Sie kommen zu spät, Herr Kardinal

Der Mönchengladbacher Autor, Peter Josef Dickers; Foto: Günter Pfützenreuter

Vom Ergebnis einer „Vollversammlung der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz“ ist zu berichten. Die Bischöfe wollen dem protestantischen Ehepartner eines katholischen Christen die Teilnahme an der Eucharistie erlauben. Seelsorger vor Ort seien vor eine „dringende pastorale Aufgabe“ gestellt, erklärte Kardinal Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz. Man habe ein Dokument  erarbeitet, um zu einer „verantwortbaren Entscheidung über die Möglichkeit des Kommunionempfangs des nichtkatholischen Partners zu kommen“.

„Möglichkeiten“ werden geprüft. „Verantwortbare Entscheidungen“ werden den Partnern abverlangt. Unabdingbar soll es sein, dass ein Seelsorger vor der Zulassung des nichtkatholischen Ehepartner zur Kommunion mit den Betroffenen über deren Glauben sprächen und sicherstellten, dass beide die katholische Eucharistielehre teilten. Es müsse ein „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis“ vorhanden sein, „das es nach dem Kirchenrecht möglich mache, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn trete.“

Gehen Sie davon aus, Herr Kardinal, dass jemand das ernst nimmt? Glauben Sie wirklich, dass diejenigen, die noch einen Gottesdienst besuchen, sich von Ihnen den Empfang der Kommunion erlauben oder verbieten lassen? Sind Ihnen Begriffe wie „persönliche Gewissensentscheidung“ oder „mündige Christen“ abhanden gekommen?

Sie kommen zu spät, Herr Kardinal. Vor fünfzig Jahren habe ich während meiner aktiven Seelsorge-Tätigkeit Partnern, die in „konfessionsverschiedener Ehe“ lebten, die Kommunion gereicht, wenn sie mich darum baten. Wie katholisch oder evangelisch sie dachten und lebten, entschieden sie selbst. Gemeinsam zum „Tisch des Herrn“ zu gehen, war Zeichen und Beweis ihrer persönlichen Verbundenheit miteinander und mit Gott.

Der damalige Kölner Kardinal Frings hatte in seiner kleinen Schrift „Interkommunion“ formuliert, was Ihnen fünfzig Jahre später wieder einfällt: „Wenn der betreffende evangelische Christ im Hinblick auf die Eucharistie katholisch denkt“, darf er kommunizieren. Denk-Prozesse haben stattgefunden. Der Kardinal erwartete keine Antwort.

Sie kommen zu spät, Herr Kardinal. Sie laufen einem Zug hinterher, der den Bahnhof verlassen hat. Glauben Sie, dass jene Tausende, die z. B. bei einem Katholikentag den „Leib des Herrn“ empfangen wollen, vorher Gewissenserforschung betrieben oder seelsorglichen Rat eingeholt haben, ob sie sich „Herr, bin ich würdig?“ gefragt haben?

Sie kommen zu spät, Herr Kardinal. Glauben Sie, dass die kontinuierlich schrumpfende Zahl derer, die noch am Gottesdienst teilnehmen – sofern einer angeboten wird – sich vorher fragt, ob sie „im Hinblick auf die Eucharistie katholisch denken“? Sind sie nicht froh, wenn überhaupt noch jemand kommt, und es Gemeinden gibt, in denen noch Eucharistie gefeiert wird?

Ich weiß nicht, wie die „Gemeinschaft der Gemeinden“ in Mönchengladbach auf  Ihre Deklaration reagiert. Vielleicht, so hoffe ich, wird sie als „Orientierungshilfe“ wunschgemäß zur Kenntnis genommen und vergessen.

Jenem Diakon, welcher bei einer „Narrenmesse“ in St. Gangolf /Heinsberg dem evangelischen Pfarrer die Kommunion spendete, wird der Bischof den Marsch geblasen haben. „Na und?“ frage ich. „Wenn liturgische Missbräuche nachgewiesen werden, sind disziplinarische oder strafrechtliche Maßnahmen nicht ausgeschlossen“, lautet die offizielle Erklärung. Welche Strafmaßnahmen hat sich der Aachener Bischof wohl ausgedacht oder erlassen?

