im Regionalplan Düsseldorf ein knapp 60 Hektar großer Allgemeiner Siedlungsbereich für Gewerbe (ASB-GE) ausgewiesen werden. Dazu tauschten sich am Dienstagabend unter anderem Mönchengladbachs Oberbürgermeister Heinrichs und sein Jüchener Amtskollege Zillikens mit Bürger*innen in der Alten Schule Sasserath aus.

Wer an rauchende Schlote denkt, liegt weit daneben– so viel konnten Heinrichs und Zillikens den interessierten Bürger*innen schon jetzt versprechen. Und das, obwohl die in Aufstellung befindliche 10. Regionalplanänderung der Bezirksregierung Düsseldorf den Anfang einer langen Planungskette bildet, bei der frühestens in 10 Jahren mit konkreten Umsetzungen zu rechnen ist. Doch zum einen lässt ein ASB-GE – im Gegensatz zum Gewerbe und Industriegebiet – ohnehin nur Gewerbeansiedlungen zu, die nicht mit erheblichen Belästigungen verbunden sind. Zum anderen ist explizit der Gewerbestandort Sasserath/Jüchen als Modellvorhaben „Zero Emission“ geplant. Das heißt, dass im weiteren Planungsprozess – etwa durch vertragliche Regelungen im Rahmen der Bauleitplanung – ein bilanziell klimaneutrales Gewerbetreiben an diesem Standort sichergestellt werden muss.

„Wir sehen die Chance, im Schulterschluss unserer Städte ein gemeinsames Tor in das ‚Innovation Valley‘ zu schaffen“, umrissen die beiden Bürgermeister die Vision. Was genau auf den möglichen Gewerbeflächen denkbar ist, dazu soll ein Workshop im Sommer unter Beteiligung der Öffentlichkeit erste Ideen bringen, die dann in einem nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklungskonzept aufgehen. Aufgrund der wertvollen Böden am Standort ist zum Beispiel auch eine Gewerbeansiedlung rund um die nachhaltige Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Wiederverwertung von landwirtschaftlichen und biobasierten Produkten denkbar.

Strukturwandel und interkommunale Synergieeffekte

„Zukunftsfähige Gewerbeflächen sind ein wesentlicher Schlüssel für uns, um den Strukturwandel im Rheinischen Revier zu meistern und den Menschen in der Region auch in den nächsten Jahrzehnten wertige Arbeitsplätze zu bieten“, sagt Heinrichs. Insgesamt 142 ha Gewerbeflächen benötigt Mönchengladbach laut Bedarfsberechnung der Regionalplanungsbehörde für die Zukunft. Mehr, als die Stadt auf eigenem Stadtgebiet realisieren kann. Von den in der Regionalplanänderung vorgesehenen Flächenausweisungen liegen 36 Hektar auf Mönchengladbacher und 24 auf Jüchener Stadtgebiet. „Wir denken über die Stadtgrenzen hinaus und schaffen so wertvolle Synergieeffekte“, sagt Heinrichs. In der interkommunalen Zusammenarbeit sieht auch sein Jüchener Amtskollege Harald Zillikens eine echte Stärke:

„Die interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Mönchengladbach hat sich im Regiopark seit Jahren bewährt. Die gemeinsame Gestaltung eines neuen Gewerbestandorts als „Zero Emission“ Gebiet bietet die Möglichkeit zukunftsfähige und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen, die wir vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Braunkohlerevier dringend benötigen.“

Regionalplanänderung macht Auftakt für ein langfristiges Planverfahren

Ende 2021 hat der Regionalrat die Aufstellung der 10. Änderung des Regionalplans Düsseldorf beschlossen. Damit ist der erste Schritt einer langen Planungskette gemacht, die frühestens in 10 Jahren durch konkrete Ansiedlungen realisiert werden könnte.

Verfahrensträger der Regionalplanänderung ist die Bezirksregierung Düsseldorf.
Abgeschlossen wird das Verfahren mit einem sogenannten Feststellungsbeschluss.
Anschließend werden die Kommunen Mönchengladbach und Jüchen angehalten sein, im Rahmen der Bauleitplanung die Vorstellungen im Flächennutzungsplan zu konkretisieren und mittels Bebauungsplänen Baurecht zu schaffen.
Zuletzt stehen Grundstücksankäufe oder Umlegungsverfahren an.
Im gesamten Planungsprozess sind immer wieder Bürgerbeteiligungsverfahren vorgesehen.