Zweimal im Jahr feiern katholische und evangelische Christen in unserer Stadt Mönchengladbach gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst. Wenn das z. B. aus Anlass des evangelischen Reformationfestes der Fall ist, entfällt der katholische Gottesdienst. Glauben Sie, Herr Kardinal Marx, dass sich die katholischen und evangelischen Teilnehmer vorher fragen, „ob sie ein schwerwiegendes geistliches Bedürfnis verspüren“ und Gewissenserforschung betreiben zur Frage „Wie halte ich es mit der Teilnahme am Abendmahl?“

Glauben Sie, Herr Kardinal, dass am kommenden „Weißen Sonntag“ evangelische Väter und Mütter in unserer Stadt freiwillig in der Bank sitzen bleiben, wenn andere Eltern mit ihrem Kommunionkind zum Altar gehen, um auch die Kommunion zu empfangen? Oder sind nichtkatholische Elternteile vorher auf Geheiß so „geimpft“ worden, dass sie diesen Schritt nicht wagen?

Sie kommen nicht nur zu spät, Herr Kardinal. Sie laufen einem Zug hinterher, der an keinem Bahnhof mehr hält.

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5 Kommentare zu "Sie kommen zu spät, Herr Kardinal"

  1. Peter Josef Dickers | 7. April 2018 um 11:16 | Antworten

    Überzeugender Kommentar zum „Kardinal“ aus Baden.

    Ergänzen darf man ihn mit einem Zitat, das dem hl. Augustinus zugeschrieben wird:

    “Im Notwendigen Einheit,
    in allen anderen Freiheit,
    in allem aber die Liebe.“

  2. Sie kommen zu spät, Herr Kardinal!
    Nun, in unserem Stadtteil in einer badischen Großstadt ganz sicher, denn:
    hier leben und feiern seit vielen Jahren die kathol. und die beiden evang. Kirchengemeinden entsprechend dem, was sie unter Ökumene verstehen:
    O – Offene Kommunion
    E – Einladung an alle, die an Jesu Gegenwart im gemeinsamen Mahl glauben.
    K – Keine Ausgrenzung von Christen und Christinnen anderer Konfessionen.
    U – Uns allen gilt die Einladung: „Tut dies zu seinem Gedächtnis!“
    M – Mahl halten ist Zeichen der Einheit und Versöhnung.
    E – Eins zu sein ist Jesu oft wiederholte Bitte und Aufforderung.
    N – Nur in dieser Gemeinsamkeit können wir ein Zeichen des Friedens in dieser Welt sein.
    E – Einladung zur Wahrnehmung gegenseitiger Gastfreundschaft.

    Ein Mitglied des Kirchengemeinderates, aus verständlichen Gründen ohne Namensnennung.

    (Name der Redaktion bekannt)

  3. Pfützenreuter. Günter | 6. April 2018 um 12:41 | Antworten

    Lächerliches Theologengezänk, das normalkatholische oder normalevangelische „Kommunionkonsumenten “ nicht nachvollziehen können. Wenn die Kirche keine anderen Sorgen mehr hat, wird sie in dieser Welt e igentlich nicht mehr gebraucht.

  4. Claus Baumeister | 5. April 2018 um 12:20 | Antworten

    Herr Dickers, Sie sprechen mir aus der Seele. Worum geht es eigentlich in der Amtskirche? Kirche verkommen zum Amt? Geht es irgendwo noch um Spiritualität, Religiosität, Glauben? Sehen sich die sogenannten Würdenträger überhaupt noch als das, was sie vom Ursprung her sein sollen? Nach meinem Verständnis und in meiner Erinnerung, sollten sie nicht Würde tragen, sondern demütge „Menschenfischer“ in der Nachfolge Jesu sein. Will ich diesem zum „würdigen Amt“ verkommenen Etwas noch angehören? Das ist wirklich die große Frage. Die Antwort gibt die ständig steigende Zahl der Austritte. „Von nun an sollst du Menschenfischer sein.“ Vorbei. Höchstens noch Postenfischer und Pfründeabgreifer. Der Unterschied zum schmutzigen Geschäft der Politik, ist leider schon lange nicht mehr groß.

  5. Peter Josef Dickers | 5. April 2018 um 10:45 | Antworten

    Die aktuelle Diskussion über die mögliche Zulassung nichtkatholischer Ehepartner zur Kommunion nimmt inzwischen groteske Züge an. Einige deutsche Bischöfe, darunter der Kölner Kardinal Wölki, haben gegen diese Überlegungen, an denen sie selbst beteiligt waren, in Rom interveniert.

    Ich bin der kath. Kirche nach wie vor verbunden und engagiere mich. Mein Beitrag „Sie kommen zu spät, Herr Kardinal“ fußt auf dieser Gegebenheit. Das jetzige, unwürdige Gezerre lässt mich jedoch daran zweifeln, ob man der amtlichen Kirche noch angehören soll. Ich habe den Eindruck, dass sie von allen guten Geistern verlassen ist.

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